
Die Rhizarthrose
Das schmerzhafte Daumensattelgelenk
Wer wiederkehrende Schmerzen beim Zugreifen, Flasche aufdrehen oder auswringen von Wischlappen hat, hat typische Symptome einer Daumensattelgelenksarthrose. Die Gründe hierfür sind in der Regel abnutzungsbedingte, selten traumatische Ereignisse. Anhaltende Beschwerden im Daumensattelgelenk sind ein häufiger Grund von Patienten sich beim Facharzt vorzustellen. Ein guter Ansprechpartner sind hier die Spezialisten der Handchirurgie aus der Universitätsklinik Gießen.
Der Daumen ist ein wahres Multitalent. Er kann sich in 5 Richtungen bewegen und damit den so elementaren Pinzettengriff durchführen. Damit dass möglich ist hat das Daumensattelgelenk die Form eines Pferdesattels. Diese besondere Form ermöglicht erst diese große Bewegungsamplitude. Dabei wirken hohe Kräfte auf das Gelenk. Das Daumensattelgelenk gehört so zu den am stärksten beanspruchten Gelenken des Körpers. Kommt es zu einem Verschleiß und Abrieb des Knorpelzwischen den zwei Knochen kommt es zu einer Arthrose. Diese wird Daumensattelgelenksarthrose oder Rhizarthrose genannt. Sie gehört zu den häufigsten Arthroseformen der Hand.
Die Erkrankung tritt überwiegend bei Menschen über 50 Jahren auf und betrifft Frauen deutlich häufiger als Männer. Studien zeigen, dass Frauen etwa fünf- bis zehnmal häufiger an einer Rhizarthrose erkranken. Ein wesentlicher Grund hierfür wird in hormonellen Veränderungen nach der Menopause sowie schwächerem Bindegewebe und lockeren Bändern vermutet.
Die Wahrscheinlichkeit eine Arthrose in diesem Gelenk zu bekommen, steigt mit zunehmendem Alter deutlich an. Neben dem Alter und dem weiblichen Geschlecht gelten als weitere Risikofaktoren eine genetische Veranlagung, berufliche oder sportliche Überbelastung der Hände oder frühere Verletzungen oder Frakturen im Bereich des Daumensattelgelenks. Da der Daumen eine zentrale Rolle für die Greiffunktion der Hand spielt, kann die Rhizarthrose erhebliche funktionelle Einschränkungen im Alltag verursachen.
Die Rhizarthrose entwickelt sich meist schleichend. Anfangs treten Beschwerden nur bei Belastung des Daumens auf, im weiteren Verlauf können jedoch auch Ruheschmerzen entstehen.
Typische Symptome sind Schmerzen im Bereich des Daumensattelgelenks, besonders beim Greifen oder Drehen. Ein spürbarer Kraftverlust im Daumen, beispielsweise beim Öffnen von Flaschen oder Gläsern und Bewegungseinschränkung des Daumens. Es fällt einem z.B. auf, dass man den Daumen nicht mehr weit abspreizen kann oder der Daumenballenmuskel an Volumen verliert.
Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu einer sichtbaren Fehlstellung des Daumens kommen. Häufig entsteht eine sogenannte Z-Deformität: Dabei kommt es zu einer Beugung im Grundgelenk des Daumens und einer Überstreckung im Endgelenk.
Stellt man sich bei den oben genannten Symptomen beim Arzt vor wird eine körperliche Untersuchung durchgeführt und ein Röntgenbild angefertigt. Im Röntgenbild kann man das Ausmaß der Arthrose beurteilen und in vier Stadien einteilen.
Die Behandlung der Rhizarthrose richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung sowie nach den Beschwerden der Patientinnen und Patienten.
Grundsätzlich wird zunächst eine konservative Therapie angestrebt. Ziel ist die Schmerzreduktion und Verlangsamung des Krankheitsverlauf. Dafür stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Basissteine der Therapie sind eine Schienenversorgung zur Stabilisation des Daumens sowie die Durchführung einer Ergotherapie. Eine Schmerzmedikation wird in der Regel mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) durchgeführt.
Bei fortschreitender Arthrose können Kortison oder Hyaluron-Injektionen in das Gelenk oder eine Röntgenreizbestrahlung sinnvoll sein. Diese Maßnahmen können ebenfalls die Schmerzen reduzieren und die Funktion der Hand verbessern.
Manchmal sind die Beschwerden so groß, dass die konservativen Maßnahmen keine ausreichende Linderung mehr bringen. In diesem Falle kann eine operative Behandlung erforderlich sein. Dabei gibt es in der Regel 2 unterschiedliche OP Verfahren.
Die Entfernung des großen Vieleckbeines oder Trapezektomie ist ein jahrzehntelang erprobtes OP Verfahren. Hierbei wird der untere Gelenkpartner entfernt und der Mittelhandknochen mit einer Sehnenplastik stabilisiert. Der Vorteil ist, dass kein Fremdmaterial notwendig ist. Dafür ist hier die postoperative Erholungsphase sehr lang.
Der Endoprothetischer Gelenkersatz ist im Vergleich zu der Trapezektomie ein relativ junges Verfahren. Dabei wird das Daumensattelgelenk wie bei einer Hüft-Prothese durch ein künstliches Gelenk ersetzt. Diese neue OP Methode ermöglicht eine rasche Genesung und schnellere Belastbarkeit nach der Operation. Nach rund sechs Wochen ist das Gelenk vollständig eingeheilt, und der Daumen kann wieder normal im Alltag eingesetzt werden.
Welche Methode für den Patienten am besten geeignet ist hängt von verschiedenen individuellen Faktoren ab. Wichtig ist deshalb immer: Beratung, Planung und Durchführung einer Operation in spezialisierten Zentren wie der Handchirurgie UKGM Gießen, um abzuklären, welche Methode im einzelnen Fall die optimale Versorgung ist.
Die spezialisierte Handsprechstunde der Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (Standort Gießen) richtet sich an Patientinnen und Patienten mit akuten oder chronischen Handbeschwerden und Frakturen.
Terminvereinbarungen erfolgen über die Leitstelle der unfallchirurgischen Poliklinik, Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie Gießen (UKGM).
Über den Autor

Oberärztin
Sektionsleitung Handchirurgie,
Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie, Handchirurgie, Notfallmedizin,
UKGM Gießen
