Tumormarker
Nutzen und Grenzen von Labormarkern in der Tumormedizin

 

Folge 7 aus der Reihe: Medizinische Verfahren anschaulich erklär

Tumormarker sind chemische Stoffe, die von Tumorzellen erzeugt und ins Blut abgegeben werden. Häufig sind es Eiweiße (Proteine) oder Eiweißbestandteile. Einige dieser Marker kommen auch bei gesunden Menschen vor, sind bei Krebserkrankungen aber oft deutlich höher. Zudem sind viele Tumormarker nicht spezifisch für eine Krebserkrankung. Sie können bei unterschiedlichen Krebsarten nachweisbar oder auf eine andere Ursache zurückzuführen sein. Mit anderen Worten: Die Lage ist kompliziert und sollte vom Experten beurteilt werden.

Wofür werden Tumormarker eingesetzt?

Tumormarker sind wichtige Instrumente für die Verlaufskontrolle in der Behandlung von Tumorerkrankungen. War ein Marker zu Beginn einer Behandlung hoch und verschwindet dann, so ist das ein gutes Zeichen. Steigt der Marker während oder nach einer Behandlung an, ist dies ein Hinweis darauf, dass möglicherweise ein Wachstum der Krebszellen eingetreten ist. Tumormarker werden dabei aber nie allein beurteilt. Sie sind neben anderen Maßnahmen, wie z.B. der körperlichen Untersuchung, weiterem Labor, Ultraschall, Röntgen oder MRT, nur ein Baustein der Diagnostik.

Eignen sich Tumormarker für die Krebsfrüherkennung?

Allein durch die Bestimmung von Tumormarkern lässt sich eine Krebserkrankung weder ausschließen noch beweisen. Die meisten Tumormarker sind für die Krebsvorsorge nicht geeignet und ihre Bestimmung ist in diesem Zusammenhang nicht sinnvoll. Sie können sogar schädlich sein. Letzteres ist dann der Fall, wenn ein umstrittener Laborwert alleine eine Kaskade von invasiven Untersuchungen auslöst und am Ende keine Erkrankung besteht. Neben den teilweise belastenden Untersuchungen sind hier auch die mitunter erheblichen psychischen Belastungen für den Patienten zu nennen.

Dennoch gibt es einzelne Tumormarker, die neben anderen Maßnahmen im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung bestimmt werden können.

PSA (Prostata-Spezifisches-Antigen)

Das PSA ist ein Tumormarker der bei der Prostatavorsorgeuntersuchung eingesetzt wird. Die Bestimmung des PSA Wertes erhöht die Chance den Prostatakrebs frühzeitig zu erkennen. Im Einzelfall kann sie aber auch zu unnötigen Biopsien mit Komplikationen führen. Weil die Gesamtüberlebenszeit eines Mannes durch die Prostatavorsorge statistisch nicht verbessert wird (so die ärztliche Leitlinie zum Prostatakrebs), ist der Nutzen dieser Untersuchung einschließlich der PSA-Bestimmung unter Experten umstritten und eine individuelle Entscheidung.

AFP (Alpha1-Feto-Protein)

Das AFP ist ein Marker, der bei Leberzellkrebs häufig erhöht ist. Die generelle Bestimmung des Markers in der Allgemeinbevölkerung ergibt keinen Sinn. Bei Patienten mit einer Leberzirrhose, die im Falle einer Tumorentwicklung behandelbar wären, kann die Bestimmung des AFP neben anderen Methoden (insbesondere Sonographie) nützlich sein - so empfiehlt es die entsprechende Leitlinie der Krebsexperten.

Tumormarker in der Diagnostik

Bei besonderen Fragestellungen werden Tumormarker auch diagnostisch eingesetzt.

Wenn Beschwerden und Untersuchungsergebnisse eines Patienten starke Hinweise auf eine Tumorerkrankung ergeben, aber noch unklar ist wo der Ursprung der Erkrankung liegt, können Marker bei der Tumorsuche helfen. Auch bei der Überwachung von Patienten mit besonderen Vorerkrankungen oder erblichen Belastungen können Marker einen Nutzen haben. In diesen Fällen handelt es sich aber um ganz spezielle Fragestellungen, auf die ich hier nicht im Detail eingehe und deren Klärung durch Experten erfolgen sollte.

Übersicht einiger Tumormarker und zugehöriger Erkankungen

AFP (Alpha-1-Fetoprotein): Leberzellkarzinom und Keimzelltumore

Bence-Jones-Protein: Multiples Myelom

CA 19-9 (Carbohydrate-Antigen 19-9): Magen-Darm-Trakt: häufig Bauspeicheldrüse, Gallenblase oder Gallengänge

CA-125 (Cancer-Antigen 125): Eierstockkrebs

CEA (Carcino-Embryonales Antigen): Adenokarzinome in Darm, Bauchspeicheldrüse und Lungen

Chromogranin: neuroendokrine Tumoren

Cyfra 21-1 (Cytokeratin-21-Fragment): Plattenepithelkarzinome (z.B. Lunge)
NSE (Neuronenspezifische Enolase): Lungenkrebs (sog. kleinzelliger)

PSA (Prostataspezifisches Antigen): Prostatakrebs

 

Über den Autor

Dr. med. Roger Agne
Dr. med. Roger Agne
Chefarzt Innere Medizin
Dill-Kliniken
Aktuelle Ausgabe3/2018