
Psychosomatik –
wenn Körper und Seele zusammenwirken
Die Psychosomatik ist ein eigenständiges und zugleich transdisziplinäres Fachgebiet innerhalb der Medizin, das sich mit den gegenseitigen Wechselwirkungen zwischen körperlichen Erkrankungen, psychischen Befinden und sozialen Einflussfaktoren beschäftigt.
Sie betrachtet Beschwerden im Zusammenspiel biologischer, seelischer und sozialer Einflüsse. Ziel ist es, tiefergehende Zusammenhänge zwischen körperlichen Symptomen als auch seelische Belastungen zu verstehen und gemeinsam zu behandeln. Zu den häufigen Krankheitsbildern gehören insbesondere sogenannte somatische oder somatoforme Belastungsstörungen, d.h. körperliche Beschwerden mit psychischer Begleitsymptomatik, aber auch Depressionen, Angststörungen, chronische Schmerzstörungen, Essstörungen oder funktionelle körperliche Beschwerden ohne eindeutige organische Ursache. Hinzukommen Stressfolgestörungen, posttraumatische Traumafolgestörungen, Persönlichkeitsstörungen oder nicht stoffgebundene Abhängigkeitserkrankungen In der psychosomatischen Medizin werden deshalb psychotherapeutische Therapieangebote mit Ergo- Sport- und Bewegungs-, Kreativ-, Ernährungs- und Soziotherapie mit medizinischen und körpertherapeutischen Verfahren kombiniert.
Versorgungsangebote in der psychosomatischen Medizin
Die psychosomatische Versorgung in Deutschland erfolgt in verschiedenen Behandlungsformen, die je nach Schweregrad der Erkrankung genutzt werden können:
Ambulante Behandlung
Viele Betroffene begeben sich zunächst in eine hausärztliche Behandlung. Hier erfolgen Diagnostik, Beratung und ggf. die Empfehlung zu einer ambulanten Psychotherapie.
Psychosomatische Institutsambulanz (PsIA)
Eine wichtige Ergänzung stellt hierzu die psychosomatische Institutsambulanz dar. Sie ermöglicht eine multiprofessionelle ambulante Behandlung durch ein Team aus Ärzten, Psychotherapeuten und weiteren Fachkräften. Die Behandlung ist häufig langfristig angelegt und umfasst verschiedene Therapiebausteine wie Einzel- und Gruppentherapie, Kreativ- und Bewegungstherapie und körperorientierte, auf die individuellen Bedarfe jeweils angepasste Verfahren. Menschen mit psychosomatischen Beschwerden können hier langfristig und interdisziplinär betreut werden, ohne stationär aufgenommen werden zu müssen. Die Überweisung erfolgt über entsprechend qualifizierte Fachärzte.
Tagesklinische oder teilstationäre Behandlung
Bei höherem Behandlungsbedarf können Patienten hier tagsüber an einem ebenfalls multimodal zusammengesetzten Therapieprogramm an 5 Tagen/Woche ganztägig teilnehmen und verbringen die Nächte jeweils zu Hause. Seitens der behandelnden Haus- oder Fachärzte kann eine Einweisung ausgestellt werden.
Stationäre akutpsychosomatische Behandlung
In psychosomatischen Akutkliniken erfolgt eine intensive Therapie bei schweren oder chronifizierten Erkrankungen. Die Aufnahme erfolgt mittels Einweisung durch die behandelnden Haus- oder Fachärzte.
Stationäre oder ganztägig ambulante Psychosomatische Rehabilitation
In Kliniken der psychosomatischen Rehabilitation wird eine meist fünfwöchige Behandlung mit dem Ziel der Stabilisierung und Wiedereingliederung in Alltag und Beruf abgezielt. Die Therapiebausteine werden individuell angepasst und auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten abgestimmt. Zugleich folgen sie den sogenannten Reha-Therapie-Standards für Psychosomatische Erkrankungen der Rentenversicherungsträger. Die Beantragung einer Reha-Behandlung erfolgt im Allgemeinen über die behandelnden Hausärzte bei den entsprechenden Kostenträgern.
Psychosomatisches Präventionsangebot
Seitens der Rentenversicherungsträger wird für alle hier Versicherte zudem ein Präventionsangebot (RV Fit) angeboten, welches ebenfalls dort beantragt werden kann. Dieses besteht aus einer Starterwoche mit Vermittlung von vielfältigen Informationen zur Gesundheitsförderung, einer anschließenden mehrmonatigen Trainingsphase und einem abschließenden, sog. Refresherkurs.
Dr. med. Anne-Katharina Neddens, Fachärztin für Psychosomatische Medizin, Innere Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Sozialmedizin, sowie Vorsitzende der Akademie für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Main-Taunus (APPM). Schwerpunkt Interkulturelle Therapie, Traumatherapie, Psychosomatik.
Ärztliche Direktion Dr. Ebel Vogelsbergklinik, Fachklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Grebenhain