Sommer, Sonne, Sonnenbrand

Es wird wieder Sommer. Endlich, sagen viele Menschen, denn die dunkle Jahreszeit ist mit unangenehmen Wetterverhältnissen, Kälte und kurzen Tagen verbunden. Nicht wenige Menschen bemerken Stimmungsveränderungen während der Wintermonate.

So ist auch erwiesen, dass sonniges Wetter einen positiven Einfluss auf unseren Gemütszustand hat. Also alles prima, wenn die Sonne endlich wieder scheint. Oder?

Eigentlich weiß es jede oder jeder. Zumindest jeder Mensch, der schon einmal einen Sonnenbrand hatte. Sonne ist nicht nur schön. Sie ist gefährlich.

Die Sonne gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Strahlungen ab, von denen wir nur das „sichtbare Licht“ sehen können. Die meisten Schädigungen der Haut werden durch UV-Strahlen verursacht, die wir nicht sehen können und unterschiedliche Wellenlängen haben. (UV-A, UV-B, UV-C) Vor allem die UV-B und UV-C Strahlung wird beispielsweise sehr effektiv durch die unseren Planeten umgebende Ozonschicht abgefiltert.

Die Ozonschicht wird durch das Sonnenlicht selbst gebildet. Mit energiereicher Strahlung werden 3 Sauerstoffmoleküle (O2) zu 2 Ozonmolekülen umgebaut. Dies ist ein normaler Prozess, der sich in einer hohen Schicht unserer Atmosphäre abspielt. Dort ist das Ozon keinesfalls schädlich, sondern der schon oben beschriebene Schutzfilter gegen das Sonnenlicht. Allerdings kann es an heißen Tagen auch in Bodennähe auftreten. Dort wirkt es dann als giftiges Gas, was z.B. Kopfschmerzen auslösen kann. Da es dort auch als Treibhausgas wirksam ist, trägt es zur Erderwärmung bei.

1974 wurden die schädlichen Auswirkungen von einigen in der Industrie benutzten und in Sprühflaschen enthaltenen Gasen auf die schützende Ozonschicht festgestellt. Durch das Verbot der FCKW (Fluor-Chlor-Kohlen-Wasserstoff) vor vielen Jahren wurde die Zerstörung der Ozonschicht aufgehalten. Aufgrund der Langlebigkeit vieler Gase, die die Ozonschicht schädigen können, ist aber mit einer vollständigen Erholung des UV-Schutzes der Erde erst um die Mitte des Jahrhunderts zu rechnen.

Wenn die Ozonschicht eher ein genereller Schutz unseres gesamten Planeten ist haben auch andere Faktoren wie Jahreszeit, Tageszeit oder der Standort erheblichen Einfluss auf die Intensität der Strahlung. So ist man im Sommer auf einem Berg oder in der Mittagszeit am Äquator deutlich gefährdeter als an einem Winterabend in Wetzlar. Auch das Tragen schützender Kleidung ist selbstverständlich sinnvoll.

Die Schädigungen können in akute Veränderungen und chronische Erkrankungen unterteilt werden.

Der Sonnenbrand ist die häufigste und wichtigste akute Schädigung unserer Haut durch die Sonne. Er entsteht durch UV-B Strahlung. Die Energie dieser Strahlung wird vor allem in den oberen Hautschichten absorbiert. Sie regt besondere Zellen der Haut zur Bildung von Melanin an, was zur Bräunung der Haut führt. Damit schützen wir uns dann selbst. Dunkelhäutige Menschen können schneller und mehr Melanin bilden und sind deswegen besser geschützt als hellhäutige. Ist man ungeschützt der Sonne ausgesetzt bekommt man einen Sonnenbrand, der im Grunde nichts anderes ist, als eine Art Verbrennung. Er kann in unterschiedlicher Schwere auftreten bis zur Blasenbildung. Die Haut schält sich häufig einige Tage nach dem Sonnenbrand, als ein Zeichen der Zerstörung, ab. Häufiger und schwerer Sonnenbrand erhöht das Risiko für chronische Sonnenschäden vor allem für Hautkrebs.

