Chirurgischer Ratgeber: Rechtzeitige operative Entfernung

Wenn die „Beule“ am Rücken vereitert

Hätte man nur die Augen auch hinten am Kopf, dann könnte man den eigenen Rücken betrachten. Und wäre man so gelenkig, dass man jeden Teil des Rückens (vor allem in der Mitte zwischen den Schulterblättern) ohne Probleme abtasten könnte.

So braucht es ein helfendes Augenpaar und dessen Hände dazu, um ungewollt teils erhebliche Schäden zu vermeiden.

Unterhauttumoren sind gutartige oder bösartige Wucherungen

Am Anfang sind diese „Geschwülste“ kleine Beulen oder mehr flächige („dunklere“) Veränderungen, die in der Haut oder im darunterliegenden Gewebe („Unterhaut“) entstehen.

Die gutartigen Unterhauttumoren nennt man Lipome (Fettgeschwulste), Atherome (Zysten) oder Fibrome (Bindegewebsgeschwülste).

Heimtückisch sind Atherome (Grützbeutel) als vergrößerte Talgzysten oder -drüsen

Eine kleine unscheinbare Beule besteht oft jahrelang am Rücken. Dann drückt und juckt es „da hinten“ und mit Erstaunen wird festgestellt, dass sich da „was entzündet“ hat.

Dieser Befund (Abb.1) gehört leider zum chirurgischen Alltag, wenn er nicht rechtzeitig entfernt wurde, dann „ist das Kind in den Brunnen gefallen“.

Chirurgische Behandlung „nervt“

Wenn ein nicht entzündetes Atherom entfernt werden soll, gelingt dies unkompliziert in einer örtlichen Betäubung. Schmerzfrei wird es nach Hautschnitt komplett herauspräpariert und die Wunde wird wieder primär mit Naht verschlossen. Komplikationen sind selten.

Ganz anders ist die Situation, wenn eine Entzündung besteht, wie in Abb. 1 wiedergegeben.

Entzündete oder vereiterte Befunde können nicht mehr in örtlicher Betäubung behandelt werden, u.U. ist eine Allgemeinnarkose erforderlich.

Der gesamte Bereich muss großzügig umschnitten werden, es entsteht eine große Wunde, die nicht vernäht werden darf, zusätzlich muss darauf geachtet werden, dass kein Zystenwandrest in der Tiefe verbleibt. Die offene Wundheilung, unterstützt durch Saugverbände, dauert und dauert, manchmal monatelang, je nach Ausdehnung des Befundes (Bild 2).

Atherome an der Kopfhaut

Alles beginnt auch in diesem Bereich mit einem kleinen tastbaren Erhebung. Der richtige Zeitpunkt, die Entfernung mit wenig Aufwand in örtlicher Betäubung, mit einem ganz kleinen Schnitt und der gesamten Zystenwand.

Es sieht nicht schön aus, wenn der nicht entfernte „Buckel“ später durch das lichte Haar herausschaut, oft sogar an mehreren Stellen.

Bei dichtem Haarwuchs können sie lange vor den Blicken verborgen sein, je größer sie werden um so aufwendiger ist das „Herausschneiden“, denn die Kopfschwarte ist nicht besonders verschieblich und der spannungsfreie Verschluss von größeren Defekten verlangt sogar Techniken der plastischen Chirurgie.

Es ist ein Irrglaube, dass Atherome von sich aus wieder „kleiner werden“ oder verschwinden.

Weitere gutartige Tumore der Unterhaut

Die häufigen Fettgewebsgeschwülste (Lipome) und Bindegewebsgeschwülste (Fibrome) wachsen langsam, sind beim Befühlen „beweglich“, also verschiebbar und stellen nur dann ein Problem dar, wenn durch ihre Größenzunahme ein in der Nähe verlaufender sensibler Nerv „gedrückt“ wird. Die kosmetische Seite, ob man eine Geschwulst, die für andere sichtbare ist, behält oder entfernt, muss jeder selbst entscheiden. Der operative Aufwand ist immer sehr gering. Für alle sicht- und tastbaren Befunde ist eine regelmäßige fachärztliche Kontrolle zu empfehlen.

Verdacht auf Bösartigkeit (Hautkrebs)

Besteht auch nur der geringste Verdacht, dass ein Hautveränderung möglicherweise bösartig werden könnte oder ist, muss ein Facharzt aufgesucht werden, der sich mit der Behandlung dieser Erkrankung auskennt. Für alle Befunde mit geschwulstartigem Aussehen gilt ein alter Lehrsatz der Chirurgie: Gutartigkeit besteht erst dann, wenn der Befund entfernt und unter dem Mikroskop untersucht wurde.

Die Therapie besteht häufig in der operativen Entfernung mit einem großen Sicherheitsabstand zum Tumor. Gegebenenfalls sind Hauttransplantationen oder plastische Chirurgie notwendig, um ein kosmetisch gutes Ergebnis zu erzielen.

Die spezielle und komplexe „Melanom-Behandlung“ wird in einem späteren Beitrag erläutert.

 

Über den Autor

Dr. med. Klaus-Dieter Schiebold
Dr. med. Klaus-Dieter Schiebold

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