Ibuprofen – ein Steckbrief

Ibuprofen ist eines die bekanntesten und am häufigsten benutzten Schmerzmittel weltweit. Es ist in Deutschland in Wirkstärken bis zu 400 mg/Tablette nicht verschreibungspflichtig und wird daher von vielen Menschen in der Selbstmedikation angewendet. Auch die meisten Leser werden es schon eingenommen haben oder es zumindest dem Namen nach kennen. Ich will den Wirkstoff daher steckbriefartig beleuchten und die wichtigsten Informationen dazu zusammenfassen, die jeder Anwender kennen sollte.

Anwendungsgebiete

Ibuprofen gehört, wie auch Aspirin oder Etoricoxib, zur Gruppe der sog. „nichtsteroidalen Antirheumatika“ (NSAR), die wir im letzten Artikel schon gestreift haben. Diese hemmen die Bildung von Prostaglandinen, die für die Entstehung einer Entzündungsreaktion verantwortlich sind. Ibuprofen wirkt daher nicht nur schmerzstillend und fiebersenkend, sondern – insbesondere in höheren Dosen - auch entzündungshemmend und abschwellend. Das Anwendungsgebiet erstreckt sich somit von Kopf-, Ohren- und Zahnschmerzen über Regelbeschwerden, Gelenk-, Muskelschmerzen und Schwellungen bis zu rheumaähnlichen Beschwerden. Insbesondere in der Kinderheilkunde wird es auch zum Fiebersenken eingesetzt.

Anwendungsbeschränkungen / Nebenwirkungen

Ibuprofen sollte im ersten und im letzten Drittel der Schwangerschaft nicht angewendet werden; meist ist Paracetamol eine praktikable Alternative. Während der Stillzeit können kleine Wirkstoffmengen in die Muttermilch übergehen, was meist unproblematisch ist.

Bei massiven Störungen der Leber- oder Nierenfunktion darf Ibuprofen ebenfalls nicht eingenommen werden, da es dann durch mangelnde Metabolisierung und Ausscheidung zu lebensgefährlichen Situationen kommen kann. Bei einer GFR (glomeruläre Filtrationsrate der Niere) unter 60 sollte die Dosis angepaßt werden, bei einer GFR unter 30 (schwere Niereninsuffizienz) ist Ibuprofen kontraindiziert.

Wird Ibuprofen bei Zahnschmerzen angewendet, so ist der – vergleichsweise geringe - blutverdünnende Effekt des Wirkstoffes zu beachten. Nach Zahnextraktionen oder „blutigen“ Eingriffen wird daher Paracetamol oder Metamizol bevorzugt, um die Blutungsneigung nicht zu erhöhen und Nachblutungen zu vermeiden.

Häufigste Nebenwirkung, insbesondere bei längerer und/oder hochdosierter Einnahme, sind Magenbeschwerden wie Sodbrennen und Übelkeit, die Entstehung von Magenschleimhautentzündungen, schlimmstenfalls von Magengeschwüren und -blutungen. Falls eine längerfristige Therapie notwendig ist, wird ärztlicherseits daher oft ein „Magenschutz“ in Form von Omeprazol- oder Pantoprazoltabletten (sog. „Säureblocker“) verordnet.

Gelegentlich kann es unter Ibuprofeneinnahme – wie auch bei Gabe vieler anderer NSAR – zur Bildung von Wassereinlagerungen (Ödemen) kommen.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

können vielfältig sein, weshalb hier nur die in der Praxis häufig vorkommenden angesprochen werden.

Wichtigste Wechselwirkung ist die mit Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin), da ASS von vielen Menschen in niedriger Dosierung (50 - 100 mg/Tag) zur „Blutverdünnung“ eingenommen werden muß. Wird ASS gleichzeitig mit Ibuprofen gegeben, ist die „blutverdünnende“ Wirkung von ASS beeinträchtigt. Wenn die Einnahme beider Wirkstoffe nötig ist, muß ASS wenigstens eine Stunde von dem Ibuprofen eingenommen werden, damit es an seinem Wirkort „andocken“ kann, bevor Ibuprofen ins Blut kommt, das an gleicher Stelle binden würde.

Wird gleichzeitig Cortison eingenommen, steigt unter Ibuprofeneinnahme die Gefahr von Magenblutungen stark an.

Es kann Wechselwirkungen mit Betablockern und ACE-Hemmern geben, die zum Blutdrucksenkung eingenommen werden und dann nicht ausreichend wirken. Hier ist ggf. der behandelnde Arzt anzusprechen.

Darreichungsformen

Ibuprofen ist in sehr vielen verschiedenen Darreichungsformen erhältlich. Es gibt „normale“ Tabletten wie auch Retardtabletten, deren Wirkstofffreisetzung verzögert erfolgt und die somit langanhaltend wirken. Wer schlecht schlucken kann, weicht auf wasserlösliches Pulver (Granulat) aus oder kann den Wirkstoff gelöst in Form eines Saftes einnehmen. Zäpfchen mit Ibuprofen gibt es ebenfalls, sodaß die Magenpassage des Wirkstoffes zunächst vermieden werden kann. Ibuprofensalben oder -cremes können lokal auf die Haut aufgetragen werden und finden insbesondere bei Gelenkbeschwerden Anwendung. Ärzte haben auch die Möglichkeit, den Wirkstoff intravenös zu spritzen oder zu infundieren. Die Ibuprofeneinzel- bzw. -tagesdosis ist stets an das Körpergewicht anzupassen.

Dexibuprofen und Ibulysin

Ibuprofen ist chemisch betrachtet eine 2-(p-Isobutylphenyl)-Propionsäure und damit der Acetylsalicylsäure, dem Aspirin, gar nicht so unähnlich, das ja auch „sauer“ ist und Magenbeschwerden verursacht. Aufgrund der Substitution am mittleren C-Atom der Propionsäure ist dieses ein Chiralitätszentrum, d.h. es gibt aufgrund der unterschiedlichen Raumstrukturmöglichkeiten ein (R)- und ein (S)-Ibuprofen, die als Racemat vorliegen. Wirksam ist nur das S-Enantiomer, das auch „Dexibuprofen“ genannt wird. Es ist unter dem Namen Deltaran® im Handel und man kommt natürlich mit der halben Dosierung aus. 200 mg (S)-Ibuprofen sind ungefähr so wirksam wie 400 mg des Racemates (RS)-Ibuprofen, das normalerweise eingenommen wird.

Was Ihnen ebenfalls begegnen kann, ist der Begriff „Ibuprofenlysinat“ bzw. „Ibulysin“. Dabei handelt es sich um ein Salzbildung von Ibuprofen mit der Aminosäure Lysin. Dieses Salz ist schneller löslich. Bei Einnahme von Ibuprofenlysinat wird daher der Wirkstoff schneller freigesetzt und in die Blutbahn aufgenommen. Die Wirkung tritt schneller ein, insbesondere bei Einnahme auf nüchternen Magen.

Über den Autor

Dr. Karl-Heinrich Horz
Dr. Karl-Heinrich Horz
Apotheker

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