Zu den chronischen Schädigungen der Sonne gehört die Lichtalterung der Haut. Sie ist ein Zeichen einer dauerhaften tiefergehenden Veränderung der elastischen Fasern. Sie wird eher durch UV-A Strahlung hervorgerufen, die grundsätzlich die tiefer gelegenen Schichten der Haut angreift und schädigt und zu dauerhaften Veränderungen führt. Die Haut wird faltig und zeigt vermehrt die so genannten Altersflecken. Auch Trockenheit und Schuppungen sind Zeichen einer chronischen Hautschädigung durch UV-Strahlung.

Aktinische Keratosen sind feste Hautschuppungen, die sich rau anfühlen und durch Eincremen in der Regel nicht verschwinden. Sie gehören zu den Vorstufen des weißen Hautkrebses. Die aktinischen Veränderungen treten direkt im Gebiet der Sonneneinstrahlung auf. Oft sind sie am Kopf, Glatze, Ohren zu finden. Jeder Mensch, der solche Hautveränderungen an sich feststellt sollte sich zu einem Facharzt begeben, denn im Allgemeinen sind diese Veränderungen gut behandelbar.

Weißer Hautkrebs ist eine Folge direkter Sonneneinstrahlung und entsteht genau an diesen Stellen. Er beginnt mit einer aktinischen Keratose und geht dann in ein bösartiges Wachstum über. Das Plattenepithelkarzinom oder das „spinozelluläre“ Karzinom ist die zweithäufigste Hautkrebsart. Es wächst in tiefe Hautschichten ein und kann in einem fortgeschrittenen Stadium auch metastasieren. Im Unterschied zu einer aktinischen Keratose ist der Hautkrebs größer und fester. Jede nicht heilende Hautveränderung sollte den Gedanken an einen weißen Hautkrebs auslösen. Die Erkrankung ist gut zu behandeln, sofern sie nicht weit fortgeschritten ist.

Es gibt einen weiteren Hautkrebs, der an den Stellen der Lichtexposition entsteht. Das Basalzellkarzinom ist der häufigste Hautkrebs weltweit. Im Unterschied zu dem Spinozellulären Karzinom wächst es nur in anderes Gewebe ein und führt beispielsweise zur Zerstörung eines Ohres oder der Nase. Aber es kommt nicht zur Metastasierung des Tumors.

Der übelste Vertreter der durch Sonnenstrahlen hervorgerufenen Krebses ist das maligne Melanom. Der so genannte „schwarze“ Hautkrebs. Er entsteht nicht an sonnenexponierter Haut, sondern irgendwo auf ansonsten völlig intakter Haut. Auch Auftreten auf Schleimhaut (Mund) unter dem Finger- oder Zehennagel oder im Auge sind bekannt. Wodurch sich die Lokalisation bestimmt, ist nicht bekannt. Trotzdem ist nachgewiesen, dass die Sonnenexposition sein Auftreten begünstigt. Bei den Melanomen unterscheidet man die Lentigo maligna (linsenförmig, flach, wie ein Fleck, nicht erhaben) das superfiziell spreitende (oberflächlich ausgedehntes, flach, erhaben, unregelmäßige Begrenzung) und das noduläre (knotig, dick, erhaben) Melanom. Im Gegensatz zu den anderen bösartigen Hautläsionen muss man beim Melanom schnell und sehr radikal handeln, denn es neigt zu einer sehr frühen Metastasierung in den ganzen Körper. Selbst kleine Melanome können das bereits. Aus diesem Grund sollte jeder seine Hautveränderungen selbst gut betrachten und beobachten oder es durch einen Partner tun lassen. Jede gefärbte Veränderung, die neu auftritt oder die sich verändert ist verdächtig und sollte untersucht werden. Sonne ist schön. Sie tut uns allen gut und erfreut uns. Aber wir sollten uns gut schützen gegen die Auswirkungen der Strahlen. Gerade häufige Sonnenbrände vor allem im Kindesalter und der Jugend begünstigen das Risiko einer Hautkrebserkrankung erheblich.

Anzumerken bleibt noch, dass der Besuch von Sonnenstudios exakt die gleichen Veränderungen bewirkt wie die Sonne selbst.

Über den Autor

Dr. med. Thomas Friedrich-Hoster
Dr. med. Thomas Friedrich-Hoster
Ehemaliger Leitender Oberarzt Allgemeine, Viszerale und Onkologische Chirurgie Klinikum Wetzlar
Ärztlicher Leiter des Adipositaszentrum

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