Antibiotika bei Wespenstich?

Bald ist es wieder soweit: wenn der Hochsommer da ist, sind Wespen besonders aktiv. Fühlen sie sich bedroht, kann es durchaus sein, dass Wespen zustechen. In den meisten Fällen ist ein Wespenstich nicht gefährlich – außer man ist allergisch auf das Gift der Wespe.

Grundsätzlich ist bei einem Wespenstich auch ohne vorliegende allergische Reaktion eine unterschiedlich ausgeprägte Entzündungsreaktion zu erwarten, die sich als Folge der Injektion eines Gifts sehr rasch innerhalb weniger Minuten lokalisiert um die betroffene Stelle entwickelt. Diese Entzündungsreaktion wird in der Medizin als Inflammation bezeichnet. Typischerweise treten dabei eine umschriebene Rötung, eine Schwellung und ein schmerzhafter Juckreiz in individueller Ausprägung auf. In einigen Fällen sind eher verzögert auftretende Hautreaktionen möglich, die über wenige Tage anhalten und auch in der lokalen Ausprägung etwas intensiver sind.

Während diese Entzündungsreaktion als direkte Folge des Stiches und der Injektion des „Wespengifts“ auftritt, ist eine Infektion hingegen eher untypisch und insgesamt selten. Von einer Infektion spricht man in der Medizin, wenn sich jemand mit einem Krankheitserreger angesteckt hat. Dieser Erreger kann z. B. ein Bakterium, ein Virus, ein Pilz oder auch ein Wurm sein. Auch wenn Insekten und Stachel nicht als steril zu betrachten sind, rechtfertigt das Stichereignis weder eine generelle Antibiotikagabe noch beispielweise eine Auffrischungsimpfung gegenüber Tetanus, zumal es sich primär um eine nicht-bakteriell bedingte Entzündungsreaktion und eben nicht um eine Infektion handelt.

Die Herausforderung ist vielmehr, die zu erwartenden Symptome einer Reaktion auf Gift (Inflammation) von denen einer behandlungsbedürftigen Infektion zu unterscheiden. An eine Infektion ist zu denken, wenn sich im Verlauf weniger Tage Fieber, Abgeschlagenheit, Übelkeit, Schüttelfrost und Schmerzen (eher ohne Juckreiz) entwickeln und die entzündlichen Veränderungen die regionalen Lymphknoten mit einbeziehen.

Zu beachten ist, dass eine Infektion im Unterschied zu einer initialen Entzündungsreaktion (Inflammation) nicht sofort, sondern im Abstand von wenigen Tagen auftritt und andererseits Veränderungen im Rahmen einer Entzündungsreaktion (auch ohne Infektion) über bis zu zehn Tage anhalten können.

Die Wahrscheinlichkeit für eine Infektion lässt sich weiter reduzieren, wenn Manipulationen und Kratzen an der Einstichstelle vermieden werden, damit nicht sekundär über die Finger ein Eindringen relevanter Mikroorganismen aus der Umgebung erfolgt.

Zusammenfassend ist es sinnvoll, initial ein Hautantiseptikum auf die Stichstelle und das unmittelbar umgebene Hautareal aufzutragen und der zu erwartenden Entzündungsreaktion mit lokal kühlenden Maßnahmen zu begegnen.

Antibiotika sind ausschließlich bei sicheren Zeichen einer Infektionsreaktion indiziert. Von einer prophylaktischen Gabe ist ganz klar abzuraten.

Über den Autor

Prof. Dr. med. Martin Brück
Prof. Dr. med. Martin Brück
Chefarzt der Medizinischen Klinik I
Klinikum Wetzlar

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