
Der Winterschlaf der Füße endet
Zwischen Winterstiefeln und Sommerschuhen sind es häufig unsere Füße, die sich besonders im Frühjahr schmerzhaft melden. In den Füßen können die Schmerzen dann entstehen, wenn wir im Frühjahr von den stabilen, höheren Winterschuhen auf die bewegungsfreudigen, flexiblen Schuhe wechseln und somit den „Winterschlaf der Füße“ abrupt beenden. Denn für diese bedeutet das ein Training von Null auf 100 %. Im Alltag heißt das wieder eine „aktivere Beanspruchung der Fußmuskulatur“ anstatt inaktiv, feste eingepackt und abgestützt im Schuhwerk zu sein. Das kann zu entsprechenden Fußschmerzen führen, die übrigens mittlerweile jeder zweite Erwachsene kennt und schließlich zu einer Einschränkung der Lebensqualität führen kann. Eigentlich kein Wunder, da auf diesem meisterhaften Konstrukt unser gesamtes Körpergewicht lastet. Im Laufe eines Lebens verändert sich die Körperstatik und es könnte dadurch z.B. ein Hallux valgus, ein Knick-, Senk- und Spreizfuß, Fußgelenksarthrosen, Nervenkompressionen, Mittelfußschmerzen, Achillessehnen und Fußsohlenschmerzen entstehen.
Jetzt unbedingt auf Warnsignale hören!
Überlastungen im Fußbereich äußern sich unterschiedlich. Die Schmerzen können ziehend, pochend, stechend und sehr quälend sein. Alltägliche Belastung wie Treppensteigen oder Laufen können immer unangenehmer werden, bis hin zu „Anlaufschmerzen“ und knackenden Geräuschen nach Ruhephasen oder sogar Ruheschmerzen. Durch den verminderten Stoffwechsel und die schlechtere Fußbeweglichkeit kann es zu Schwellungen und Steifheit im Fußgelenkbereich kommen. Der natürliche Abrollvorgang des Fußes wird auf Schritt und Tritt schwieriger und stetig höhere Überspannungen im Muskel-Faszien-Gelenk-Bereich sind die Folge. Das kann dann zu Dauerschmerzen führen. Es können auch weiter Ursachen für Fußschmerzen verantwortlich sein. Hierzu zählen z.B. Verletzungen (Bänder- oder Sehnenrisse, Verstauchungen und Knochenbrüche), Fuß-Fehlstellungen mit Sehnenschäden, Entzündungen der Fußsohle (Plantarfasziitis), Fersensporn usw. Auch Erkrankungen wie Arthrose, Rheuma, Diabetes und Gicht können Fußschmerzen auslösen. Nervenkompressionen wie z. B. das Tarsal-Tunnel-Syndrom oder das Morton-Neurom können sehr unangenehme brennende oder kribbelnde Schmerzen sowie Taubheit verursachen. Stoffwechselprobleme oder auch Hypovitaminosen (Vitaminarmut) können die Fußgelenkgesundheit auch ernsthaft beeinträchtigen. Im Alter verringert sich zunehmend die Bindegewebselastizität und dadurch kommt es zusätzlich zu muskulär-faszialen Festigkeiten im Fußbereich.
Mein Tipp:
Klären Sie die Schmerzursache des Fußes ab (Hausarzt, Orthopäde), da auch andere Erkrankungen wie z.B. Durchblutungsstörungen, Diabetes usw. dafür verantwortlich sein können. Lassen Sie bei Verdacht auf suboptimale Nährstoff-Versorgung gewisse Blutwerte bitte bei ihrem Arzt checken. Gleichen Sie Vitamin- und Mineralstoffdefizite aus. Mangelerscheinungen im Vitamin B-Bereich beeinträchtigen die Nervenfunktion. Sie können zu „brennenden Füßen“, kribbeln, Empfindungsstörungen und Taubheit führen. Wichtig für den Knochenstoffwechsel sind vor allem ein optimierter Vitamin D, Calcium und Magnesiumspiegel. Selbst ein Vitamin C Mangel kann auch zu entsprechenden Schmerzen führen. Omega-3-Fettsäuren wirken Anti-entzündlich und unterstützen die Gelenkbeweglichkeit. Passen Sie Ihre Ernährung an. Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, grünes und buntes Gemüse, Samen und Nüsse sowie hochwertige Supplemente (ärztliche Rücksprache) können gut den Regenerationsprozess unterstützen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist sehr wichtig. Widmen Sie Ihren Füßen eine Extraportion Aufmerksamkeit. Tragen Sie flexibles Schuhwerk und laufen Sie öfter barfuß auf unebenem Boden. Fußschmerzen behandele ich in meiner Praxis entsprechend mit der Liebscher & Bracht-Osteopressur. Ist die Spannung therapeutisch reduziert worden, erarbeite ich mit den Patienten die individualisierten L&B-Engpass-Übungen. So normalisieren sich die Bindegewebsstrukturen und die starken Zugkräfte kommen dauerhaft in Balance. Die Beweglichkeit im Zehen-, Fuß- und Fußsohlenbereich wird verbessert und langfristig werden „Verklebungen“ und Verspannungen in den Waden- und Fußmuskeln gelöst. Das hat einen positiven Einfluss auf die Fußbeweglichkeit und den verbesserten Abrollvorgang beim Laufen.
Üben Sie täglich
Ändern Sie die einseitigen und monotonen Bewegungsprofile. Üben Sie diese Fußroutine in der richtigen Intensität und im herausfordernden Noch-Wohlfühl-Bereich. Ideal wäre es an 6 Tagen/Woche, 1-2x täglich jeweils für 2 min. in diese Übungen zu gehen:
1. Nutzen Sie eine Schräge, Keile oder den Knieretter, um die Wadenspannung zu reduzieren. Stellen Sie sich z.B. in der Küche oder im Bad mit Kniestreckung darauf, neigen den Oberkörper im Hohlkreuz nach vorne, bis Sie die Wadendehnung merken. Bleiben Sie 2 min in dieser Dehnung.
2. Setzen Sie sich in den Fersensitz und ziehen den Fuß-Rist hoch. Alternative: Sitzend auf einem Stuhl. Stellen Sie den Fuß neben ein Stuhlbein auf dem Fußrücken auf und gehen so weit in die Zehen-Beuge-Dehnung, wie es möglich ist. Bleiben Sie 2 min in der Dehnung.
3. Gehen Sie in den Vierfüßler-Stand, stellen die Zehen auf und versuchen nach hinten in den Fersensitz zu gehen. Richten Sie den Oberkörper dabei auf. Bleiben Sie 2 min in der Zehendehnung.
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Üben und ein gutes, schmerzfreies Fußgefühl bei jedem Schritt. Ihre Petra Müller
Über den Autor

Physiotherapeutin, Heilpraktikerin
LNB Schmerztherapiepraxis Wetzlar
Petra Müller


