Die Welt steht Kopf

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. spricht von etwa 55 Millionen Menschen weltweit, die von Demenzerkrankungen betroffen sind, davon 1,8 Millionen Menschen in Deutschland. „Jährlich kommen etwa 400.000 Neuerkrankungen hinzu“, berichtet Dr. med. Jürgen Bludau, Leitender Arzt der geriatrischen Abteilung an der Asklepios Klinik Lich. Bludau informierte anlässlich des jährlichen Welt-Alzheimertages zum Thema.

Ziel des seit 1994 stattfindenden Alzheimertages ist, mit vielfältigen Aktivitäten, die Öffentlichkeit auf die Situation von Menschen mit Demenz aufmerksam zu machen.

Im Fokus steht dabei, die Erkrankung in verständlicher Art zu erklären.

„Demenz ist ein Syndrom als Folge einer langsam fortschreitenden Krankheit des Gehirns mit Störungen höherer Gehirnfunktionen. Unter anderem betroffen sind vor allem das Gedächtnis, die Orientierung, die Lernfähigkeit, die Sprache sowie das Urteilsvermögen und die Fähigkeit zur Entscheidung. Diese Veränderungen führen dann zum Verlust der Alltagskompetenzen und zu Störungen im Sozialverhalten und der emotionalen Kontrolle“, erläutert Experte Bludau die Krankheit.

Erstmalig wurde die Krankheit 1906 von Dr. Alois Alzheimer beschrieben und hat sich mittlerweile zur einer der größten Herausforderungen im 21. Jahrhundert entwickelt, wie die Zahlen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zeigen.

Diese Veränderungen bei den Betroffenen entstehen über einen langen Zeitraum, was häufig dazu führt, dass frühe Warnzeichen einer möglichen Demenzerkrankung sowohl von den Patienten als auch von Angehörigen leicht übersehen werden können.

„Die Alzheimer Krankheit beginnt mit einem Verlust des Kurzzeitgedächtnisses. Termine werden verpasst und Betroffene stellen immer wieder dieselben Fragen“, so Geriater Bludau. Das Namensgedächtnis lässt nach und selbst die Namen der engsten Freunde und Verwandten werden vergessen und verwechselt. Die Betroffenen beginnen sich unsicher zu fühlen, manchmal kommt es zu einer depressiven Verstimmung, vor allem wenn Angehörige und Freunde Bemerkungen machen. „Natürlich vergessen wir schon mal den Namen eines Nachbarn, verlegen unseren Hausschlüssel und vergessen, warum wir in den Keller gegangen sind. Wir können aber in der Regel mit einiger Konzentration “zurückdenken“ und den Schüssel finden und schließlich die Kartoffeln aus dem Keller holen“, erläutert Jürgen Bludau den Unterschied zwischen einfachem Vergessen und einer dementiellen Erkrankung.

Ein weiteres Merkmal einer beginnenden Demenzerkrankung ist, dass Betroffene schnell überwältigt sind von alltäglichen Aufgaben, die zuvor mit Leichtigkeit verrichtet wurden. Eine häufige Bemerkung von Betroffenen ist, dass ihnen Vieles einfach zu viel wird. Auch das Interesse an vielen Dingen lässt nach und man zieht sich aus dem Alltag zurück.

„Es ist absolut wichtig, die Erkrankung nicht zu tabuisieren und rechtzeitig Hilfe zu holen, denn obwohl wir von einer Heilung der Alzheimer Krankheit noch weit entfernt sind, kann eine frühzeitige Diagnose einige der beschriebenen Merkmale zum Teil verhindern oder wenigstens lindern“, appelliert Dr. Bludau an Betroffene und Angehörige.

Anfangs unbedenklich erscheinende Veränderungen wie etwa wiederholte Anrufe und Fragen, unsicheres Autofahren, Konzentrationsschwäche, depressive Verstimmung, Schwierigkeiten den Haushalt zu führen und Veränderungen der Persönlichkeit sollten nicht ignoriert, sondern vertrauensvoll mit den Hausärzten besprochen werden.

Wenn dann eine Demenz Erkrankung vorliegt, ist es sinnvoll so genannte Antidementiva Medikationen wenigstens Probeweise einzunehmen. Studien haben eindeutig gezeigt, dass Patienten mit unterschiedlichen dementiellen Erkrankungen von diesen Medikamenten profitieren. Hier sollte ein Nihilismus vermieden werden und den Patienten alles geboten werden.

Die Behandlung einer an Demenz erkrankter Person muss auch immer die Angehörigen miteinbeziehen. Der richtige Umgang mit und vor allem die richtige Kommunikationsstrategie mit an Demenz Erkrankten ist für die Lebensqualität beider Personengruppen wichtig.

„Selbsthilfegruppen helfen Angehörigen bei individuellen Problemlösungen, Tagesstätten erlauben Angehörigen etwas Ruhe und Erholung und eine frühzeitige Planung bei den Finanzen und der Vorsorgevollmacht sind unentbehrlich“, führt Jürgen Bludau einige wichtige Punkte auf,

Sollte der Pflegeaufwand zum Ende der Krankheit stark zunehmen, dann darf ein notwendiger Umzug in ein Pflegeheim nicht unnötig verschoben werden. Eine gute 24-Stunden Pflege ist zu Hause häufig nicht mehr möglich.

„So lange wir auf eine bessere Diagnostik und Therapie warten, müssen an Demenz Erkrankte und deren Angehörige kompetent behandelt und unterstützt werden“, so das Plädoyer von Dr. Jürgen Bludau.

Über den Autor

Dr. Jürgen Bludau
Dr. Jürgen Bludau
Leitender Arzt Geriatrie
Klinik für Innere Medizin
Asklepios Klinik Lich

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