Chirurgischer Ratgeber:
Vorsicht bei unsachgemäßer Nagelpflege

Der eingewachsene Zehen-Nagel (Nagelbettentzündung-Paronychie)

 

Im Alltag spielt sich sehr häufig folgende Geschichte ab: der Turnschuh wird ausgezogen und den Eltern wird der Fuß gezeigt. Seit Tagen "tue es schon weh". Meist eine Seite, oft auch beide Seiten des Großzehennagels sind eingewachsen und jetzt stark entzündet. Leider wird ab jetzt, oft aus Angst vor Schmerzen, noch sehr lange gewartet, immer in der Hoffnung auf Besserung. Diese Besserung tritt nicht ein und der Weg zum Arzt erfolgt mit vereiterter dicker und geröteter Zehe.

Das Krankheitsbild nennt man den "Umlauf" oder "Paronychie".

Muss man gleich operieren?

Beim ersten Mal und einem frühen, sehr wenig geschwollenen und entzündeten Stadium wird versucht, dem Nagel eine Chance zu geben, so weit nach vorn regulär zu wachsen, dass das Einwachsen der Ecken des Nagels damit überwunden wird. Fußbäder und Salben sollen den Nagelwall "weich halten", so dass sich der Nagel nach vorn schieben kann. Die professionellen Einrichtungen zur Fußpflege (Podologie) bieten umfangreiche Maßnahmen an, die fachgerecht ausgeführt, den Betroffenen hilft. Jedes weitere "Kürzen der Ecken des Nagels" verlagert das Problem jedoch nur und in vielen Fällen "fällt dann das Kind in den Brunnen".

Warum wächst der Nagel ein? Ursache ist das falsche Beschneiden der Nägel am Fuß!

Im Gegensatz zum Fingernagel, der in der Pflege bogenförmig bis in die Ecken geschnitten wird, muss der Zehennagel gerade abgeschnitten werden und die beiden seitlichen Ecken müssen vorn herauskommen. Der zu enge Schuh drückt die Zehen und damit den Nagelwall zusammen, das behindert zusätzlich das "Herauswachsen" der Ecken. In der Praxis geschieht nun zu Hause genau das Falsche, leider schon im Kindesalter. Die schmerzende Ecke wird so weit zurückgeschnitten, dass sie nicht drückt und im Irrglauben, dass dies richtig ist wächst diese Ecke immer tiefer von unten kommend ein.

Welche zusätzlichen Probleme gibt es im Alter?

Schmerzt die Großzehe auch ohne Rötung und Schwellung muss sehr viel weiter gedacht werden, als nur an einen gleichzeitig leicht eingewachsenen Zehennagel. Es ist geradezu ein "Kunstfehler", am Nagel zu manipulieren, wenn schwerwiegende Grunderkrankungen vorliegen (Tabelle). Es ist schon grotesk, wenn bei einer vermeintlichen Nagelbettentzündung im Alter ohne jegliche weitere Diagnostik die Nagelentfernung erfolgt und sich im weiteren Verlauf herausstellt, dass sowohl eine Zuckererkrankung als auch zusätzlich noch eine am Unterschenkel befindliche arterielle Durchblutungsstörung besteht. Besonders schlimm, wenn im schlechtesten Fall eine Teilamputation die Folge ist.

Was ist der richtige Weg?

Der Rat des Hausarztes ist der erste Schritt bei allen Problemen. Bei Verdacht auf schwere Störungen wie Durchblutungsstörungen und Zuckererkrankungen erfolgen Blutuntersuchungen sowie Gefäßuntersuchungen. Ganz einfach gestaltet sich dabei der 1. Schritt. Der Arzt legt seine Zeigefinger auf den Fußrücken und an die Kante des Innenknöchels. Dort liegen die Arterien, die den Fuß versorgen, sind sie tastbar, besteht keinerlei Gefahr, sind sie unauffindbar, muss die Überweisung zum Facharzt z.B. Gefäßchirurgie erfolgen. Mit einer Doppler- Ultraschalluntersuchung kann eine exakte Diagnose innerhalb von Minuten gestellt werden.

Sind die operativen Maßnahmen, wenn erforderlich, schmerzhaft?

