
Adipositas – Zukünftige Entwicklung
Laut neueren Studien könnte in etwa 25 Jahren weltweit ein Drittel der jungen Menschen übergewichtig sein. Übergewichtig ist jemand ab einem Body-Mass-Index zwischen 25 und 30 kg/m2. Das entspricht einem Menschen von 170 cm Größe und über 73 kg.
Ursächlich ist die hochkalorische Ernährungsweise der Menschen und die mangelhafte Bewegung. Über andere Faktoren, die die Entstehung der Adipositas fördern, ist im GK bereits ausführlich berichtet worden.
Setzen sich die aktuellen Trends fort, so könnten bis zum Jahr 2050 3,8 Milliarden Menschen und fast 800 Millionen Kinder übergewichtig sein. In den letzten 30 Jahren hat sich bei Erwachsenen und Kindern die Zahl der Erkrankten verdoppelt.
Keine andere Erkrankung kann da mithalten.
Die Untersuchungen weisen zusätzlich massive gesellschaftliche Versäumnisse nach. Es gibt bisher keine koordinierten globalen Maßnahmen, um die Erkrankung zu kontrollieren. Einzelne Länder sind glücklicherweise aktiv geworden und haben Maßnahmen eingeleitet. Allerdings sind diese nicht besonders populär. Die Erhebung einer Steuer auf zuckerhaltige Nahrungsmittel oder das Verbot von zuckerhaltigen Getränken an Schulen und Kindergärten und Kitas wird kontrovers diskutiert.
Trotzdem gibt es bei allen unterschiedlichen Meinungen, die zu diesem Thema existieren, einige feststehende Tatsachen:
- Die Zahl der adipösen Menschen wird steigen
- Die Adipositas verursacht viele andere Erkrankungen
- Die Adipositas verkürzt das Leben der Erkrankten
- Kinder können keine Verantwortung für ihre gesunde Ernährung übernehmen. Das müssen die Erwachsenen tun
Warum ist es so schwierig, aus diesen Tatsachen die richtigen Maßnahmen zu erarbeiten und durchzusetzen?
Dies hat viele Gründe, die zum Teil an dem mangelhaften Bewusstsein der Entscheidungsträger liegen, dass Adipositas überhaupt eine behandlungsbedürftige Erkrankung ist und welche soziale Relevanz sie hat.
Darüber hinaus gibt es massive wirtschaftliche Interessen der Krankenkassen, die nicht bereit sind, die beste Therapie für einen Patienten zu bezahlen.
Ebenso gibt es die politischen und wirtschaftlichen Interessen der Nahrungsmittelindustrie (Zuckerlobby), für die beispielsweise bereits das Werbeverbot für Süßigkeiten, welches Kinder schützen soll, ein Problem darstellt. Obgleich die Mehrheit der Bürger in Deutschland ein solches Verbot befürwortet, wird ein entsprechendes Gesetz politisch blockiert. Die Begründungen dazu sind vielleicht nachvollziehbar aber keinesfalls am Wohl unserer Kinder orientiert.
An dieser Stelle möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass die mit Abstand beste Behandlung der Adipositas die Vorbeugung und damit der Schutz unserer Kinder vor Süßigkeiten und zu hochkalorischer Fehlernährung ist. Ein Kind, welches mit 12 Jahren zu dick ist, hat statistisch kaum eine Chance mit 20 Jahren ein normalgewichtiger Erwachsener zu sein.
Der Prävention und der Behandlung der Adipositas kommt eine wesentliche Schlüsselrolle in der Gesundheit der Bevölkerung zu.
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Lassen Sie sich beraten oder wenden Sie sich an die Selbsthilfegruppe am Klinikum in Wetzlar.
Kontakt:
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Tel: 01590-1210778
Über den Autor

Ehemaliger Leitender Oberarzt Allgemeine, Viszerale und Onkologische Chirurgie Klinikum Wetzlar
Ärztlicher Leiter des Adipositaszentrum
