Bei Verdacht auf Schlaganfall keine Zeit verlieren

Etwa 270 000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Schlaganfall. PD Dr. med. Christoph Best berichtet darüber, wie wichtig es ist, bei den ersten Anzeichen eines Schlaganfalls richtig und schnell zu reagieren

Stellen Sie sich vor, Sie wollen etwas sagen und die Worte kommen einfach nicht aus Ihrem Mund heraus. Stellen Sie sich vor, Ihr rechtes oder linkes Bein gehorcht Ihnen nicht mehr oder Ihr Mund ist schief. Oder der Arm und das Bein einer Körperseite sind taub. Was tun?

A: Ich warte ab, es ist schließlich von alleine gekommen und wird auch wieder von alleine gehen.

B: Ich warte, bis meine Tochter von der Arbeit kommt und frage sie, was sie dazu denkt.

C: Ich will auf keinen Fall ins Krankenhaus und lehne den Vorschlag meiner Frau ab.

D: Ich rufe sofort die 112 an.

Natürlich haben Sie sofort gemerkt, dass Antwort D richtig ist. Die ersten drei Antworten geben jedoch über die Hälfte derjenigen, die mit einem Schlaganfall zu spät in Krankenhaus kommen. Dabei kann man in den ersten Stunden nach dem Ereignis die größten Erfolge für die Genesung der Betroffenen tun.

„Selbst bei schweren Schlaganfällen ist noch Hoffnung, wenn man schnell genug in der richtigen Klinik ist“, erklärt der Klinikdirektor der Vitos Klinik für Neurologie Weilmünster, PD Dr. Christoph Best. „Das Gehirn ist zwar wesentlich empfindlicher gegenüber Sauerstoffmangel als anderes Gewebe. Aber je früher die Durchblutung dort wieder einsetzt, desto größer sind die Chancen auf Wiederherstellung der normalen Funktion.“

Schnelles Handeln ist geboten

Unter Schlaganfällen summiere man eine Reihe von Erkrankungen des Gefäßsystems, die schlagartig aufträten, in der Regel aber wenig schmerzhaft seien und im Verlauf zu neurologischen Ausfällen führten, berichtet der Facharzt für Neurologie weiter. Fachleute zählten dazu Durchblutungsstörungen und Hirnblutungen verschiedener Art. 15 bis 20 Prozent aller Schlaganfälle verstürben innerhalb von vier Wochen an den Folgen und von den Überlebenden würden nur etwa ein Drittel wieder so fit, dass sie ohne fremde Hilfe leben könnten. Daher sei ein unmittelbares und schnelles Handeln bei den ersten Anzeichen dringend geboten.

Als Laie habe man zum Glück nicht täglich mit Schlaganfällen zu tun, dennoch sei es wichtig, dass man an diese Erkrankung denke, wenn plötzlich etwas nicht mehr so ist wie zuvor.

Ein ganz kurzes „Untersuchungsprogramm“ könne jede/r durchführen:

  1. Die Mundwinkel nach hinten ziehen, als wolle man die Zähne zeigen.
  2. Die Arme vor dem Körper anheben, anschließend die Beine gleichzeitig anheben.
  3. Einen einfachen Satz sprechen.
  4. Ein paar Schritte laufen.

„Natürlich ersetzt dieser Check keine differenzierte neurologische Untersuchung, er gibt aber erste Hinweise auf mögliche Ausfälle“, so Best. Er empfiehlt: „Wenn plötzlich eine Nervenfunktion wie Gefühl, Sprache, Sehen oder Bewegung nicht mehr funktioniert, warten Sie nicht ab, rufen Sie umgehend den Rettungsdienst (112) oder suchen Sie so schnell wie möglich ein auf Schlaganfälle spezialisiertes Krankenhaus auf.“

Über den Autor

PD Dr. med. Christoph Best
PD Dr. med. Christoph Best
Klinikdirektor Vitos Klinik für Neurologie in Weilmünster

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