Überforderter Stoßdämpfer -
Die Schleimbeutelentzündung

Ziehende, stechende oder brennende Schmerzen in Gelenknähe sind für viele Menschen nichts Unbekanntes. Anfangs fühlt es sich verspannt und überlastet an, aber mit der Zeit verschlimmert sich das Ganze. Wenn jegliche Art der Bewegung zur Qual wird, der Schlaf und die Lebensqualität darunter leiden, kann eine Schleimbeutelentzündung dahinterstecken. In unserem Körper befinden sich weit über 100 elastische, flüssigkeitsgefüllte „Gewebskissen“ - die sogenannten Schleimbeutel. Gesunde Schleimbeutel schützen und polstern besonders die Bereiche im Körper, die hohem Druck oder starker Reibung ausgesetzt sind. Deshalb befinden sich viele Schleimbeutel in den Bereichen Schulter, Ellenbogen, Hüfte, Knie und Ferse.

Ursachen einer „Bursitis“

Häufig fehlt den Gelenken, Muskeln, Sehnen und Bänder ein natürlich ausgedehntes Bewegungsspektrum. Im Alltag führen einseitige Bewegungsmuster zu immer kleiner werdenden Gelenkwinkeln, in denen Muskeln und Faszien immer unnachgiebiger werden. Die Beweglichkeit nimmt unmerklich ab, wodurch sich die Muskelspannungen weiter erhöhen. Das kann eine der Hauptursachen für Schleimbeutelentzündungen (medizinisch: Bursitis genannt) sein. Außerhalb dieser Überbeanspruchungen können Schleimbeutel auch durch einige Grunderkrankungen entstehen, wie z.B. Arthritis, chron. Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus, Rheuma, Gicht, ... Auch ein Ungleichgewicht im Bewegungsapparat (Beckenschiefstand, O- oder X-Beine) kann Schleimbeutel stärker belasten und Schmerzen verursachen. Bakterielle Infektionen können ebenfalls Schleimbeutelentzündungen verursachen. Klassische Behandlungen wie Physiotherapie, Kortison-Spritzen, Schmerztabletten, Salben, Stoßwellentherapie, Punktionen oder sogar Operationen können helfen - beseitigen aber nie die Schmerzursache.

Mechanische Folgen der Überlastung

Viele Menschen können gar nicht genau sagen, wann die Beschwerden angefangen haben. Die Schleimbeutel können hohe Belastungen oft nicht mehr abpuffern, wenn immer stärkere Druck- und Zugkräfte vorhanden sind. Es kommt dann aufgrund der mechanischen Überlastung zu Reizungen im betroffenen Bereich. Durch diese Funktionsstörung reagiert der Körper mit den typischen Symptomen: Schwellung (Erguss), Rötung, Überwärmung, Entzündung, insbesondere Bewegungs- oder Druckschmerzen. Wird eine Bursitis, bzw. eine Schleimbeutelentzündung diagnostiziert, so kann sie unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Die Entzündungsreaktion des Körpers ist ein Versuch in Richtung Reparation. Eine Schwellung bedeutet, dass vermehrt Gelenkflüssigkeit produziert wird, um den Druck besser zu verteilen.

Wo gerät der „Stoßdämpfer“ unter Druck

Eine Schleimbeutelentzündung kann diverse Ursachen haben und an unterschiedlichen, stark beanspruchten Körperstellen auftreten:

Schulter: Schmerzen beim „Arm heben“ können z. B. auftreten, wenn Du viel mit den Armen über Kopf arbeitest und Entzündungen unter dem Schulterdach entstehen.

Ellenbogen: Belastend für die dortigen Schleimbeutel sind z.B. stundenlanges Arbeiten am PC mit aufgestützten Ellenbogen auf hartem Grund.

Hüften: Langes Sitzen, Stehen, Laufen oder Überlastungen der LWS können zu Schleimbeutelentzündungen der äußeren Hüfte führen. Schmerzen entstehen dabei insbesondere beim Liegen auf der betroffenen Seite.

Knie: Schmerzen beim Beugen oder Knien können durch starke Druckbelastungen im Bereich der Kniescheiben, z.B. bei Personen, die viel auf den Knien arbeiten (Handwerker), auftreten.

Ferse: Fußfehlstellungen oder -entzündungen, sowie Reibungen in den Schuhen können Schleimbeutelentzündungen im Bereich der Achillessehne hervorrufen.

Mein Tipp

Bei starken Beschwerden suche bitte einen Arzt auf, der ggf. einen Ultraschall, Labortests oder diverse Untersuchungen zur Abklärung macht. Ruhigstellung und Hochlagern kann für eine kurze Zeit hilfreich sein, genau wie schmerz- und entzündungshemmende Medikamente. Bitte bespreche dies mit Deinem behandelnden Arzt. Wichtig ist immer auf die Signale des Körpers zu achten und Überlastungen zu vermeiden. Eine Ersthilfe kann das Kühlen sein, denn es wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd. Wenn die Schmerzen nachgelassen haben, solltest Du langsam und vorsichtig wieder in die volle Gelenkbewegung kommen. Minimiere unbedingt die starken Druck- und Zugkräfte, um dem Körper die Chance zu geben, in die Reparation und Regeneration zu gehen. Hierbei können die Liebscher & Bracht Engpassübungen sehr hilfreich sein. Diese passe ich bei meinen Patienten sehr individuell an. Wenn die zu hohen Spannungen der Muskeln und Faszien sich normalisieren, kann die Entzündung auf ganz natürliche Weise abklingen. Dann können Patienten auch in einer meiner Engpassübungsgruppen mitmachen. Unterstütze Deine Gelenke und gewinne Deine Beweglichkeit wieder zurück. Besser wäre es, all dem vorzubeugen und eine Schleimbeutelentzündung gar nicht erst entstehen zu lassen. Vermeide langanhaltende Positionen oder einseitige Bewegungsmuster. Gleiche diese engen Bewegungswinkel und Positionen immer wieder in Deinem Alltag aus. Dehne dabei für mindestens 2 Minuten ganz bewusst in die Gegenrichtung der überlasteten Gelenkstellung. Ich wünsche Dir ein schmerzfreies Jahr 2026 mit viel Freude an der Bewegung. Alles Gute, Deine Petra Müller

Über den Autor

Petra Müller
Petra Müller
Physiotherapeutin, Heilpraktikerin
LNB Schmerztherapiepraxis Wetzlar

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