Arbeiten bei Hitze – wenn der Arbeitsplatz zur Sauna wird

Morgens, halb 10 in Deutschland.

Der Ventilator zieht monoton seinen Halbkreis, alle zehn Sekunden weht ein lauwarmes Lüftchen vorbei. Die Jalousien sind geschlossen und erzeugen ein schummriges Halbdunkel, das die bleierne Müdigkeit verstärkt. Im Radio läuft „36 Grad, und es wird noch heißer…“ – und der Moderator liefert die immer gleichen Tipps: morgens Stoßlüften (hilft nur, wenn es nachts abkühlt), ein nasses Handtuch vor dem Ventilator (Kurzschlussgefahr inklusive) und enthusiastische Schwimmbad-Empfehlungen für den Feierabend, obwohl wir genau wissen, dass man nach der langen Parkplatzsuche im besten Fall noch einen Stehplatz inmitten der großen Menschenmenge findet.

Dann berichtet er über Hitzefrei an Schulen. Und wir? Hitzefrei im Büro? Schön wär’s.

Was die Regeln sagen – und was sie bedeuten

Natürlich gibt es auch in Deutschland Regelungen für Raumtemperaturen von Arbeitsräumen. Diese Regelungen beinhalten Maßnahmenvorschläge, die ja nach Temperaturanstieg im Arbeitsraum ergriffen werden können.

Je nach Temperatur und deren Ursache (z.B. starke Sonneneinstrahlung, schlechte Belüftungsbedingungen oder Wäremabstrahlung durch Maschinenbetrieb) können das z.B. sein: eine effektive Beschattung zu gewährleisten, Nachtauskühlung, eine Flexibilisierung der Arbeitszeit (z.B. früherer Arbeitsbeginn der Schichten), Verbesserung der Lüftungsbedingungen, Kurzpausen in gekühlten Räumen zur Entwärmung und natürlich die Versorgung mit Getränken (leider keine Cocktails).

Und draußen? Wenn die Baustelle zum Backofen wird

Während Hitze im Büro vor allem die Leistungsfähigkeit senkt, kann sie im Außenbereich schnell gefährlich werden. Asphalt, Beton und Stahl speichern Hitze wie ein Steinofen. Dazu körperliche Arbeit, Schutzausrüstung und direkte Sonne – eine perfekte Mischung für Hitzestress. Zudem wichtig wäre hier noch ein ausreichender Schutz vor UV-Strahlung, z.B. durch angemessene Kleidung, Möglichkeiten der Beschattung bis hin zur Verfügungstellung von Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor zu bedenken. Eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit ist essentiell.

Warum der Kopf so empfindlich reagiert

Ein Blick in die Sauna hilft beim Verständnis: Echte Sauna-Fans tragen Filzhüte, die Kopfhaut und Gehirn vor Überhitzung schützen. Im Sommer übernimmt diese Rolle eine helle, luftige Kopfbedeckung – quasi der „Sommer-Filzhut“ für die Baustelle.

Der Kopf ist nämlich ein Hotspot der Thermoregulation:

  • Stark durchblutet – wird die Kopfhaut heiß, steigt die Temperatur des Blutes Richtung Gehirn
  • Kaum Kühlmöglichkeiten – Schweiß verdunstet am Kopf schlechter
  • Direkte Sonneneinstrahlung – die Kopfhaut kann deutlich heißer werden als die Umgebungsluft

Kein Wunder, dass Schwindel, Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme oft die ersten Warnzeichen sind.

Hitzeschutz – was wirklich hilft

Hitze lässt sich am besten auf drei Ebenen bekämpfen:

1. Technische Maßnahmen

  • Schatten schaffen (Sonnensegel, mobile Überdachungen)
  • Helle, reflektierende Oberflächen
  • Gute Belüftung

2. Organisatorische Maßnahmen

  • Arbeitszeiten anpassen (früher beginnen, Mittagshitze meiden)
  • Regelmäßige Pausen im Schatten
  • Schwere Tätigkeiten in kühlere Tageszeiten verlegen

3. Personenbezogene Maßnahmen

  • Kopfbedeckung, (UV-)Schutzkleidung, Sonnencreme
  • Ausreichend trinken!
  • Warnzeichen kennen
  • Aufeinander achten

Das Wichtigste für Beschäftigte

  • Ausreichend Flüssigkeit trinken (0,5–1 l pro Stunde bei schwerer Arbeit)
  • Leichte Mahlzeiten
  • Helle, luftige Kleidung + Kopfbedeckung
  • UV-Schutz nicht vergessen

Was Arbeitgeber tun können

  • Sonnenschutz schaffen (Jalousien, Sonnensegel, Sonnenschutzverglasung, reflektierende Folien etc.)
  • Räume möglichst kühl halten und früh durchlüften
  • Ventilatoren oder Klimaanlagen einsetzen
  • Getränke bereitstellen
  • Die Arbeitszeiten flexibel an die Hitze anpassen (soweit möglich)
  • Körperlich schwere Arbeiten möglichst in kühlere Tageszeiten verlegen
  • Kleidungsvorgaben (sofern nicht sicherheitsrelevant) lockern
  • Bei erhöhter Wärmebelastung: Gefährdungsbeurteilung aktualisieren

Wenn es ernst wird - achten Sie auf die Warnzeichen des Körpers:

  • Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit
  • Benebeltes Denken, Konzentrationsprobleme
  • Muskelkrämpfe
  • Blasse, feuchte Haut (Hinweis auf Hitzeerschöpfung)
  • Heiße, trockene Haut (Achtung: Hitzschlag!)

Erste Hilfe bei Hitzeproblemen

  • Sofort in den Schatten oder einen kühlen Raum bringen
  • Kleidung lockern
  • Kühlen: feuchte Tücher, Luftbewegung
  • Wasser geben, wenn die Person bei Bewusstsein ist
  • Bei Bewusstlosigkeit oder Verdacht auf Hitzschlag Notruf: 112 rufen

 

Einen kühlen Kopf bewahren

Hitze am Arbeitsplatz ist mehr als nur unangenehm. Sie belastet Kreislauf, Konzentration und Leistungsfähigkeit – im schlimmsten Fall kann sie sogar lebensbedrohlich werden.

Deshalb: Nutzen Sie die empfohlenen Maßnahmen, meiden Sie wortwörtlich die Hotspots und achten Sie auf die Warnzeichen bei sich und den Kolleginnen und Kollegen, denn gerade bei hohen Temperaturen werden diese leicht übersehen.

Meist sind es die einfachen Dinge, die den größten Unterschied machen: ausreichend trinken, regelmäßige Pausen im Schatten oder in kühlen Räumen einlegen und die körperlichen Belastungen möglichst an die kühleren Tageszeiten anpassen.

Bleiben Sie aufmerksam – und bewahren Sie auch bei sommerlichen Höchsttemperaturen einen kühlen Kopf.

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