Erlebnisse eines Patienten

Arzt-Patient-Gespräche: „hochsensible Problematik“

Das erste Gespräch zwischen einem Patienten und einem Arzt bestimmt den weiteren Umgang miteinander und die Vertrauensbasis. Der „erste Kontakt“ kann entwicklungsgeschichtlich gesehen eine erfolgreiche Zusammenarbeit auslösen oder, entgegengesetzt mit „un

Technikwunder
Im Zeitalter der Anwendung von modernster Technik in der Diagnostik, voran MRT, CT, Katheter-Untersuchungen aller Art und Laborauswertungen gelingt es, auch sehr seltene Krankheiten zu finden und zu bewerten. Es folgen Behandlungsvorschläge, die ebenfalls von der gewaltigen Verbesserung der technischen Möglichkeiten profitieren, die Schnitte werden immer kleiner und die Therapien immer größer.

Trotzdem müssen wir reden!
Die Tatsache, dass vor allem ältere Patienten ausführlich und verständlich mit „ihrem Arzt“ sprechen wollen, ist sehr wichtig. Und das nicht alles nur „organisch ist“, also anfassbar, feststellbar, messbar, weiß man auch schon sehr lang; auch dass wir eine Seele haben und die in das körperliche Geschehen kräftig eingreifen kann. Schon im alten Rom hat man es gewusst: „In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist… und umgedreht“. Nur messen kann man nichts von der Seele, ihr kann man sich nur durch Gespräche versuchen zu nähern.

Kommunikationskatastrophen
Überfüllte Wartezimmer, Kostendruck mit Zeitmangel für das Gespräch und zusätzliches „Fachchinesisch“ beim Facharzt bilden die Grundlage für Kommunikationskatastrophen.
Ältere Patienten sind naturgemäß ängstlicher, sind aufgeregter, oft misstrauisch, dann kommt es sehr auf die Wortwahl des Arztes an.
An dieser Stelle soll wiedergegeben werden, was ein „Überachtziger“ schildert, der durch einige schwere chronische Erkrankungen seit Jahrzehnten auf haus- und fachärztliche Behandlungen angewiesen ist. Da seine „Hirnleistungen“ nicht kränkeln und er insgesamt auch eine erstaunliche Fitness besitzt, kann man die wörtlich wiedergegebenen Gesprächs-Verläufe glauben:

Arzt: „In ihrem Alter...“
...„macht man das nicht mehr“
...„müssen Sie doch nicht mehr soweit laufen“
...„müssen Sie schon einiges hinnehmen“
...„müssen WIR nicht mehr auf die Langzeitwirkung schauen“
...„brauchen Sie die Diät nicht mehr so eng sehen“
...„operiert man das nicht mehr“
...„schauen Sie mal in Ihren Ausweis, welche Zahl da steht“

Sie als Leser dieser Zitate können selbst entscheiden, ob sie die Formulierungen eher ablehnen oder tolerieren. Es ist eben nur ein Beispiel. Die Verwendung des „WIR“ in der Frage, wie zum Beispiel „Was haben WIR den für Schmerzen“, ist absolut unangebracht, denn der fragende Arzt hat die Schmerzen nicht.

„Alt werden“ ist zur Realität geworden
Die Tatsache, dass es durch die immense Steigerung der Lebenserwartung innerhalb der letzten 50 Jahre zu einer völlig neuen Betrachtungsweise des „Alters“ gekommen ist, bedarf konkret eines fürsorglichen Umgangs gerade mit Sprache und Kommunikation.
Laienverständlich müssen auch „düstere“ Diagnosen und Prognosen (Einschätzungen des Verlaufes) in Ruhe und der Auffassungsgabe des Einzelnen angepasst, vermittelt werden.
Gelingen die Arzt-Patient-Gespräche, entsteht ein dauerhaft gutes Verhältnis zwischen Arzt und Patient zum Wohle des Kranken.

Über den Autor

Dr. med. Klaus-Dieter Schiebold
Dr. med. Klaus-Dieter Schiebold
Aktuelle Ausgabe2/2018