Telemedizin bei Herzschwäche

Teil 2 – Telemedizin bei Herzschwäche aus Arztsicht

Externe Geräte (z. B. Körperwaage, Blutdruckmanschette mit EKG-Funktion) oder implantierte Defibrillatoren (ICD, CRT-P, CRT-D) senden täglich Messwerte an das Telemedizin-Zentrum (TMZ), wo die Daten an Ärzte übermittelt werden. Dort findet die Auswertung und Bewertung der Gesundheitsdaten entweder werktäglich oder falls vereinbart – im Rahmen einer intensivierten Betreuung – auch an Wochenenden und Feiertagen statt.

In der Regel erfolgt die Sichtung durch speziell geschultes Fachpersonal (z. B. HF-MFA oder HF-Nurse) sowie durch Fach-Ärzte.

Anhand der Messwerte und gemeldeten Symptome (z. B. Angaben zum Wohlbefinden) kann beurteilt werden, ob sich der Gesundheitszustand des Patienten verschlechtert – unter Umständen sogar, bevor dies von der betroffenen Person selbst bemerkt wird (z. B. bei plötzlicher Gewichtszunahme oder Unregelmäßigkeiten im Herzrhythmus).

Früher mussten Patienten selbst Kontakt mit ihrer behandelnden Ärztin oder ihrem Arzt aufnehmen, sobald sie sich schlechter fühlten. Mit der telemedizinischen Betreuung ist es umgekehrt: Der Arzt kontaktiert den Patienten proaktiv, um rechtzeitig Anpassungen (z. B. an der Medikation) vorzunehmen und so eine Verschlechterung oder einen Krankenhausaufenthalt zu vermeiden.

 

Der Kommunikationsfluss kehrt sich somit um –

von „Patient → Arzt“ zu „Arzt → Patient“.

Die Kontaktaufnahme erfolgt dabei nicht nur telefonisch. Sollte ein Patient telefonisch nicht erreichbar sein, kann der Arzt eine Nachricht auf das Handy oder Tablet schicken, um sicherzustellen, dass die empfohlene Maßnahme schnellstmöglich umgesetzt werden kann.

Sobald sich relevante Veränderungen beim Wohlbefinden, Herzrhythmus, Blutdruck, Körpergewicht oder Wasserhaushalt zeigen, sendet das Telemedizin-Zentrum eine Alarmmeldung. Der Arzt kann die Alarmgrenzen individuell für jeden Patienten festlegen und bei Bedarf anpassen.

Damit eine optimale Betreuung gewährleistet ist, müssen die täglichen Messungen mit den externen Geräten regelmäßig durchgeführt werden. Implantierte Geräte übermitteln ihre Daten automatisch.

Aktuell wird erforscht, wie durch Sprachanalyse (Patienten sprechen einen festgelegten Satz ins Handy) mit Hilfe Künstlicher Intelligenz eine Verschlechterung der Herzfunktion noch früher erkannt werden kann als durch bisherige Messmethoden. Erste Studienergebnisse hierzu sind vielversprechend.

Fazit:

Die telemedizinische Betreuung von Patienten mit Herzschwäche/Herzinsuffizienz bietet sowohl für die Betroffenen als auch für das medizinische Fachpersonal einen klaren Mehrwert: eine intensivere Betreuung und Kommunikation, eine nachweislich verbesserte Prognose sowie eine reduzierte Sterblichkeitsrate.

Über den Autor

Dr. med. Oliver A. Schmidt
Dr. med. Oliver A. Schmidt
Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie

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