Logopädie – was ist das?

Die Logopädie ist die Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schlucktherapie.

Viele Menschen kommen im Laufe ihres Lebens mit einer logopädischen Behandlung in Berührung. Die meisten Menschen bringen die logopädische Therapie mit Kindern in Verbindung, die zum Beispiel lispeln oder stottern. Die Logopädie ist jedoch ein viel größeres Feld als es von vielen wahrgenommen wird. Was ist mit den Erwachsenen? Braucht man auch später ggf. eine logopädische Therapie?

Die Antwort lautet ja. Auch Erwachsene oder Heranwachsende können eine logopädische Therapie benötigen. Jugendliche, die sich in einer kieferorthopädischen Behandlung befinden, können in ihrem Schluckmuster oder in der intra- und extraoralen Muskulatur Auffälligkeiten zeigen. Auch nach Operationen (z.B. bei einer Kieferfehlstellung) kann durch die anatomische Veränderung eine logopädische Behandlung nötig sein.

Wie die Definition der therapeutischen Maßnahmen schon verrät, kann auch die Stimme beeinträchtigt oder krank sein. Die sogenannten Dysphonien können funktionell durch eine Fehlnutzung der Stimmbänder erworben sein oder aber auch organisch. Hierzu zählen Verletzungen an den Nerven, die die Stimmbänder versorgen. Dadurch kann ein Stimmband, oder im schlimmsten Fall auch zwei, gelähmt sein und der Betroffene spricht dadurch ganz leise und man versteht ihn durch einen erhöhten Luftstrom sehr schlecht. Es gibt aber auch organische Veränderungen wie zum Beispiel Knötchen. Es muss im Vorfeld natürlich die Größe und Konsistenz der Knötchen abgeklärt werden und ob eine chirurgische Abtragung notwendig ist. Unter Umständen kann man aber auch durch eine logopädische Therapie die organische Veränderung beheben. Von Stimmproblemen sind häufig Berufsgruppen betroffen, die in ihrem Alltag viel sprechen müssen, wie zum Beispiel Lehrer oder Erzieher. Aber auch Menschen, die häufig mit Chemikalien arbeiten, sind betroffen, da man die giftigen Dämpfe einatmet und diese die Schleimhäute angreifen und so natürlich auch schädigen können.

In der Stimmtherapie finden wir aber auch Menschen, bei denen aufgrund einer Krebserkrankung Teile oder gar der ganze Kehlkopf entfernt werden muss. Auch hier ist eine logopädische Therapie indiziert, damit man den Betroffenen wieder „eine Stimme“ geben kann. Dafür gibt es verschiedene Hilfsmittel, die eingesetzt werden können: Die einen sprechen mit einer elektronischen Sprechhilfe, die eher unnatürlich klingt, manche sind mit einer Trachealkanüle mit einem Sprechventil versorgt und andere verwenden die körpereigenen Ressourcen und nutzen ihre Speiseröhre um wieder sprechen zu können.

So kommt man zur nächsten Gruppe Menschen, die logopädisch betreut werden: Menschen, die aufgrund eines Unfalls oder einer Erkrankung auf eine Trachealkanüle angewiesen sind, damit deren Atemwege gesichert sind. Menschen, die mit einer Trachealkanüle versorgt sind, müssen erst einmal neu sprechen lernen, aber nicht nur das - auch das Essen muss neu gelernt werden.

Eine orale Nahrungsaufnahme (je nach Schweregrad der Erkrankung und meist nur mit Ausnahmen durch eine Anpassung der Kostform) ist mit einer Trachealkanüle auch möglich. Da sich aber die Anatomie des Erkrankten geändert hat, muss das Essen neu gelernt werden. Auch hier ist die logopädische Therapie die Anlaufstelle für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Hier ist es sehr sinnvoll, eng mit dem behandelnden Arzt zusammen zu arbeiten, denn dieser kann durch eine instrumentelle Diagnostik den Verlauf und die Verbesserung genau bestimmen.

Die wohl bekannteste Erkrankung im Erwachsenenalter, die von Logopäden behandelt wird, ist der Schlaganfall. Nach dem Akutereignis zeigen sich häufig danach (aus logopädischer Sicht) Sprach-, Sprech- und/oder Schluckstörungen. Die Schluckstörungen bilden sich teilweise spontan zurück, allerdings nicht immer und dann ist die Behandlung durch eine/-n Logopäden/-in notwendig. Sprach- und Sprechstörungen sind deutlich bekannter. Hier wird die/der behandelnde Therapeut/-in eine Diagnostik durchführen um abzuklären, auf welcher sprachlichen Ebene angesetzt werden muss. Die sprachlichen Ebenen führen über das „einfache“ Sprechen hinaus. Hierzu zählt neben dem Sprechen das Sprachverständnis, das Lesen, Schreiben, Lese-Sinn-Verständnis. Es ist auch möglich, dass die Steuerung und Ausführung von Sprechbewegungen (Dysarthrien) oder eine Störung der sprechmotorischen Planung (Apraxie) vorliegt. Auch Fazialisparesen fallen in den Bereich der logopädischen Therapie.

Auch andere neurologische Erkrankungen zeigen logopädischen Behandlungsbedarf, einige Beispiele dafür sind: Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Amyothrophe Lateralsklerose etc.

In meiner logopädischen Laufbahn durfte ich bereits einige Patienten begleiten, mit den unterschiedlichsten Erkrankungen und habe hier immer auf einen engen Austausch mit den anderen behandelnden Therapeuten und Ärzten gesetzt.

Um den Patienten gerecht werden zu können, habe ich einige Fortbildungen in den oben genannten Bereichen gemacht, ob es für das kieferorthopädische Störungsbild war, die Stimmtherapie oder die neurologischen Therapien, auch krankheitsspezifische Fortbildungen wie zum Beispiel zum Thema Amyotrophe Lateralsklerose oder auch Long Covid.

Wie man deutlich erkennen kann, gibt es auch viele Erwachsene, die eine logopädische Therapie benötigen. Die Sprache, die Stimme und auch das Essen sind solch grundlegende Dinge, dass sie einem erst auffallen, wenn etwas damit nicht stimmt. Es schränkt oftmals die Lebensqualität der Betroffenen enorm ein, wenn man sich nicht mehr richtig äußern kann, häufig still neben anderen sitzt oder auf den Restaurantbesuch mit Freunden und oder Familie verzichten muss. Die Lebensqualität des Patienten soll durch eine logopädische Therapie erhalten werden (bei fortschreitenden Erkrankungen) oder im besten Fall deutlich gesteigert werden.

 

Über den Autor

Anika Bernhardt
Anika Bernhardt
Logopädin

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