
Tag des offenen Operationssaales
Der Respekt vor einer Kniegelenksendoprothese ist oft groß. Doch bei einem ausgeprägten Knorpelschaden, dem Verlust des Stoßdämpfers im Kniegelenk, ist der Einbau einer Endoprothese oftmals die einzige Lösung, eine Beschwerdefreiheit zu erreichen. Tatsächlich stellt der Einbau einer Gelenkendoprothese einen großen Schritt im Leben der Patienten dar. Dass dieser Schritt auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung zu mehr Bewegung und weg von den Schmerzen ist, will ich meinen Patienten gerne näher erklären.
Bevor die Patienten mit Arthrose im Kniegelenk den Weg zum Orthopäden einschlagen, haben sie oftmals schon viele Kilometer im Leben nur noch unter Schmerzen zurücklegen können. Der Beginn tritt meistens schleichend ein, aber auf einmal wird es den Patienten bewusst: Es ist dieser eine Spaziergang zu viel, den sie nicht mehr mitmachen konnten. Dann waren es diese lächerlichen 5 Stufen, die der Keller zu tief ist, als dass man sich mal eben den Hammer und Nagel aus dem Keller hätte hochholen können. „Dann hänge ich das Bild eben nicht auf. Steht doch ganz gut dort auf dem Boden. Die Kiste Wasser steht ja auch schon seit ein paar Monaten im Flur und nicht mehr im Keller. So stark im Weg steht sie da gar nicht.“
Wie mit den Wegen, die man vermeidet, kann man sich lange Zeit auch mit den Schmerzen der Arthrose noch arrangieren.
„Anfangs war es nur mal eine Schmerztablette, die ich nehmen musste, als ich bei dem Umzug geholfen habe. Jetzt brauche ich schon drei Ibu am Tag. Aber nachts oder wenn ich mich nur ein bisschen mehr belaste, kommt der Schmerz wieder, als ob ich gar keine Tablette genommen hätte.“
Wenn durch den gezielten Einsatz von Schmerztabletten wieder eine gute Beweglichkeit möglich ist, macht diese auf jeden Fall Sinn. Auch bei chronischen Schmerzen sind Schmerzmittel ein Segen. Bei starken Schmerzen ist teilweise nur durch sie ein Leben neben und unter dem Schmerz überhaupt möglich.
Doch man muss sich auch bewusst machen, dass das wahre Problem der Arthrose durch Schmerztabletten nicht gelöst wird. Bei Arthrose liegt ein fortgeschrittener Knorpelschaden vor, bei dem Knochen auf Knochen ohne Knorpel ungebremst aufeinander stoßen. Der Knochen selber ist von einer stark schmerzempfindlichen Schicht der Knochenhaut (Periost) überzogen. Wenn diese Knochenhaut nicht mehr ausreichend von Knorpel bedeckt ist, kommt es zu einem direkten Anstoßen der empfindlichen Oberflächen der gelenkbildenden Knochen und dadurch zu ausgeprägten Schmerzen. Typischen und auch besonders tückisch an diesem Arthrose-Schmerz der Gelenkflächen ist, dass er nicht nur bei der Belastung auftritt, sondern auch nachts, also in Ruhe.
Diese schmerzhaften Gelenkflächen sind dann auch die Teile des Kniegelenkes, die bei einer Oberflächenprothese – im Volksmund „neues Knie“ - ersetzt werden. Ein großer Vorteil an den modernen Kniegelenksprothesen ist, dass nur die Oberflächen des Kniegelenkes ausgetauscht werden müssen, die wirklich erkrankt sind. Es kann also ein Teilersatz erfolgen, an den Bereichen, wo der Knorpel stark geschädigt ist. Die gesunden Knorpelbereiche können erhalten bleiben.
Bei dem Patienten von Bild 1 muss nur die Oberfläche auf der Innenseite des Kniegelenkes ausgetauscht werden.
In Bild 5 ist erkennbar, dass nur die Oberfläche auf der Innenseite des Kniegelenkes ausgetauscht wurde. Mehr als 2/3 der Oberfläche des natürlichen Kniegelenkes konnten erhalten werden. Je größer der Anteil des Erhalts des „ursprünglichen Kniegelenkes“ bei der Operation ist, umso schneller und einfacher ist es für den Patienten, sich wieder sicher, selbstständig und schmerzfrei zu bewegen.
Auch für eventuelle Wechseloperationen in der Zukunft (eine Kniegelenksendoprothese hält ca. 20-25 Jahre) ist es von Vorteil, wenn bei der ersten Operation möglichst wenig des ursprünglichen Knochengewebes entfernt worden ist.
Wenn die gesamten Gelenkoberflächen des Kniegelenkes von der Arthrose betroffen sind, empfehle ich meinen Patienten den Einbau einer Knie–Total-Endoprothese (Knie-TEP). Aber auch bei einer sogenannten Vollprothese werden lediglich die Oberflächen ausgetauscht.
Im Vergleich zur möglichen Schlittenprothese, bei der nur die (meist) Innenseite des Kniegelenkes arthrotisch verändert ist, sind bei einer Knie TEP die gesamten Gelenkflächen von Oberschenkel und Unterschenkelknochen des Kniegelenkes betroffen.
Im Kniegelenk werden drei Regionen unterschieden: die Innenseite, die Außenseite und die Region hinter der Kniescheibe. Wenn zwei von diesen drei Regionen einen fortgeschrittenen Knorpelschaden aufweisen, empfehle ich den Einbau einer Vollprothese.
