Die Frau von der Pubertät bis zu den Wechseljahren –

die osteopathische Sichtweise

Eines der Grundprinzipien der Osteopathie ist das Prinzip „Leben ist Bewegung“. Alles in unserem Körper ist in Bewegung und dies ist die Grundvoraussetzung für alle physiologischen Vorgänge und die innere Harmonie. Daher steht die ganzheitliche und gesamte Betrachtungsweise des Körpers im Mittelpunkt einer osteopathischen Behandlung, um Dysfunktionen zu erspüren, zu behandeln und den Körper so wieder ins Gleichgewicht zu versetzen.

Im Laufe seines Lebens unterliegt der Körper der Frau den unterschiedlichsten Veränderungen, beginnend mit der Pubertät, eventuell über eine Schwangerschaft bis hin zu den Wechseljahren. Ist das sensible System an einer Stelle gestört, kann dies zu verschiedenen Fehlfunktionen führen und Beschwerden hervorrufen.

In der Pubertät kann es durch den Prozess des Aufrichtens der Gebärmutter für ihre zukünftige Aufgabe zu einer Irritation verschiedener Nerven kommen. Junge Mädchen klagen dann häufig über stechende Knieschmerzen, da die nervliche Irritation bis dorthin ausstrahlen kann. Das Knie kann oft kaum belastet werden und ist sehr schmerzempfindlich. Der Osteopath versucht, diese Irritation durch seine Techniken zu behandeln.

Der monatliche Zyklus der Frau benötigt bestimmte Voraussetzungen für das korrekte Ablaufen feinster ineinander greifender, hormonell gesteuerter Funktionsabläufe. In jedem Zyklus verändern die Eierstöcke und die Gebärmutter ihre Lage, Größe und ihre Mobilität. Die Eileiter sind in der Lage, durch kleinste Bewegungen ein Ei aus dem Eierstock aufzufangen und in die Gebärmutter weiterzuleiten, wo es entweder mit der Menstruation abgestoßen wird oder sich befruchtet dort einnistet. Gibt es auch nur eine kleine Störung, kann dies zu Symptomen unterschiedlicher Art wie zum Beispiel lumbaler Rückenschmerz, Leistenschmerzen, Ziehen in den Beinen führen oder sich in Menstruationsstörungen bemerkbar machen. Auch alle Nachbarorgane werden von diesem monatlichen Zyklus mit beeinflusst. Der Darm mit seinen Verdauungsvorgängen beeinflusst wiederum über fasziale Verbindungen die Tätigkeit der urogenitalen Organe. Somit ist es in einer osteopathischen Behandlung wichtig, auch die umliegenden Organe wie zum Beispiel Dünn- und Dickdarm und die Nieren mit zu behandeln.

Die Ursache für eine Mobilitätsstörung der Gebärmutter kann eine Senkung des Organes, etwa bedingt durch eine Schwangerschaft sein, oder aber ein altersbedingtes physiologisches Nachlassen der Gewebespannung. Diese Senkung wiederum kann Druck auf die Harnblase ausüben und diese stark belasten, oder sogar deren Schließmechanismus so stark beeinflussen, dass dies zur Inkontinenz führt. Ebenso können häufige Blasenentzündungen oder Infekte der Harnwege die Gebärmutter in ihrer Funktion irritieren. Bei einer Gebärmuttersenkung versucht der Osteopath, durch unterschiedliche Techniken, die Gebärmutter sanft zu heben, um so den Druck auf die Harnblase zu verringern.

Auch Narbengewebe, das durch eine Operation wie Kaiserschnitt, Blinddarmentfernung oder andere Eingriffe im Bauchraum entstanden ist, kann eine große Rolle spielen, da Verklebungen in diesem Bereich entstanden sein könnten. Hier versucht der Osteopath, durch seine Behandlung, die durch das Narbengewebe entstandenen Fixationen in diesem Bereich zu lösen und so die Beweglichkeit wieder herzustellen.

Die wohl größte Herausforderung für den weiblichen Körper und sein fein abgestimmtes System ist eine Schwangerschaft. Der Osteopath kann die werdende Mutter auf diesem Weg begleiten. Schon vor der Schwangerschaft kann der Therapeut durch die Behandlung von Gebärmutter, Eierstöcken, Blase und Darm dafür sorgen, das Nest für eine Schwangerschaft zu bereiten. Auch die Behandlung des Beckens ist wichtig. Es geht darum, Blockaden zu lösen, um so einen komplikationslosen Verlauf der Schwangerschaft zu fördern. Während des Größenwachstums des Ungeborenen gilt es, die Darmbeinschaufeln zu unterstützen, da diese Veränderungen in ihrer Position vornehmen müssen. Dies führt häufig zu dem typischen Hohlkreuz einer Schwangeren. Treten Störungen bei dieser physiologischen Anpassung auf kommt es zu Rückenschmerzen und Symphysen-Lockerungen. Beim Wachstum des Kindes kann es ebenfalls oft zu Brustkorbschmerzen kommen, da auch in diesem Bereich der Druck durch das Ungeborene zunimmt. Hier arbeitet der Osteopath mit den Rippen, dem Zwerchfell und der Wirbelsäule mit dem Ziel, diesen Druck zu verringern.

Nach der Geburt steht der weibliche Körper erneut vor einer großen Herausforderung. Alle Organe, die dem Wachstum des Kindes Raum geboten haben, müssen nun wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückkehren. Kommt es hier zu Störungen, ist die Mobilität des Organs eingeschränkt und die Wirbelsäule kann mit beeinträchtigt werden. Für den Osteopathen steht es hier im Vordergrund, die Organe darin zu unterstützen, ihren Platz wieder einzunehmen.

Im Zuge der Wechseljahre stellt sich der weibliche Körper hormonell um. Diese Umstellung bringt häufig die typischen Wechseljahrsbeschwerden mit sich. In dieser Phase nutzt der Osteopath seine Möglichkeiten, um Einfluss auf die Hypophyse als zentrales Organ der Hormonsteuerung zu nehmen und so die typischen Beschwerden der Wechseljahre zu lindern.

Der Osteopath beginnt seine Behandlung mit einer ausführlichen Anamnese und einer eingehenden Untersuchung der Patientin. Es geht darum, einen gründlichen Gesamteindruck zu erlangen und alle Beschwerden zu erfassen. Mit seinen sanften Behandlungstechniken versucht er dann, die Dysfunktionen zu erspüren und zu lösen, um dem weiblichen Körper ins Gleichgewicht zurück zu bringen.

Über den Autor

Constanze Rohm
Constanze Rohm
staatl. anerk. Osteopathin/Heilpraktikerin
Zentrum für Osteopathie Wetzlar
Aktuelle Ausgabe3/2018