Diese Frage muss mit einem eindeutigen "JA" beantwortet werden. Aber es ist außer im jüngeren Kindesalter jedem Patienten zumutbar, weil die Maßnahme der "örtlichen Betäubung" ein kurzer Schmerz ist und Nebenwirkungen sind vollständig ausgeschlossen. Selbstverständlich schmerzt die Operation dann überhaupt nicht. Postoperativ wird mit Tropfen, Zäpfchen oder Tabletten eine regelrechte Schmerzbehandlung fortgeführt. Beim 1.Verbandswechsel nach 2 Tagen muss man ganz kurz nochmals "auf die Zähne beißen", aber dieser Schmerz ist viel geringer als bei der Betäubung.

Muss der Nagel im Ganzen gezogen werden?

Nein! Wenn der Zehennagel zum ersten Mal seitlich eingewachsen ist, alle konservativen Versuche erfolglos waren und keine schwere chronisch-eitrige Entzündung vorliegt kann sich der Arzt damit begnügen, einen schmalen Rand wegzunehmen. Der Nagel wird dann von vorn mit der Schere seitlich im betroffenen Bereich eingeschnitten und bogenförmig herausgedreht, damit die eingewachsene Ecke auch sicher entfernt wird. In dem Fall wird das Nagelbett nicht berührt.

Wann muss am Nagelbett operiert werden?

Diese Fälle sind das „Opfer“ unzureichender und unqualifizierter Behandlung oder es handelt sich um Patienten, die aus Angst vor Schmerzen regelrecht ihre Zehe haben „vergammeln“ lassen.

Die gesamte Zehe ist rot, verdickt, es quillt Eiter aus der Tiefe, es „gluckst“, die Zehe passt in keinen Schuh mehr, der Nagelwall ist aufgetrieben, oft sogar beidseits des Nagels an einer Zehe, manchmal sogar an beiden Füßen. Und manchmal haben schon zwei oder drei reine Nagelentfernungen stattgefunden.

Und was geschieht dann?

Für diese Fälle ist eine chirurgische Fachbehandlung zu empfehlen. Ebenfalls in örtlicher Betäubung wird eine sogenannte „Emmert-Plastik“ vorgenommen. Das seitliche Nageldrittel inklusive anliegender Nagelmatrix (Nagelfalz, Nagelwall) wird keilförmig ausgeschnitten. Nach sorgfältiger Blutstillung wird die Wunde in der Regel nicht vernäht, sondern unter sterilem Verband (Bild) einer sekundären Wundheilung zugeführt. Eine Wundnaht mit Heranführen des Restnagels an den Nagelwall kann alternativ erfolgen. Nach dem Eingriff muss für 2 Tage der Fuß hochgelegt werden, der erste Verbandswechsel erfolgt am 2. Tag. In den Schuh passt eine solche Zehe meist nicht sofort, so dass vorn offene Sandalen sehr hilfreich sind, ebenso für 2 Tage Gehilfen.

Kann die Erkrankung wiederkommen?

Leider ja (Bild). Manchmal verändert sich das Nagelbett in der Tiefe nach langer Zeit und nach Jahren trügerischer „Ruhe“ beginnt erneut das Einwachsen des sich vorschiebenden Nagels. Leider muss dann in diesen Fällen wieder nach „Emmert“ vorgegangen werden. Ein nicht zu enger Schuh ist sehr wichtig für die Fußhygiene und trägt dazu bei, dass der Nagel nicht einwächst

Und: von frühester Kindheit an den Zehennagel richtig beschneiden…GERADE und nicht bogenförmig!

Häufige Ursache für Beschwerden in der Großzehe

Arterielle Durchblutungsstörungen !

Zuckerkrankheit

Gicht

Rheumatische Erkrankungen

Großzehengrundgelenkarthrose

Zustand nach Erfrierungen

Bandscheibenschäden

Nervenschmerzen (Neuropathie)

Fußfehlstellungen

Pilzbefall

Über den Autor

Dr. med. Klaus-Dieter Schiebold
Dr. med. Klaus-Dieter Schiebold

Bildergalerie

Aktuelle Ausgabe05.07.