Aber auch bei diesem Einbau der Knie Total Endoprothese werden nur die krankhaften Oberflächen des Kniegelenkes gewechselt. Die Seitenbänder, das hintere Kreuzband, der gesamte Kapselapparat und der Streck- und Beugeapparat des Kniegelenkes werden belassen und durch die Operation nicht verändert. Das Prinzip des Erhalts eines größtmöglichen Anteils des „alten Kniegelenkes“ bleibt auch bei der Vollprothese gewahrt.
„Aber wie kann denn dann das halten? Dieses Metall an meinem Knochen? Das braucht doch Monate bis das fest ist und jetzt ist doch gerade Gartenzeit/ Sommer/Urlaub/Weihnachten/ Geburtstag von meinem Enkel!“
Die Sorge um die Dauer der Zeit bis zur vollständigen Selbstständigkeit nach dem Eingriff ist für viele Patienten ein wichtiger Faktor. Weshalb viele der Patienten trotz aller Beschwerden zögern, die Operation in Angriff zu nehmen. Die Zeiten, einen Patienten nach endoprothetischer Behandlung wochenlang an das Bett zu binden, sind Geschichte. Der aktuell verbreitete Standard setzt auf Frühmobilisation und das rasche Zurückführen in den Alltag.
Die Patienten bewegen sich um so besser nach der Operation, je besser sie sich noch vor der Operation bewegten.
Wenn die Stärke der Arthrose den Patienten nur noch zum Sitzen verdammt, nimmt nicht nur die Beweglichkeit des Kniegelenkes ab. Die umgebende Muskulatur verringert sich. Im Gegenzug dazu nehmen viele Patienten an Gewicht zu, weil sie sich kaum noch bewegen können. Die Patienten bekommen nicht selten Rückenschmerzen aufgrund des „Schongangs“, mit dem sie sich nur noch fortbewegen können. Dementsprechend ist es mein Ziel, meine Patienten am Laufen und in der Bewegung zu halten.
Ein weiterer sehr wichtiger Schritt für ein gutes Operationsergebnis ist die Planung des Einbaus der Knieprothese. Bereits vor der eigentlichen Operation wird die Prothese virtuell am Computer eingesetzt. Dazu werden an den Röntgenbildern des Patienten mittels digitaler Schablonen die Größen von Oberschenkel und Unterschenkelknochen bestimmt, um digital die exakt passenden Prothesenkomponenten einzubauen.
Die Ergebnisse dieser digitalen Prothesenplanung nimmt der Operateur als Vorplanung mit in den Operationssaal. Während der Operation werden dann erneut die Größen und die Stellungen der Gelenkflächen von Oberschenkel und Unterschenkelknochen exakt - dieses mal am Original- ausgemessen. Jetzt kann ich die Ergebnisse der digitalen und „originalen“ Messungen vergleichen und damit die optimale Form und Größe der Prothesenkomponenten für den Patienten individuell auswählen. Ich kann dadurch zu kleine (Unterdeckung) oder zu große (Überstand) Prothesenanteile vermeiden und somit die exakte Größe in optimaler Stellung einbauen.
Durch die Verwendung von „Knochenzement“ am Übergang von Prothese zum Knochengewebe erhält die Prothese sofortige Stabilität. Der Knochenzement bindet bereits nach 12 Minuten ab, so dass die Prothese am Ende der Operation schon voll belastbar ist. Das bedeutet, dass der Patient bereits am Tag der Operation aufstehen und die ersten Schritte mit dem „neuen Kniegelenk“ meistern kann.
Mit erfolgreich abgeschlossener Operation ist die Aufgabe des Operateurs noch nicht beendet. Der Patient erhält einen individuellen Therapieplan mit Physiotherapie, Lymphdrainage, Bewegungsschienen und Elektrostimulation (TENS Gerät). Mit diesem Training ist der Patient in der Lage, selbstständig zu gehen und Treppen zu steigen, wenn er nach einer knappen Woche aus dem Krankenhaus entlassen wird. Die vollständige Selbstständigkeit in der Bewegung erreicht der Patient dann in der (i.d.R. dreiwöchigen) Rehabilitation, die im stationären oder auch ambulanten Rahmen durchgeführt werden kann.
Und manchmal, gar nicht so selten, hört man einen Monat nach der Operation den Satz, „Ach, hätte ich die Operation doch schon viel früher machen lassen.“
Alle interessierten Patienten und Angehörige sind herzlich zum Tag des offenen Operationssaals am 30.05.2026 nach Ehringshausen ins Rehaquadrat (Neustadtstrasse 4a in 35630 Ehringshausen) eingeladen. An diesem Tag werde ich Einblicke in den Operationsablauf während einer Oberflächenersatzprothese des Knies gewähren. Per Live-Übertragung aus dem Operationssaal aus dem KAV Krankenhaus in Ehringshausen können sie dem Einbau einer Kniegelenksendoprothese direkt beiwohnen. Die Übertragung startet um 11 Uhr. Beginn der Veranstaltung im Rehaquadrat ist 10 Uhr.
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Bildergalerie
Bild 1
Kniegelenk mit deutlicher Arthrose auf der Innenseite (links),
der Gelenkspalt ist vollständig aufgehoben. Der Knochen des Oberschenkels trifft ungebremst – ohne schützenden
Knorpel – auf den Knochen des Unterschenkels
Bild 2
auch in der seitlichen Aufnahme des
Kniegelenkes mit Arthrose sieht man die Entrundung
der Oberflächen von
Oberschenkelknochen (Femur)
Unterschenkelknochen (Tibia)
und der Kniescheibe (Patella)
Bild 3
ein gesundes Kniegelenk
ohne Arthrose
Bild 5, Röntgenbild Schlittenprothese auf der Innenseite des Kniegelenkes
Bild 7
Röntgenbilder nach Einbringung einer Knie Total-Endoprothese (Vollprothese) von vorne und von der Seite