Infektionen verstehen, heilen, verhindern –

Gießener Expertise für den Bewegungsapparat

Infektionen an Knochen, Gelenken oder Implantaten gehören zu den anspruchsvollsten Krankheitsbildern in der modernen Chirurgie. Sie fordern chirurgisches Können, wissenschaftliche Tiefe und ein eingespieltes Team, das über Jahre Erfahrung gesammelt hat.

An der Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Gießen vereint die Sektion für Septische und Rekonstruktive Chirurgie all diese Aspekte – mit einem klaren Ziel: Heilung, Rekonstruktion und Prävention.

„Wir sehen hier die gesamte Bandbreite muskuloskelettaler Infektionen – von periprothetischen Infektionen bis zu chronischen Osteomyelitiden“, erklärt Prof. Dr. Dr. h.c. Christian Heiß, Direktor der Klinik. „Unsere Aufgabe ist es, die Infektion zu beherrschen, den Knochen wiederherzustellen und die Beweglichkeit zurückzugeben – mit der gleichen Präzision, mit der wir eine Erstversorgung planen.“

Erfahrung, die verbindet – klinisch und wissenschaftlich

Seit Jahrzehnten prägt die Gießener Klinik die Unfallchirurgie und Orthopädie – nicht nur durch die operative Erfahrung, sondern auch durch die enge Verzahnung mit der Forschung. „Unsere Expertise reicht weit über die Chirurgie hinaus“, ergänzt Prof. Dr. med. Markus Rupp, Leiter der Sektion für Septische und Rekonstruktive Chirurgie. „Wir forschen seit vielen Jahren experimentell an Biomaterialien und deren Verhalten im infizierten Gewebe – diese Kombination aus Laborarbeit und klinischer Erfahrung ist einzigartig und fließt direkt in unsere Behandlungsstrategien ein.“

Der internationale Austausch spielt dabei eine zentrale Rolle. Kooperationen mit führenden Forschungsgruppen in Europa und weltweit sorgen dafür, dass neueste Erkenntnisse schnell in die Praxis übertragen werden. So ist Gießen heute ein anerkannter Partner im globalen Netzwerk der experimentellen Unfallchirurgie und Infektionsforschung.

Fokus auf moderne Ansätze – Bakteriophagen als Zukunft der Infektionsbehandlung

Ein besonderer Schwerpunkt der Forschung liegt auf der Bakteriophagentherapie – einem innovativen Ansatz, bei dem natürliche Viren gezielt bakterielle Erreger bekämpfen. „Die Phagentherapie eröffnet uns neue Perspektiven, gerade bei resistenten Keimen“, so Prof. Rupp. „Wir zählen hier zu den führenden Kliniken in Europa und stehen in engem Austausch mit nationalen und internationalen Partnern, um diese Therapie verantwortungsvoll in die klinische Anwendung zu bringen.“

Die ersten erfolgreich behandelten Fälle zeigen, welches Potenzial in dieser Methode liegt – besonders dort, wo herkömmliche Antibiotika an ihre Grenzen stoßen.

Regional vernetzt – Partner für Mittelhessen und darüber hinaus

Neben der universitären Forschung versteht sich die Gießener Klinik als feste Größe in der regionalen Versorgungslandschaft. Durch die enge Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie mit umliegenden Krankenhäusern entsteht ein Netzwerk, das komplexe Fälle gemeinsam betreut und Therapieentscheidungen auf höchstem Niveau ermöglicht.

Die Sektion steht als Ansprechpartner zur Verfügung, wenn eine Infektion vermutet wird – sei es zur umfassenden Behandlung oder zur Einholung einer Zweitmeinung. „Gerade bei komplizierten Infektionen sollte man keine Zeit verlieren“, betont Prof. Heiß. „Wer eine Infektion vermutet, sollte frühzeitig zu uns kommen – spätestens zur Zweitmeinung. Denn je früher wir eingreifen, desto besser die Chancen auf eine vollständige Genesung. Eine wöchentliche Spezialsprechstunde wird hierzu in den Räumen unserer Poliklinik angeboten.“

Vorbeugen beginnt mit Erfahrung

Doch Expertise in der Revision bedeutet auch, Komplikationen zu vermeiden. In Gießen wird nicht nur behandelt, sondern auch vorausschauend operiert: Die jahrzehntelange Erfahrung in der Behandlung infizierter Knochen und Implantate fließt direkt in die primäre Versorgung ein. „Wer weiß, wie man eine Infektion beherrscht, weiß auch, wie man sie vermeidet“, sagt Prof. Heiß. „Das ist gelebte Prävention – und sie beginnt schon bei der ersten Operation.“

Ein Zentrum mit Weitblick

Mit der Verbindung aus klinischer Erfahrung, innovativer Forschung und internationaler Kooperation hat sich die Sektion für Septische und Rekonstruktive Chirurgie an der Uniklinik Gießen zu einem führenden Zentrum für die Behandlung und Erforschung muskuloskelettaler Infektionen entwickelt.

Hier trifft chirurgische Präzision auf wissenschaftliche Neugier, universitäre Exzellenz auf regionale Verantwortung – und aus jeder Herausforderung entsteht eine neue Chance, Medizin weiterzudenken.

Über den Autor

Prof. Dr. med. Markus Rupp
Prof. Dr. med. Markus Rupp
Stellv. Direktor, Leiter Septische und Rekonstruktive Chirurgie
Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie
Universitätsklinikum Gießen

Bildergalerie

Aktuelle Ausgabe01.01.