Der innere Arzt

Der Spätsommer hat so seine eigene Stimmung: immer noch hängen die hochsommerlichen Temperaturen in der Luft, die Abende werden früher dunkel und bei vielen kehrt nach den Ferien wieder Struktur in den Tag ein. Der langsame Wechsel der Jahreszeiten bringt bei dem ein oder anderen neue Pläne mit sich und es wächst die Lust, sich selbst wieder etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Für einige von Ihnen ist genau das der Moment, in dem die guten Vorsätze aus dem Jahresanfang wieder auf den Tisch kommen. Hiermit möchte ich Ihnen ein bisschen Inspiration für Körper, Geist und den ganz normalen Alltag geben. Denn kein Arzt kann für Sie schlafen, essen oder sich bewegen - das müssen Sie selbst tun. Wir können dazu mit unserem „inneren Arzt“ in Verbindung treten. Er spricht mit uns durch körperliche Empfindungen, Schmerzen oder andere Symptomatiken. Häufig beeinflusst unser Lebensstil, welche genetischen Programme aktiv werden. Diese sogenannte Epigenetik besagt, dass unsere Gene kein festgeschriebenes Schicksal sind und dass der Körper zuerst flüstert, bevor er losschreit. Müdigkeit, Verspannungen, Infektanfälligkeit und Brain Fog können erste Signale dafür sein. Unser Körper meint es gut mit uns, will uns warnen und ist ein Meister im Kompensieren. Aber irgendwann kostet das zu viel Kraft und Ignorieren löst das Problem ganz und gar nicht.

Das Fass läuft über

Ein Hexenschuss, Bandscheibenprobleme, Arthrose oder gar ein Herzinfarkt kommen gefühlt plötzlich. Tatsächlich hat das Ganze meist eine lange Vorgeschichte und läuft im Hintergrund ab. Stellen Sie sich ein Fass vor, welches sich im Laufe Ihres Lebens durch die Summe kleiner Belastungen (wie z.B. Stress, Schlaf- und Bewegungsmangel, ein gestörtes Darmmikrobiom sowie ungünstige Ernährung) immer mehr füllt. Zum Glück hat das Fass diverse Hähne zur Entlastung. Damit es nicht überläuft helfen z.B. Bewegung, Sonnenlicht, Schlaf, viele Nährstoffe, Wasser, Entspannung, Lesen, neue Dinge Erlernen und soziale Kontakte.

Impulse der ganzheitlichen L&B Therapie

Mein Ziel in der L&B Schmerztherapiepraxis ist nicht nur die Symptome zu behandeln, sondern die Ursachen zu verstehen und Patienten in die Selbstverantwortung zu bringen. So können sie eigenständig erkennen, wie ihr Schmerz beeinflusst werden kann. Als Ausnahme hierbei zählen traumatische- oder krankheitsbedingte Schmerzzustände. Schmerz ist ein Alarmsignal - keine Strafe, der wir hilflos ausgeliefert sind. Es geht nicht darum, das Symptom zu unterdrücken und schnell loszuwerden, sondern zu verstehen, warum es entstanden ist. Wir können jeden Tag aufs Neue ein paar Belastungen mindern und das System entlasten. Nicht durch eine spektakuläre Maßnahme, sondern durch viele kleine Impulse (Hähne am Fass öffnen). Unser Körper arbeitet ununterbrochen für uns. Er produziert neue und recycelt alte Zellen. Durch den Wechsel von Be- und Entlastung werden Knorpel, Muskulatur und Knochen gut versorgt und stetig repariert. Jeder Spaziergang, jede Dehnung, jede Kräftigung, jede Faszienrollmassage bringt den Lebensraum unserer Billionen Zellen in Bewegung und baut diese um. Positiv wie negativ- „use it or loose it“ – das ist Ihre Chance. Denn der Körper erneuert sich ständig. Beispielsweise: die Darmschleimhaut alle 3-5 Tage, unsere Haut alle 4 Wochen, das Skelett alle 7-10 Jahre. Super und so hoffe ich, dass Sie verstehen, dass nichts so bleiben muss, wie es ist und wir eigenverantwortlich handeln und verändern können.

Mein Tipp

Die tägliche Routineübung, investieren Sie insgesamt 3 Minuten:

1.Stellen Sie die Beine hüftbreit auseinander. Beugen Sie sich mit durchgestreckten Beinen nach vorne unten, kommen wieder hoch, schieben die Leiste nach vorne und überstrecken den Oberkörper nach hinten; wiederholen Sie das Ganze fließend, sooft Sie das in einer Minute können

2.Neigen/Kippen Sie den Oberkörper nach links, kommen wieder hoch und machen dasselbe nach rechts; wiederholen Sie das Ganze fließend, sooft Sie das in einer Minute können

3. Strecken Sie Ihre Arme seitlich auf Ihrer Schulterhöhe aus und ziehen diese dort so weit wie es geht nach hinten. Nun rotieren Sie den gesamten Körper nach links- lediglich die Füße bleiben feste stehen. So rotiert, ziehen Sie die Arme erneut weit zurück, dann drehen Sie den gesamten Körper nach rechts und ziehen dort erneut die Arme weit nach hinten; wiederholen Sie das Ganze fließend, sooft Sie das in einer Minute können

Jeder gute Reiz ist eine Investition in das Gewebe von morgen. Sie haben täglich die Möglichkeit, es in die positive Richtung zu lenken. Viel Freude an der täglichen Routine, Ihre Petra Müller

Über den Autor

Petra Müller
Petra Müller
Physiotherapeutin, Heilpraktikerin
LNB Schmerztherapiepraxis Wetzlar

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