
Schulterarthrose
Moderne Endoprothetik dank präziser 3D-Planung
Während degenerative Gelenkerkrankungen (Arthrosen) im Bereich von Hüfte und Knie in der Bevölkerung weitgehend bekannt und statistisch auch häufiger vertreten sind, bleibt die Schulterarthrose oft unterbeleuchtet. Dennoch führen traumatische Ereignisse im Laufe des Lebens – wie Sehnenrisse, Schleimbeutelentzündungen oder Schulterluxationen – nicht selten zu irreversiblen Gelenkschäden.
Die anatomische Komplexität des Schultergelenks
Die Schulter ist als Kugelgelenk das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers. Im Vergleich zur Hüfte weist sie jedoch eine anatomische Besonderheit auf: Die Gelenkpfanne ist verhältnismäßig klein. Diese Konstruktion ermöglicht zwar die für den Alltag wichtige Mobilität des Armes, bedingt jedoch auch eine Stabilisierung durch Muskeln und Sehnen. Genau diese hohe Flexibilität macht das komplexe Gelenksystem zugleich anfällig für Verletzungen und vorzeitigen Verschleiß.
Bei der diagnostischen Abklärung von Schulterschmerzen ist eine genaue Untersuchung wichtig, da die Ursache nicht zwingend im Gelenk selbst liegen muss; so können beispielsweise Veränderungen der Halswirbelsäule in die Schulterregion ausstrahlen. Meist ist eine Magnetresonanztomographie (MRT) sowie eine Röntgendiagnostik notwendig. Das MRT erlaubt hierbei eine detaillierte Beurteilung der Weichteilstrukturen, der Sehnenansätze sowie des Gelenkknorpels.
Konservative Therapie und operative Indikation
Im Vordergrund bei der Therapieentscheidung steht der Schmerz und die Bewegungseinschränkung des Patienten. Zu Beginn der Beschwerden kann man über einen langen Zeitraum mittels konservativer Maßnahmen – wie zum Beispiel Physiotherapie zur Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, sowie Injektionstherapien – einen adäquaten Therapieerfolg erzielen.
Schreitet die Arthrose jedoch immer mehr voran und kommt es zunehmenden zu Bewegungseinschränkung und starken Schmerzen, stellt der endoprothetische Gelenkersatz oft die einzig verbleibende Option zur Wiederherstellung der Lebensqualität dar.
Biomechanische Präzision: Anatomische vs. inverse Prothesen
In der modernen Schulterendoprothetik stehen sich zwei grundlegende Funktionsprinzipien gegenüber:
- Anatomische Prothese: Bei einer intakten Rotatorenmanschette (erhaltene Sehnenstruktur) wird die natürliche Anatomie rekonstruiert. Hierbei erfolgt die Implantation der künstlichen Pfanne und des Prothesenkopfes auf den jeweils anatomisch angestammten Seiten.
- Inverse (umgekehrte) Prothese: Ist die Rotatorenmanschette aufgrund von Verschleiß oder Rupturen nicht mehr intakt, werden die Positionen von Kopf und Pfanne biomechanisch vertauscht. Durch diesen Positionswechsel übernehmen alternative Muskelgruppen (wie der Deltamuskel) die Führung des Gelenks, wodurch der Arm wieder kraftvoll gehoben werden kann.
Höchste Sicherheit durch digitale 3D-Planung und PSI-Guides
Dieser komplexe Eingriff gehört für Dr. med. Josef Dürager zum klinischen Alltag. Um ein optimales Operationsergebnis zu gewährleisten, setzt der Chefarzt auf eine hochspezialisierte, computergestützte OP-Vorbereitung:
„Aufgrund der Komplexität des Schultergelenks führe ich diese Eingriffe ausschließlich auf Basis einer computergestützten 3D-Planung durch. Mittels einer Computertomographie (CT) stellen wir vor dem Eingriff die individuelle Anatomie des Patienten exakt dar, um die Prothesenkomponenten vorab biomechanisch perfekt zu konfigurieren. Da schwere Arthrosen die knöcherne Substanz stark deformieren können, kommen in solchen Fällen patientenspezifische Instrumente (sogenannte PSI-Guides) zum Einsatz. Diese maßgefertigten Schablonen erlauben es uns, den Zieldraht während der Operation im mathematisch perfekten Winkel zu platzieren und die Frästiefe optimal auf den Knochen abzustimmen.“
Über den Autor

Dr. Josef Dürager, Schulterspezialist, Chefarzt ATOS Orthopädische Klinik, Braunfels