Muss Bluthochdruck im Alter noch behandelt werden?

Entgegen früheren Annahmen, dass ein Bluthochdruck im Alter ein natürlicher Alterungsprozess sei, ist dessen konsequente Behandlung heutzutage weltweit empfohlen.

Ungefähr zwei Drittel der älteren Menschen in Deutschland leiden an einem erhöhten Blutdruck. Dabei ist man sich einig: „alt“ ist man ab einem Lebensalter von 65 Jahren, „sehr alt“ ab einem Lebensalter von 80 Jahren.

Aktuell leiden in Deutschland 63 % der Männer und 65 % der Frauen über 65 Jahren an einem erhöhten Blutdruck. In Deutschland und Europa spricht man von einem behandlungsbedürftigen Bluthochdruck ab einem Blutdruckwert von 140/90 mmHg. Die isolierte systolische Hypertonie (ISH) ist die häufigste Hypertonieform im Alter. Dabei ist der systolische Blutdruck > 140 mmHg und der diastolische Blutdruck < 90 mmHg.

Beim Blutdruckmessen sollten einige Regeln eingehalten werden. Die Messung sollte im Sitzen nach einer Ruhephase von 3 bis 5 Minuten erfolgen. Ideal wären 3 Messungen hintereinander, die erste Messung sollte verworfen werden.

Nach den Empfehlungen der Europäischen Kardiologengesellschaft ist eine Blutdrucksenkung bei über 65-Jährigen ab einem Blutdruck von 140/90 mmHg indiziert, sofern weitere Risikofaktoren wie ein Diabetes mellitus, eine koronare Herzkrankheit oder eine Fettstoffwechselstörung vorliegen. Dabei sollte der Zielblutdruck systolisch bei 130 – 140 mmHg und diastolisch bei 70 – 79 mmHg liegen, wobei die Senkung nicht unter 120/70 mmHg gehen sollte.

Bei „fitten“ über 80-Jährigen, die sich noch alleine versorgen können, sollte ab einem Blutdruck von 160/90 mmHg eine Therapie erfolgen. Studien haben gezeigt, dass selbst eine Blutdrucksenkung bei „fitten“ über 85-Jährigen zu einer Reduktion von Herzschwäche, Schlaganfall und der Gesamtsterblichkeit führt.

Zu jeder medikamentösen Behandlung gehören auch lebensstiländernde Maßnahmen wie salzarme und kaliumreiche Ernährung, Ausdauertraining wie z.B. Nordic Walking, wenig Alkohol und Verzicht auf Nikotin.

Bei gering erhöhten Blutdruckwerten ist eine medikamentöse Behandlung mit nur einem Medikament häufig ausreichend. Der frühzeitige Einsatz von niedrig dosierten Kombinationspräparaten ist bei deutlich erhöhten Blutdruckwerten ratsam. Dabei hat sich eine Kombination aus einem ACE-Hemmer und einem Calciumantagonisten als die beste Kombination erwiesen.

Über den Autor

Prof. Dr. med. Martin Brück
Prof. Dr. med. Martin Brück
Chefarzt der Medizinischen Klinik I
Klinikum Wetzlar

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