
Chirurgischer Ratgeber:
„Wenn der Darm gereizt ist!“
Wohl dem, der das „Reizdarmsyndrom“ nicht kennt!
Die Vorsorge, früh eine Darmkrebserkrankung zu erkennen, dürfte mittlerweile dazu geführt haben, dass fast Jeder weiß, dass eine Darmspiegelung (Koloskopie) als Routineverfahren dazu beiträgt, im wahrsten Sinn des Wortes „gesund zu bleiben“.
Das ausgerechnet die bösartigen Krebserkrankungen des Darmes sehr lange ohne irgendwelche Symptome bestehen, ist das Schicksalhafte des Problems.
Völlig anders gestaltet sich die Situation für Menschen, die, oft schleichend beginnend, unter Symptomen leiden müssen, die alle schon beim Nennen der Namen als unangenehm empfunden werden und nicht so recht in den allgemeinen „Kaffeeklatsch“ gehören.
Symptome des Reizdarmsyndroms
Es bestehen chronische, mindestens seit 3 Monaten anhaltende Beschwerden, die auf den Darm bezogen werden und in der Regel fast immer mit Stuhlgangsveränderungen einhergehen. Das Ausmaß der Beschwerden begründet, dass der Betroffene deswegen Hilfe sucht und durch die Umstände auch in seiner Lebensqualität nachvollziehbar beeinträchtigt ist.
Es quälen „Reizzustände“ mit Darmkrämpfen und Bauchschmerzen, wellenartig. Die Blähungen lösen ein Gefühl des „Aufgeblasen sein“ aus. Unter Druck und ohne eigentliche Entlastung können die Blähungen nicht sicher kontrolliert entweichen (Flatulenz). Der Wechsel von festem Stuhl (Obstipation) zu flüssigen Darmentleerungen (Diarrhoe), die oft mehrere Male nacheinander unter spritzenden Krämpfen keine Beschwerdefreiheit erreichen lassen, verursacht einen hohen Leidensdruck.
Ursachen
Eine einzige Ursache als Auslöser dieses unangenehmen Krankheitsbildes konnte bisher nicht festgestellt werden, ein komplexes Geschehen erschwert die Umstände:
Genetische Veranlagungen, Infektionen, psychische Belastungen wie Angst und Stress, sowie soziale Einflüsse von Angehörigen und Ärzten wirken zusammen. Verschiedene molekulare und zelluläre Mechanismen, einschließlich einer gestörten Barrierefunktion des Darmes und der Aktivierung entzündlicher, immunologischer und neuraler Prozesse, führen zu einer Überempfindlichkeit und Funktionsstörung des Darmes. Abgelaufene virale, bakterielle oder parasitäre Magen-Darm-Entzündungen erhöhen das Risiko.
Abklärung der möglichen Differentialdiagnosen
Bevor der „gereizte Darm“ einer, wenn auch oft sehr schwierigen Behandlung, zugeführt werden kann, müssen mögliche schwerwiegende organische oder entzündliche Darmerkrankungen differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden.
Es wäre tragisch, die in Frage kommenden Erkrankungen zu „übersehen“: Einengungen des Dünndarmes, Verwachsungen nach vorausgehenden Bauchoperationen und Folgen von Darmoperationen, Dickdarm -und Mastdarmkrebs, Durchblutungsstörungen des Darmes, Endometriose bei Frauen, Geschwürserkrankungen und chronische Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, chronische Divertikelerkrankungen und seltenere Erkrankungen wie Zöliakie, infektiöse Kolitis, Porphyrie sowie Kohlehydratmalabsorption, Stuhlentleerungsstörungen, Inkontinenz, Medikamentennebenwirkungen.
Therapieansatz
Das vorrangige Ziel ist, ob ernährungsmedizinisch, psychotherapeutisch oder pharmakologisch, die Kontrolle der Symptome und die Verbesserung der Lebensqualität. Häufig müssen mehrere Ansätze „ausprobiert“ werden, um sie dem vorherrschenden Symptomenkomplex anzupassen. Es können leider keine einheitlichen Ernährungsempfehlungen gegeben werden. Das breite Spektrum an medikamentösen und nichtmedikamentösen Therapiemöglichkeiten erlaubt keine garantierte Vorhersagbarkeit der individuellen Wirksamkeit. So können ernährungsmedizinische Maßnahmen (z.B.: Ballaststoffe, Vermeidung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Diäteinhaltungen, Ernährungsberatung), Anwendung von unverdaulichen Nahrungsbestandteilen, die den Darm günstig beeinflussen (Probiotika) und komplementäre naturheilkundliche Strategien (Pfefferminzöl, Berberin, Aloe, Heilfasten u.v.m) helfen. Die medikamentöse Therapie orientiert sich am vorherrschenden Symptomenkomplex (Durchfall, Verstopfung, Blähungen, Schmerzen) , wobei das individuelle Ansprechen variiert und oft mehrere Ansätze ausprobiert werden müssen, um Beschwerden zu lindern.
Fazit: Der „gereizte“ Darm ist erst so zu nennen, wenn durch die moderne gastroenterologische Diagnostik (Endoskopien, MRT, CT, Labor- und Stuhluntersuchungen) eine organische Ursache, vor allem der Darmkrebs, ausgeschlossen wurde.

