Wenn die Nacht zum Albtraum wird -

Pseudokrupp bei Kindern


Es ist wieder Winter und Hochsaison für Erkältungen. Gerade kleine Kinder trifft es häufig, weil ihr Immunsystem noch mitten im Lernprozess steckt. Eltern von Kindergartenkindern wissen: Eine laufende Nase oder ein leichter Husten sind nichts Ungewöhnliches. Doch manchmal verwandelt sich ein harmloser Infekt plötzlich in eine beängstigende Situation. Das Kind wacht nachts auf, bekommt einen krampfartigen, bellenden Husten, ringt nach Luft und pfeifende Atemgeräusche erfüllen das Kinderzimmer. Panik macht sich breit. Was steckt dahinter? Möglicher Auslöser: der sogenannte Pseudokrupp.

Was ist Pseudokrupp eigentlich?
Medizinisch heißt Pseudokrupp „akute stenosierende Laryngitis“ oder „Laryngitis subglottica“. Der Name stammt vom typischen „Krupp-Husten“, der an den früher gefürchteten echten Krupp erinnert, eine durch Diphtherie verursachte, lebensbedrohliche Erkrankung, die dank der Impfung heute fast ausgerottet ist. Beim Pseudokrupp handelt es sich dagegen um eine virusbedingte Entzündung der Atemwege im Bereich des Kehlkopfs und der Luftröhre, vor allem unterhalb der Stimmbänder (Subglottis). Dort kommt es zu einer Schwellung der Schleimhäute, wodurch die Atemwege stark verengt werden.
Ursachen und Risikogruppen
Hauptverursacher sind Parainfluenzaviren, seltener andere Erreger wie das respiratorische Synzytialvirus (RSV), Influenza-, Rhino- oder andere Viren. Inzwischen gibt es auch Hinweise, dass auch SARS-CoV-2 Pseudokrupp-Symptome hervorrufen kann. Betroffen sind vor allem Kinder zwischen 6 Monaten und 6 Jahren. Am häufigsten davon im Alter von 6 Monaten bis 3 Jahren, Jungen dabei häufiger als Mädchen. Der Grund: Bei kleinen Kindern ist der Kehlkopf kleiner und die Atemwege haben einen deutlich geringeren Durchmesser als beim Erwachsenen. Schon eine leichte Schwellung kann hier die Luftzufuhr erheblich beeinträchtigen.

Rund 10 bis 15 % aller Kinder erleben mindestens einmal in ihrem Leben einen Pseudokrupp-Anfall. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung mild und heilt innerhalb weniger Tage folgenlos ab.
Typische Symptome

Der Anfall kündigt sich meist 1-2 Tage im Voraus mit Erkältungssymptomen an, dazu gehören leichtes Fieber, Husten und Heiserkeit. Dann folgt plötzlich der typische, bellende Husten, oft begleitet von einem pfeifenden Atemgeräusch beim Einatmen (inspiratorischer Stridor) und Atemnot. Zum Vergleich: Beim Asthma bronchiale ist in der Regel das Ausatmen erschwert (expiratorischer Stridor), da die Bronchien verengt sind. Beim Pseudokrupp hingegen bereitet das Einatmen Schwierigkeiten und die Atemgeräusche sind deutlich lauter und pfeifender. Die Beschwerden treten vor allem nachts auf, da der körpereigene Cortisolspiegel in dieser Zeit sinkt

und der Körper die Entzündung nicht mehr so wirksam in Schach halten kann. In der Regel verschwinden die Symptome innerhalb von 48 Stunden, manchmal dauert die Genesung bis zu einer Woche. Ärztinnen und Ärzte unterscheiden verschiedene Schweregrade, um die passende Behandlung festzulegen.

Erste Hilfe zu Hause

Die wichtigste Maßnahme: Ruhe bewahren und das Kind beruhigen. Angst und Aufregung verschlimmern die Atemnot.

Weitere sinnvolle Sofortmaßnahmen:

  • Aufrecht hinsetzen: Das erleichtert die Atmung.
  • Kalte Luft wirkt abschwellend: Das Kind warm einpacken und ans geöffnete Fenster treten oder kurz an die frische Nachtluft gehen.

Tritt ein solcher Anfall zum ersten Mal auf, sollte am nächsten Tag ein Arzt aufgesucht werden. Dieser stellt die Diagnose, schließt gefährlichere Erkrankungen wie die Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) oder andere aus und entscheidet über die Behandlung.


Medikamentöse Therapie
In allen Schweregraden kommen meist Glucocorticoide (Cortisonpräparate) zum Einsatz, z. B. Dexamethason oral (InfectoDexaKrupp®) oder Prednison rektal (Rectodelt®). Diese Medikamente sind synthetische Varianten des körpereigenen Hormons Cortisol, welches Entzündungen hemmt. Die Wirkung setzt nach 30-45 Minuten ein, hält aber bis zu 36 Stunden an.
Bei starker Atemnot oder Erstickungsgefahr wird zusätzlich inhalatives Adrenalin (InfectoKrupp® Inhal) verabreicht. Es wirkt bereits nach 10-30 Minuten, verengt die Blutgefäße in der Schleimhaut und sorgt dadurch für eine rasche Abschwellung. Da seine Wirkung nur etwa zwei Stunden anhält, wird es immer in Kombination mit Cortison gegeben.
In der Praxis kann das Inhalieren jedoch schwierig sein, besonders bei ängstlichen, weinenden Kindern, die kaum ruhig atmen können. In solchen Situationen ist es oft nicht möglich, ausreichend wirksame Dosen einzuatmen. Bei richtiger Anwendung und Dosierung sind die Medikamente sehr gut verträglich und Nebenwirkungen treten nur selten auf. Arzt und Apotheker sorgen dafür, dass die Behandlung sicher und wirkungsvoll verläuft.
Was nicht hilft

  • Hustenstiller mit z.B. Dihydrocodein (Paracodin®; ab 4 Jahre) sind kontraindiziert, da sie das Atemzentrum dämpfen und die Atemnot verschlimmern können.
  • Bronchienerweiternde Mittel wie bei Asthma helfen nicht, da das Problem im Kehlkopf und nicht in der Lunge liegt.
  • Erkältungssalben mit ätherischen Ölen können die Schleimhäute zusätzlich reizen und die Beschwerden verstärken.

Notfall erkennen
Warnzeichen sind starke Atemnot, blasse Haut, bläuliche Lippen, ungewöhnliche Müdigkeit oder Teilnahmslosigkeit, also wenn das Kind schlaff wirkt, kaum reagiert oder schwer ansprechbar ist. In solchen Fällen droht ein gefährlicher Sauerstoffmangel und es muss sofort der Notarzt (112) gerufen werden.
Wichtig: Tritt ein inspiratorischer Stridor ohne Erkältungssymptome auf, kann auch ein Fremdkörper in den Atemwegen die Ursache sein, ebenfalls ein Notfall!
Fazit:
Pseudokrupp ist eine meist harmlose, aber für Eltern und Kind oft beängstigende Erkrankung. Mit Ruhe, richtiger Soforthilfe und Therapie lässt sich ein Anfall gut beherrschen und das Kind kann bald wieder frei durchatmen.

 

Über den Autor

Vanessa Teichmann
Vanessa Teichmann
Apothekerin

Bildergalerie

Aktuelle Ausgabe1/2026