Aber ist´s denn wirklich schon so schlimm?


Wenn Herr Meier mit seinem starken Knieschmerz zu mir kommt, hat er oft schon eine ordentliche Reise hinter sich gebracht.

Vom Wohnort, wo meine meisten Patienten herkommen, sind das gar nicht mal so viele Kilometer bis zu meiner Praxis in Ehringshausen. Viel länger als eine halbe Stunde Fahrtzeit waren die meisten nicht unterwegs. Aber die Schmerzen begleiten Hn. Meier und die anderen Patienten oftmals schon seit mehreren Jahren. Erst versteckt, verschwiegen, klamm heimlich pirschten sich die Schmerzen an das Knie von Herrn Meier heran. Mal biss der Schmerz beim Tanz mit der Holden. Hinterhältig nutzt der fiese Schmerz den weiten Ausfallschritt beim Tennis und hackt sich in den inneren Gelenkspalt. Der frohe Schwung zum kühlen Bier im Keller wird jäh gestoppt, weil die Kniescheibe keinen weiteren Schritt mehr bergab mitmachen will. „Geh doch alleine, wenn du ein Bier trinken willst!“

Nun besteht der Mensch ja nicht nur aus Knie oder Hüfte. Das meiste, was wir erreichen, haben wir durch unseren Willen geschafft. Darum kann Herr Meier auch noch ein paar Runden Tanzen, eine schöne Partie Tennis spielen und -na, klar- auch das Bier aus dem Keller holen. Weil er es will.

Schmerz und seine Wahrnehmung sind sehr subjektive Angelegenheiten. Wenn der Schmerz aber immer präsent ist, wenn wir vor dem Tennismatch zurückschrecken, wenn wir den nächsten Tanz immer öfter aussetzen oder die Treppe rückwärts herabklettern, hat der Schmerz es geschafft und unsere Lebensqualität geknackt.

Dann kommt Herr Meier zu mir, voller Tatendrang, Lust sich zu bewegen. Aber jede Bewegung schmerzt oder jede Bewegung wird mit der Furcht begleitet, dass es gleich schmerzen könnte.

Mit dem Gang zu mir, zum Chirurgen, geht natürlich bei vielen Patienten auch die Sorge mit, dass ich ihn direkt operiere. Ja, ich operiere schon sehr gerne. Tatsächlich ist in manchen Fällen, die Struktur des Gelenkes so geschädigt, dass nur eine Operation eine echte Hilfe ist. Das trifft vor allem dann zu, wenn jede Bewegung schmerzt, wenn auch in Ruhe die Patienten vom Schmerz noch heimgesucht werden.

Es ist auch sehr wichtig, dass der Bandapparat stabil ist wie zum Beispiel das Kreuzband im Kniegelenk. Denn ohne ein gut funktionierendes Kreuzband kann keine Belastung, Sport oder auch nur „das bisschen Haushalt“ problemfrei geschafft werden. Das Knie schmerzt und wegen seiner Instabilität nutzt sich der Knorpel des Kniegelenkes rasant ab. Die dann verfrüht eintretende Arthrose ist so kaum zu vermeiden.

Muss es denn schon eine Prothese sein, Herr Doktor?

Nein, nicht unbedingt. Der Großteil der Patienten profitiert für lange Zeit von einer konservativen Therapie. Unter konservativer Therapie versteht man alle Behandlungsformen, die nicht operativ die Situation des Patienten verbessern können. Im Fall von Knorpelverschleiß ist der Einsatz von Hyaluronsäure in jedem Gelenk ein sehr gutes Konzept. Der menschliche Körper bildet selbst Hyaluron in geringer Dosis und stellt somit einen wichtigen Bestandteil zur Gleitfähigkeit eines gesunden Gelenkes dar. Wenn infolge von Arthrose die Oberfläche des Gelenkes aufgehoben oder stark verschlechtert ist, führt dies zum typischen Reiben verbunden mit deutlichem Schmerz. Selbst in Ruhe leidet der Patient dann unter Schmerzen, das Gelenk findet keinen Frieden mehr.

Wenn Hyaluron direkt in das geschädigte Gelenk injiziert wird, legt sich dieses wie ein Film über den geschädigten Knorpel, führt zu einer verbesserten Gleitfähigkeit und lindert den Schmerz in Ruhe und Belastung. Diese Wirkung hält einige Monaten bis zu einigen Jahren an.

Ebenfalls direkt vor Ort helfen die Spritzen der Eigenblut-Therapie. Bei der Autologen Conditionierten Plasma Therapie ( ACP) wird das eigene Blutplasma der Patienten aufbereitet und Ihnen wieder injiziert. Durch das angereicherte Blutplasma können Heilungsprozesse stimuliert und beschleunigt werden. Zudem werden Schmerzen bei Entzündungen gelindert. Die ACP-Therapie nutzt die körpereigenen Wirkstoffe zur Stimulation des eigenen Heilungsmechanismus des Körpers. Die Therapie mit ACP wird vor allem bei Arthrose der Hüft- und Kniegelenke, aber auch der kleineren Gelenke eingesetzt. Auch bei Sportverletzungen und Rückenschmerzen lindert die Eigenblut Therapie die Beschwerden und beschleunigt den Heilungsprozess. Betont werden muss bei der ACP Therapie auch die gute Verträglichkeit, handelt es sich bei den Wirkstoffen doch ausschließlich um körpereigene Substanzen, die keinen negativen Effekt auf den Körper haben.

Über den Autor

Dr. Georg Springmann
Dr. Georg Springmann

Bildergalerie

Aktuelle Ausgabe04.04.