
Amoktaten – gezielte Mehrfachtötungen
Ich bin Prof. für Strafrecht und Kriminologie und forsche seit über 20 Jahren zu Amoktaten, also geplanten Mehrfachtötungen.
Die meist männlichen Täter sind in der Regel Einzeltäter mit einem sehr spezifischen Persönlichkeitsprofil. Dies zeigt sich bei jungen Tätern bis etwa 23 Jahre wie folgt: Sonderbare Einzelgänger, narzisstisch persönlichkeitsgestört, paranoid persönlichkeitsgestört und voller Hass und Wut auf die Gesellschaft, oft die Schule, manchmal ausgeprägter Hass auf Mädchen und Frauen. Sie befassen sich lange und intensiv über das Internet mit Amoktaten und Attentaten und planen ihre Taten als mediale Inszenierung. Sie sind nicht impulsiv, aggressiv oder dissozial, sondern emotional kalt, mit wenig oder fehlender Empathie, stark kränkbar. Trotz der Persönlichkeitsstörung bleibt die Schuldfähigkeit erhalten, d.h., diese Täter wissen, dass sie töten und wollen das auch. Etwa die Hälfte der jungen Amoktäter tötet sich nach der Tat selbst.
Die Täter sind keine Mobbingopfer, fühlen sich aber oft als Mobbingopfer, schlecht behandelt, gedemütigt, auch wenn das objektiv nicht zutrifft. Sie befassen sich jahrelang mit Ego-Shootern und einschlägigen Berichten über Amoktaten, Anschläge und Tötungsdelikte und rechtfertigen ihre Taten unter Hinweis auf andere Täter. Die Ego-Shooter sind nie die Ursache der Taten, aber sie spielen eine Rolle für die Förderung der Tötungsphantasien und die Tatvorbereitung. Der intensive Medienkonsum über Amoktaten und Anschläge führt zu einer Identifikation und im nächsten Schritt zu Vorbereitungen der Tat, die von ersten Gedanken an eine Tat bis zur Vorbereitung Jahre dauern können.
Die erwachsenen Täter sind ähnlich, allerdings ist bei einem Drittel der Erwachsenen eine unbehandelte paranoide Schizophrenie vorhanden, die die Tat erklärt. Wahnkranke mit fremdgefährdenden Phantasien haben ein deutlich erhöhtes Risiko, ein schweres Gewaltdelikt bzw. Tötungsdelikt zu begehen.
Eine Besonderheit von Amoktätern und terroristischen Einzeltätern (die anders als typische extremistische Gruppentäter in der Persönlichkeit Amoktätern ähneln) liegt darin, dass sie oft über Monate ihre Tatabsichten mittelbar ankündigen, was aber nicht immer als Warnzeichen erkannt wird.
Die Taten sind nach wie vor selten. Sie haben aber die Besonderheit der immensen Medienwirkung, was zu Nachahmungseffekten bei schon Tatgeneigten führt.
Seit 2015 gibt es eine Beratung zur Amokprävention (s. Homepage https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb01/professuren-forschung/professuren/bannenberg).
Prof. Dr. Britta Bannenberg
Justus-Liebig-Universität Gießen
Fachbereich Rechtswissenschaft
Professur für Kriminologie