Schlittenprothese bzw. Teilprothese Kniegelenk:


Das Kniegelenk ist eines der am stärksten beanspruchten Gelenke im menschlichen Körper. Bei fortgeschrittenem Gelenkverschleiß oder schweren Verletzungen kann eine Knieprothese erforderlich sein, um Schmerzen zu lindern und die Mobilität wiederherzustellen. Es gibt verschiedene Arten von Knieprothesen, darunter die Schlittenprothese oder auch Teilprothese und der bicondyläre Oberflächenersatz.

Die Schlittenprothese ist eine Art von Knieprothese, bei der nur eine Seite des Kniegelenks ersetzt wird.

In diesem Artikel sollen die Indikationen, Kontraindikationen, Risiken und Vorteile einer Schlittenprothese im Vergleich zu einem bicondylären Oberflächenersatz beleuchtet werden.

Sie wird häufig bei Patienten mit einseitigem Gelenkverschleiß oder bei bestimmten Verletzungen eingesetzt. Der Vorteil der Schlittenprothese besteht darin, dass die OP und die Versorgung weniger invasiv ist als beim kompletten Oberflächenersatz und daher eine schnellere Genesung möglich ist.

Da nur eine Seite des Kniegelenks ersetzt wird, bleibt die natürliche Anatomie des Kniegelenks weitgehend erhalten. Dies führt durchschnittlich zu einer deutlich besseren Beweglichkeit des Kniegelenks.

Der bicondyläre Oberflächenersatz „Knie Totalendoprothese“ dagegen ersetzt sowohl die innere als auch die äußere Seite des Kniegelenks. Im Vergleich zur Schlittenprothese bietet die Totalendoprothese den Ersatz aller Gelenkanteile des Kniegelenks und ist die erste Wahl bei Patienten mit schwerwiegenderen Knieproblemen und Arthrose in allen Kniegelenksanteilen und kann hier eine bessere Schmerzlinderung bieten.

Allerdings ist der Komplettersatz invasiver als die Schlittenprothese und erfordert in der Regel eine längere Heilungsdauer. Zudem muss immer das Vordere Kreuzband entfernt werden.

Wann empfiehlt sich nun eine Schlittenprothese?

Indikationen für eine Schlittenprothese:

  • Kniegelenksarthrose: Wenn die Arthrose nur auf einer Seite des Kniegelenks vorliegt, kann eine Schlittenprothese eingesetzt werden. Dies ist nur dann sinnvoll, wenn die andere Seite des Gelenks noch gesund ist.
  • Schmerzlinderung: Eine verschlissene oder geschädigte Kniegelenkoberfläche kann starke Schmerzen verursachen. Durch den Einsatz einer Teilprothese werden die Beschwerden gelindert und die Lebensqualität verbessert.
  • Verbesserung der Funktion: Eine Teilprothese kann die Funktion des Kniegelenks wiederherstellen oder verbessern. Dadurch wird es möglich, Alltagsaktivitäten wie Gehen, Treppensteigen oder Sport wieder schmerzfrei auszuführen.
  • Die Kreuzbänder und die Seitbänder müssen intakt sein.

Kontraindikationen für eine Schlittenprothese:

  • Instabilität des Kniegelenks: Wenn z.B. nach Kreuzbandriss das Kniegelenk stark instabil ist, kann eine Schlittenprothese keine ausreichende Stabilität bieten und ein bicondylärer Oberflächenersatz ist vorzuziehen.
  • Signifikante Deformitäten im Knie: Eine Schlittenprothese kann bei schweren Deformitäten im Kniegelenk keine ausreichende Korrektur bieten. In solchen Fällen ist ein bicondylärer Oberflächenersatz besser geeignet.
  • Deutliches Streckdefizit im Kniegelenk.

Risiken einer Schlittenprothese:

  • Lockerung oder Versagen der Prothese: Wie bei allen Prothesen besteht die Möglichkeit einer Lockerung oder eines Versagens. Dies kann zu Schmerzen, Instabilität oder eingeschränkter Funktion führen und möglicherweise eine Revision der Prothese erforderlich machen.
  • Anschlussarthrose in den nicht mit einer Prothese versorgten Gelenkanteilen
  • Infektion: Jede Operation birgt das Risiko einer Infektion. Eine Infektion rund um die Prothese kann zu ernsthaften Komplikationen führen.

 

Vorteile einer Schlittenprothese im Vergleich zu einem bicondylären Oberflächenersatz:

  • Ersatz nur da wo nötig. Eigener Knorpel ist besser als Metall.
  • Patienten profitieren oft von einer Schlittenprothese, da diese weniger invasiv ist und eine schnellere Genesung ermöglicht.
  • Erhaltung der natürlichen Bewegung: Eine Teilprothese ermöglicht es, das Kniegelenk nur teilweise zu ersetzen, während der Rest des Gelenks erhalten bleibt. Dadurch kann die natürliche Bewegung des Knies weitgehend beibehalten werden.
  • Geringere Schädigung des Knochens: Im Vergleich zu einem bicondylären Oberflächenersatz wird bei einer Schlittenprothese weniger Knochen entfernt und alle Bänder des Kniegelenkes können belassen werden. Im Durchschnitt deutliche bessere Beweglichkeit des Kniegelenkes.
  • Schnellere Genesung: Die Implantation einer Schlittenprothese ist weniger invasiv als ein bicondylärer Oberflächenersatz. Dies kann zu einer schnelleren Erholung, weniger Schmerzen und einer geringeren Rehabilitationszeit führen.
  • Weniger Komplikationen: da eine Schlittenprothese weniger Knochen und Gewebe betrifft, gibt es tendenziell weniger Komplikationen im Zusammenhang mit der Operation.
  • Bei richtiger Indikation gleiche Haltbarkeit wie eine Vollprothese.

Letztendlich hängt die Entscheidung für eine Schlittenprothese oder einen bicondylären Oberflächenersatz von der individuellen Situation des Patienten ab. Eine gründliche Untersuchung durch einen erfahrenen Orthopäden ist unerlässlich, um die beste Option für den Patienten auszuwählen und mögliche Risiken abzuschätzen. Wenn jedoch nichts gegen eine Schlittenprothese spricht, sollte dieser aufgrund der deutlich geringeren postoperativen Komplikationen und der besseren Kniegelenksfunktion der Vorzug gegeben werden.

Über den Autor

Dr. med. Benjamin Harfst
Dr. med. Benjamin Harfst
zertifizierter Kniechirurg

Bildergalerie

Aktuelle Ausgabe04.07.