MEDIAN Klinik Eschenburg

Suchterkrankungen im Wandel der Zeit

Eine Suchterkrankung ist eine schwerwiegende chronische Erkrankung, die letztlich jeden von uns treffen kann. Niemand kann sich davon freisprechen von irgendetwas abhängig zu werden. Suchtmittel, Sucht und süchtiges Verhalten begleiten die Menschheit seit langer Zeit, aber gerade in Krisenzeiten, in Momenten der Angst und Perspektivlosigkeit kann aus dem Wunsch nach Erlösung und Ablenkung aus „normalem“ Konsum schnell Abhängigkeit werden. Typisch ist eine schleichende Entwicklung an deren Anfang zumeist eine gute Ambition steht. Viele kennen und schätzen das Glas Wein am Feierabend zur Entspannung und Besinnung, aber auch, um Alltagssorgen in den Hintergrund rücken zu lassen – diesem Wunsch verfällt mach recht leicht und unbemerkt kommt es zu einer Dosissteigerung. Das Gehirn kommuniziert über chemische Botenstoffe und Suchtmittel greifen effizient in dieses System ein und vermitteln Glück und Befriedigung. Allerdings wird diese gewünschte Befriedigung oftmals mit einer langsam aber stetig steigenden Dosierung erkauft. So wird vielfach aus der noch unschädlichen Dosierung etablierter Suchtmittel, wie z.B. Alkohol eine auf Dauer extrem schädigende Menge, die benötigt wird, um den am Anfang so leicht zu erreichenden Effekt zu realisieren.

„Niemand steht morgens auf und beschließt abhängig zu werden.“

Aus dem Wunsch nach Spaß, Freude, Entspannung und Zufriedenheit entsteht oftmals durch ansteigende Konsummengen eine Abhängigkeit die nicht nur den Körper an seine Grenzen bringt, sondern auch Beziehungen und Freundschaften zerstört und ungebremst auf Dauer zum vollständigen Zusammenbruch führt. Viele Abhängige realisieren erst an diesem Punkt was passiert ist und begeben sich auf die Suche nach Hilfe - eine fest etablierte Abhängigkeit ist aus eigenem Willen heraus nicht mehr zu bewältigen und benötigt ärztlich/therapeutische Behandlung.

Zunehmend viele Menschen stehen den stetig wachsenden Sorgen und Ansprüchen hilflos gegenüber. Krieg, Inflation, explodierende Preise für Energie, Sorgen um Arbeitsplatz, Eigentum, ja sogar Sorgen in Bezug auf die elementaren Bedürfnisse wie warmes Wasser und Heizung treiben so manchen Mitmenschen an die Grenze der Belastbarkeit. „Wie soll es weitergehen?“ Diese Art der vermeintlichen Perspektivlosigkeit ebnet Sucht den Weg.

Sucht befindet sich im Wandel. Dem jeweiligen Zeitgeist folgend, ändern sich auch Konsumarten und Mittel. Cannabis, also Produkte aus der weiblichen Hanfpflanze, erleben in den vergangenen Jahren einen erheblichen Boom. Gleichzeitig wird der „Stoff“ immer konzentrierter und in seiner Wirkung potenter. Oftmals führt das beim jugendlichen Konsumenten zu erheblichen Entwicklungsstörungen im Gehirn und damit verbundener, tief verankerter Abhängigkeit. Auch Aufputschmittel aus der Gruppe der Amphetamine und Met-Amphetamine finden immer mehr Anwendung. Längst tritt dabei der Wunsch nach offenbar grenzenloser Leistungsfähigkeit in den Vordergrund. Die moderne Leistungsgesellschaft scheint dies zu verlangen. Oftmals in einem Maß, dem nicht jeder gewachsen ist. Immer häufiger greifen Menschen dafür zu Aufputschmitteln um die Leistungsfähigkeit vorübergehend zu erhöhen bis gewünschte Ziele erreicht werden können. Leider gewöhnt sich der Körper schnell an diese Mittel, und am Ende der Wirkzeit folgt tiefe, depressive Verstimmung, wenn die erwartete Dosis an Aufputschmitteln fehlt.

Sucht durchzieht unsere Gesellschaft. Nach Meinung vieler Wissenschaftler muss unser Verhalten in der modernen Leistungsgesellschaft mit ihrem beständigen Streben nach Erfolg und Wachstum als grundsätzlich süchtiges Verhaltensmuster eingestuft werden. Zudem muss die Akzeptanz und das Verständnis entwickelt werden, dass Sucht eine behandelbare Krankheit und kein persönliches Versagen darstellt. Süchte sind überwindbar. Es existieren tragfähige Konzepte sowohl im stationären als auch im ambulanten Setting, um Menschen mit einer Suchterkrankung neue Wege aufzuzeigen, um ein zufriedenes und abstinentes Leben zu führen.

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Aktuelle Ausgabe04.07.