„Musik macht schlau“
Über die magische Kraft der Musik

Im Kultfilm „Casablanca“ sagt die legendäre Ingrid Bergman den mittlerweile zu Filmgeschichte gewordenen Satz „Play it again, Sam“. Mit diesen vier Worten bittet sie den Barpianisten Sam, das Lied „As time goes by“ noch einmal zu spielen, um den Filmhelden Rick, gespielt vom großartigen Humphrey Bogart, an seine längst vergangene Liebe zu erinnern.

„Play it again“, übersetzt „Spiel es noch einmal“ - so lernten viele von uns ganz unbewusst einen ungemein wichtigen Effekt von Musik kennen: Musik weckt Erinnerungen! Banaler und dennoch bester Beweis dafür: Demenzkranke, die sich ansonsten an nahezu nichts erinnern können, singen Liedtexte vollständig und fehlerfrei mit, wenn der Text zu einer bekannten Melodie gehört. Folgerichtig erschallen zu Weihnachten, sozusagen alle Jahre wieder, „Stille Nacht“ und „Oh Tannenbaum“ aus vielen Alten- und Pflegeheimen.

Folgerichtig gibt es mittlerweile kaum noch einen Bereich in der Krankenmedizin, in dem nicht versucht wird, gesundheitsfördernde Effekte unter Zuhilfenahme von Musik zu erzielen, sei es nach Schlaganfällen, bei Depressionen oder Parkinson.

Ein anderer, nicht minder wichtiger Bereich ist die Förderung von Intelligenz durch Musik – nicht nur durch Musik HÖREN, sondern insbesondere durch Musik MACHEN. Selber musizieren macht schlau!

Musizieren, ein Musikinstrument zu spielen, aktiviert viele unterschiedliche Hirnregionen gleichzeitig, erfordert ein komplexes und kompliziertes Zusammenspiel unterschiedlicher Fähigkeiten. Hörsinn, Sehsinn, Tastsinn und Feinmotorik werden gleichermaßen beansprucht. Dadurch ist die Konzentrationsfähigkeit bei Musikern in der Regel deutlich stärker ausgeprägt als bei Nichtmusikern.

Bei der Verarbeitung von Musik im Gehirn ist nach neuesten Erkenntnissen sogar eines unserer beiden Sprachzentren beteiligt – was positive Auswirkungen auf unsere kognitive („Denken“ im weitesten Sinne, u. a. Aufmerksamkeit, Lernfähigkeit, Kreativität, Verarbeitung und Umgestaltung von Informationen) und emotionale Entwicklung hat. Nicht nur die bereits erwähnte (Fein-)Motorik, sondern auch die auditive und die räumlich-visuelle Wahrnehmungsfähigkeit gilt bei Musikern als besonders stark ausgeprägt.

Die offensichtlich vorhandene Verbindung zwischen Musik und Sprache hat zur Folge, dass musikalisches Training schon bei Kleinkindern die Sprachfertigkeiten fördert und das Gedächtnis für Wörter verbessert. Gemeinsames Musizieren optimiert die emotionale Kompetenz von Kindern. Junge Menschen, die in Gruppen musizieren, gelten als besonders hilfsbereit und kooperationsfähig.

Darüber hinaus werden durch die Musik unterschiedliche Hormone ausgeschüttet. Die Vorfreude auf ein besonders intensives Musikerlebnis sorgt dafür, dass der Körper das Motivationshormon Dopamin bildet. Beim Hören der Musik werden Endorphine ausgeschüttet – körpereigene Glückshormone, die ansonsten auch beim Essen, beim Sport und – fatalerweise – durch Drogen produziert werden. So gesehen, ist Musik also ein ausgesprochen positiver und vor allem gesunder Ersatz für Drogen.

Ein weiterer positiver Effekt der Musik, der angesichts der bevorstehenden „Erkältungs-Jahreszeiten“ Herbst und Winter nicht vernachlässigt werden soll: Mit Musik geht nicht nur alles besser, nein, Musik und Gesang stärken auch das Immunsystem – das gilt mittlerweile als wissenschaftlich belegt.

Abschließend noch ein kleiner Tipp: Eine Schnupperstunde, um ein geeignetes Instrument kennen zu lernen, ist doch ein tolles Geschenk.

 

Über den Autor

Yvonne Lang
Yvonne Lang
Musiktherapeutin für Kinder und Jugendliche

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Aktuelle Ausgabe05.07.