Mit der Blutdrucksenkung verbessert sich auch der Schlaf

Schlaf ist weder Luxus noch Zeitverschwendung. „Wer meint, er könne schlafen, wenn er tot sei, könnte eher tot sein, als er denkt“, sagte ein amerikanischer Schlafforscher. Sechs bis acht Stunden Schlaf stellen einen wichtigen Bestandteil einer gesunden Lebensweise dar. Eine längere Schlafdauer scheint hinsichtlich des Auftretens von Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit, Herzinfarkt und Diabetes mellitus ebenso schädlich zu sein wie eine kürzere.

Eine wichtige Rolle spielt das Wechselspiel von Schlaf und Blutdruck. Wir sind durch den Tag-Nacht-Wechsel an einen Schlaf-Wach-Rhythmus gekoppelt. Im Schlaf wechseln sich REM- und Non-REM-Phasen ab. Die REM- oder Traumphasen sind unter anderem für die Gedächtnisverarbeitung sehr wichtig. Pro Nacht werden mehrere REM- und Non-REM-Phasen durchlaufen. Ein Zyklus dauert nahezu zwei Stunden.

Die ideale Schlafdauer, die mit dem geringsten Risiko für die Entwicklung oder Verstärkung eines Bluthochdrucks verbunden ist, liegt zwischen sechs und acht Stunden. Eine Änderung der Schlafdauer geht mit einer erhöhten Gefahr des Auftretens eines Bluthochdrucks einher. Bei Menschen mit normalem Blutdruck erhöht sich dieser um 21 Prozent, wenn die Schlafdauer auf unter sechs Stunden gesenkt wird.

Zudem wird intensiv diskutiert, inwieweit das Risiko für die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz verstärkt wird, wenn der normale Schlafrhythmus, die Schlafdauer und die Schlafqualität gestört sind.

Ein immer wieder heiß diskutiertes Thema ist, ob ein Mittagsschlaf gesund oder ungesund ist. Es ist durchaus nachvollziehbar, wenn jemand zu kurz schläft und dann seinen Schlaf am Nachmittag sozusagen „nachholt“ und das Defizit ausgleicht. Übrigens: Vorausschlafen kann man nicht. Wenn aber der Schlaf am Nachmittag mehr als eine Stunde dauert, dann ist das meist Ausdruck einer zugrundeliegenden Erkrankung, die zu einem erhöhten Schlafbedürfnis führt, beispielsweise eine chronische Herzschwäche. Oder, ganz aktuell: Auch nach durchgemachter COVID-19-Erkrankung kann noch über mehrere Wochen ein erhöhtes Schlafbedürfnis bestehen, das heißt, dass nachmittags eine länger Schlafphase erfolgt.

Eine blutdrucksenkende Medikation beeinflusst die Schlafqualität und die Schlafdauer. Das zeigt sich auch, wenn man die Fachinformation von blutdrucksenkenden Medikamenten durchschaut und bei allen Medikamenten unter den Nebenwirkungen Schlafstörungen aufgeführt werden. Das beste Beispiel sind Betablocker. Sie führen nicht nur zu Störungen der Schlafqualität, sondern auch zu Albträumen. Wenn Patienten nach der Verträglichkeit ihrer Hochdrucktherapie befragt werden, sollte man auch im Fokus haben, Schlafqualität und Schlafdauer zu hinterfragen. Die einzige Ausnahme sind die Angiotensinrezeptorenblocker. Sie sind in Sachen Schlafstörungen „unschuldig“.

Zusammenfassend kann davon ausgegangen werden, dass sich Schlafstörungen, Schlafdauer und Schlafqualität verbessern, wenn eine effektive Blutdrucksenkung erzielt wird. Die Beziehung zwischen Schlafqualität und Blutdruck ist jedoch bislang sehr vernachlässigt worden, so dass hier noch viel Forschungsbedarf besteht.

Über den Autor

Prof. Dr. med. Martin Brück
Prof. Dr. med. Martin Brück
Chefarzt der Medizinischen Klinik I
Klinikum Wetzlar

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