Morton-Neurom – Schmerz am Fuß

Die meisten Menschen können von zumindest zeitweisen Beschwerden und Schmerzen im Vorfuß erzählen. Am häufigsten sind wohl neuropathische Probleme, die auf eine Schädigung oder Irritation von Nerven des Fußes beruhen. Eine Verdickung des Mittelfußnervs wird Morton-Neurom genannt, wobei der Nerv, der zum Rückenmark führt meistens selbst nicht verdickt ist, sondern die darum herum liegenden „Isoliernervenzellen“. Am häufigsten entstehen diese Nervenwucherungen zwischen der 3. und 4. Zehe, bzw. zwischen der 2. und 3. (Abbildung 1 und 2) Die Beschwerden bestehen typischerweise aus brennenden, stechenden Schmerzen im Vorfuß und Mittelfuß mit Taubheitsgefühlen zwischen den betroffenen Zehen. Sie treten vor allem beim Gehen, Laufen oder längeren Stehen auf und verschlimmern sich durch das Tragen enger oder fester Schuhe. Patienten berichten, dass die Schmerzen nachlassen, wenn sie die Schuhe ausziehen oder sich setzen.

Die Ursachen des Morton-Neuroms sind nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Engstelle oder ein übermässiger Zug auf den betroffenen Hautnerv mit einer umgebenden Reaktion (Schleimbeutelentzündung) zusammenwirkt. Wiederholte Mikroverletzungen und Durchblutungsstörungen können zu einer Vernarbung (Fibrose) des Nervs führen, was die Beschwerden auslöst. Das Morton-Neurom wird als Nervenkompressionssyndrom verstanden, das durch die Einengung des Mittelfußnervs zwischen den Zehenstrahlen entsteht. Begünstigende Faktoren sind ein Spreizfuß oder abgeflachtes Quergewölbe im Vorfuß, eine Bindegewebsschwäche bzw. schwache Bänder im Vorfuß sowie das Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen. Weitere Risikofaktoren sind starke Belastung, etwa durch Lauftraining, langes Stehen im Beruf, lange Laufstrecken, Übergewicht und ähnliche Belastungen, die zu einer veränderten Belastung im Vorfuß führen.

Die Diagnostik beruht auf der Erhebung der typischen Beschwerdesymptomatik und der klinischen Untersuchung. Bei länger andauernden Beschwerden kann man eventuell den verdickten Nerv zwischen den Mittelfußknochen ertasten und spezifischen Druckschmerz auslösen. Eine lokale Betäubung des Nerven führt zu sofortiger Schmerzfreiheit und ist ein wichtiges diagnostisches Verfahren. Röntgenaufnahmen sollen andere Ursachen der Vorfußbeschwerden ausschließen. Gesichert wird die Diagnose durch Ultraschall oder MRT.

Die Behandlung des Morton-Neuroms kann meist konservativ erfolgen. Dabei müssen begleitende Ursachen einer Vorfußüberlastung identifiziert und angegangen werden. Eine Dehnung der Wadenmuskulatur und eine intensive Dehnung des Vorfußgewölbes sind sinnvoll, ebenso wie Anpassungen bei der Schuhwahl und der Verwendung von Einlagen.

Hat die probatorische Infiltration geholfen, kann eine Infiltrationstherapie mit Kortison oder Alkohol diskutiert werden, die direkt an den kranken Nerv injiziert wird. Weitere konservative Maßnahmen wie Capsaicin-Injektionen, Botulinumtoxin-Injektionen und Stoßwellentherapie sind als IGeL-Leistung nicht vor der Krankenkasse gedeckt, da ein Nutzen bislang unklar ist.

Eine operative Therapie kann immer dann in Erwägung gezogen werden, wenn trotz aller konservativen Maßnahmen weiterhin Beschwerden bleiben. Dabei gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten: entweder wird der Nerv an der Stelle komplett entfernt und das Ende verödet, oder man entfernt nur die veränderten Zellen um den Nerven und versucht diesen zu erhalten. Wird der Nerv entfernt, führt das zur Taubheit der Zehen in den Bereichen, die durch die Nervenfasern versorgt wurden. Beim Nervenerhalt kann es sein, dass nicht alle Zellen entfernt werden können und diese erneut wachsen. An der Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie der Justus-Liebig-Universität Gießen am Universitätsklinikum Gießen und Marburg führt die Sektion Fußchirurgie unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Christian Heiß als Klinikdirektor und Privat-Dozent Dr. med. Christoph Biehl als leitender Oberarzt die operative Therapie von Morton-Neuromen über einen dorsalen Zugang (Fußrücken) mit Lupenbrille durch. Narben auf der Fußsohle sollen hinterher nicht mehr Beschwerden verursachen als das Neurom vorher. Nach der Operation erfolgt die Nachbehandlung in einem Therapieschuh für zwei bis drei Wochen; während dieser Zeit kann der Fuß voll belastet werden, wobei das Abrollen vermieden werden sollte. Die Arbeitsunfähigkeit beträgt je nach Arbeitsplatz etwa zwei bis sechs Wochen; sitzende Tätigkeiten sind oft schon nach zwei Wochen möglich. In Studien wird die Erfolgsrate mit 70–80% guten Ergebnissen angegeben, wobei Patienten bleibende Sensibilitätsstörungen haben können. Wenn Patientinnen berichten, dass sie wieder ohne Schmerzen joggen oder mit hohen Schuhen tanzen können, dann ist die Operation ein voller Erfolg.

 

Über den Autor

Dr. med. Christoph Biehl
Diakon, Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie
UKGM Gießen

Bildergalerie

Aktuelle Ausgabe3/2026