
Ein Roboter bei der Knie-OP –
welchen Vorteil kann diese Technik bieten?
Welche Vorteile bietet eine Knie-OP,
die mit einem Roboter durchgeführt wird?
Um diese Frage zu beantworten, muss zunächst erklärt werden, wie der Operateur ein künstliches Kniegelenk nach herkömmlicher Methode einsetzt. Die Geschichte des künstlichen Kniegelenkes beginnt Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Es gab weder computertechnische Unterstützung noch dreidimensionale Bilder der menschlichen Anatomie wie z.B. von einem MRT oder CT. Die Chirurgen entwickelten so eine sichere und reproduzierbare Methode, sie operierten immer exakt im Lot. Die Prothese wurde im 90°-Winkel zu den Knochen eingesetzt. Dies ließ sich mit den vorhandenen Instrumenten, wie man sie aus der Metall- oder Holzbearbeitung kennt, erstaunlich präzise verwirklichen.
Allerdings ließ diese Methode einen größeren Teil der individuellen Ausrichtung der Knochen jedes Patienten außer Acht, was zu einer verlängerten Genesungsphase nach der OP oder - neben anderen Faktoren - auch zu einer nicht vollständigen Zufriedenheit mit dem Kunstgelenk führen konnte. Dies war bei bis zu einem Fünftel der Patienten der Fall.
Führende Kniechirurgen etablierten so in den letzten zwei Jahrzehnten zunehmend modernere und innovativere Operationsmethoden, die sich nicht mehr auf den rechten Winkel stützen, sondern die individuelle Anatomie eines jeden Patienten betrachteten. Die Ausrichtung der Prothese wird nunmehr anhand der knöchernen Strukturen personalisiert durchgeführt. Dieses sogenannte kinematische Ausrichtungsverfahren brachte neue Erkenntnisse und auch erste Erfolge mit kürzeren Genesungszeiten und zufriedeneren Patienten mit sich. Das Verfahren wurde nunmehr weiter verfeinert und es konnten mithilfe neuartiger Instrumente auch die Spannungsverhältnisse der Kniegelenksbänder einbezogen werden. Hier spricht man von der sogenannten funktionell-anatomischen Ausrichtung. Seit einigen Jahren wird diese Technik auch an den Dill-Kliniken in Dillenburg erfolgreich angewandt. Das zertifizierte Kniezentrum für Endoprothetik der Deutschen Kniegesellschaft (DKG e.V.) konnte so die Zufriedenheit im klinikeigenen Patientenkollektiv deutlich auf über 90 Prozent steigern und die Zahl der weniger zufriedenen Patienten nach Knie-OP mehr als halbieren. Für die Spezialisten des Zentrums hat die neue Ausrichtungsmethode einen wesentlichen Anteil an dieser Erfolgsgeschichte.
Trotz der Präzision und der hohen Zufriedenheit der Patienten sind dieser Technik Grenzen gesetzt. Denn die maximal mögliche Genauigkeit wird letztlich durch die Hände der Chirurgen und ihr zweifelsohne exzellentes jedoch nicht maschinengleiches Augenmaß limitiert. So reifte an den Dill-Kliniken die Entscheidung zur Anschaffung eines Präzisionsrobotersystems, Modell ROSA®. Die Abkürzung ROSA steht für Robotic Surgical Assistant (Roboter-Operationsassistent). Der Roboter übernimmt dabei keinesfalls die kritischen Fräs- und Sägearbeiten. Diese bleiben in den Händen der Operateure, um jederzeit die verletzlichen Strukturen wie Gefäße, Nerven und Sehnen mit ärztlicher Expertise schützen zu können und im Auge zu behalten.
Was also kann nun ein Roboter bei der Knie-OP wirklich leisten? Er kann das Augenmaß und die manuelle Präzision des Operateurs nahezu auf das Niveau einer Maschine heben. Grundlage der Präzision ist ein Mehr-Kamera-Navigationssystem. Dieses erfasst die Anatomie und auch die Spannung der Kniegelenksbänder millimetergenau und bietet dem Operateur bislang nicht verfügbare Daten, um die Ausrichtung der Prothese noch genauer zu gestalten. Hierbei kann der Kniechirurg während der OP die Werte auf das optimale Maß einstellen und den Roboter mit diesen Informationen „füttern“. Der robotische Arm, der an eine Produktionsstraße in der Autoindustrie erinnert, setzt die neuen Werte automatisch um und positioniert die Sägeschablone für die exakte Präparation in der OP. Selbst minimale Bewegungen des Patienten, z.B. durch die Atmung, werden vom Roboter in Echtzeit ausgeglichen und leiten die Hand des Operateurs im Unter-Millimeter-Bereich.
Neben dieser optimierten Präzision ist die Live-Planung und die digitale Darstellung der anatomischen Werte ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg einer robotergestützten Knieoperation. Manche Werte sind bei der herkömmlichen manuellen Technik nicht verfügbar, andere muss der Operateur während der Operation im Kopf berechnen. Selbst erfahrene und zertifizierte Kniechirurgen berichten von deutlich mehr Einblicken in die individuelle Anatomie ihrer Patienten und sehen in der neuen Technik die Zukunft, mit dem Ziel die Zufriedenheit ihrer Patienten auf über 95 Prozent zu steigern. Wie weit dies gelingt, ist aktuell noch Gegenstand der Forschung, erste Erkenntnisse sind jedoch sehr vielversprechend.
So setzen auch die Spezialisten an den Dill-Kliniken in Zukunft auf ihren neuen Kollegen, den OP-Roboter ROSA®, für ein möglichst optimales OP-Ergebnis. Die moderne Technik ist für Versicherte aller Krankenkassen offen, es müssen keine Aufschläge entrichtet werden. Dies ist dem kommunalen Träger sehr besonders wichtig, um allen Bürgern des Lahn-Dill-Kreises und darüber hinaus High-End-Medizin direkt vor der Haustüre zugänglich zu machen.
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Die Hauptoperateure des Kniezentrums in Dillenburg freuen sich über ihren neuen Kollegen, den OP-Roboter ROSA® (Ltd. Oberarzt Dr. med. Abutayeh und Chefarzt Priv.-Doz. Dr. med. Burchard v.l.)
Dr. Abutayeh und Dr. René Burchard mit dem ROSA Roboter
Die Operateure erhalten durch das Navigationssystem des ROSA®-Roboters eine detaillierte und millimetergenaue Ansicht der anatomischen Verhältnisse des Kniegelenks, live und interaktiv.