
Diabetes und die Füße: Vorsorge, Fußpflege
und die richtige Schuhversorgung
Diabetes betrifft nicht nur den Blutzucker. Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel kann auch die Nerven und Blutgefäße schädigen. Besonders häufig zeigen sich die Folgen an den Füßen.
Durch eine diabetische Polyneuropathie können Schmerz-, Druck- und Temperaturempfinden nachlassen. Eine kleine Blase, ein Stein im Schuh oder eine Druckstelle wird dann möglicherweise nicht bemerkt. Durchblutungsstörungen können zusätzlich dazu führen, dass Verletzungen schlechter heilen. So kann sich aus einer scheinbar harmlosen Stelle eine schwer heilende Wunde entwickeln.
Warum ist die Fußkontrolle im DMP so wichtig?
Das Disease-Management-Programm, kurz DMP, unterstützt Menschen mit Diabetes durch eine strukturierte und regelmäßige Betreuung. Dazu gehört auch die ärztliche Untersuchung der Füße.
Dabei werden unter anderem Haut, Nägel, Fußform, Druckstellen, Durchblutung und Empfindungsvermögen kontrolliert. Ziel ist es, Nervenschäden, Durchblutungsstörungen und andere Risiken frühzeitig zu erkennen, bevor eine offene Wunde entsteht. Die Untersuchung ist besonders wichtig, weil Betroffene gefährliche Veränderungen aufgrund des verminderten Schmerzempfindens selbst nicht immer wahrnehmen.
Warum ist die richtige Fußpflege so wichtig?
Trockene oder rissige Haut, übermäßige Hornhaut und falsch gekürzte Nägel können kleine Verletzungen begünstigen. Deshalb sollten Menschen mit Diabetes ihre Füße täglich ansehen, vorsichtig reinigen, gut abtrocknen und trockene Haut eincremen. Die Zehenzwischenräume sollten trocken bleiben.
Scharfe Instrumente, Hornhauthobel und Hühneraugenpflaster können die Haut verletzen und sind für gefährdete Füße ungeeignet. Wer schlecht sieht, seine Füße nicht sicher erreicht oder bereits Nervenschäden beziehungsweise auffällige Fußbefunde hat, sollte die Fußpflege nicht eigenständig durchführen. Eine medizinisch notwendige podologische Behandlung kann unter bestimmten medizinischen Voraussetzungen ärztlich verordnet werden.
Was macht ein Orthopädieschuhmachermeister?
Orthopädieschuhmachermeister untersuchen, wie der Fuß beim Stehen und Gehen belastet wird. Sie beurteilen Fußform, Fehlstellungen, Beweglichkeit und besonders gefährdete Bereiche. Je nach ärztlicher Verordnung fertigen oder verändern sie Hilfsmittel, beispielsweise:
- individuelle orthopädische Einlagen,
- diabetesadaptierte Fußbettungen,
- orthopädische Schuhzurichtungen,
- Spezialschuhe bei Diabetes,
- Therapieschuhe oder orthopädische Maßschuhe.
Ziel ist es, Druck besser zu verteilen, gefährdete Stellen zu entlasten und den Fuß im Schuh zu schützen. Zur Versorgung gehören eine sorgfältige Passformkontrolle sowie regelmäßige Nachkontrollen. Bei Bedarf können Druckmessungen im Schuh eingesetzt werden, um die Entlastung zu überprüfen.
Was bedeutet Orthopädieschuhmacher DDG?
Die Bezeichnung steht für eine zusätzliche Fortbildungsqualifikation der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Sie ersetzt nicht die reguläre Qualifikation im Orthopädieschuhmacherhandwerk, sondern ergänzt sie um vertiefte Kenntnisse zur Versorgung von Menschen mit Diabetischem Fußsyndrom.
Die Fortbildung behandelt medizinische, technische, psychosoziale und rechtliche Aspekte, praxisorientierte Fallarbeit sowie die Zusammenarbeit mit Ärzten, Wundfachkräften und Podologen. Die DDG weist darauf hin, dass die Komplexität des Diabetischen Fußsyndroms und die Wahl geeigneter Hilfsmittel besondere Expertise erfordern.
Für Patienten bietet die Bezeichnung insbesondere Orientierung bei der Suche nach einer auf den diabetischen Fuß spezialisierten Fachkraft. Sie ist jedoch keine Garantie dafür, dass jede Person mit Diabetes spezielle Einlagen oder Schuhe benötigt. Entscheidend sind immer der individuelle Fußbefund, das persönliche Risiko und die ärztliche Verordnung.
Wie finde ich eine spezialisierte Fachkraft?
Die DDG veröffentlicht auf ihrer Internetseite eine nach Postleitzahlen sortierte Liste der Fachkräfte, die die Fortbildung erfolgreich abgeschlossen haben. Alternativ können Patienten ihre diabetologische oder hausärztliche Praxis, eine Fußambulanz oder ein zertifiziertes Diabeteszentrum nach geeigneten Ansprechpartnerinnen fragen.
Wichtig: Rötungen, Blasen, Schwellungen, offene Stellen oder ein ungewöhnlich warmer Fuß sollten zeitnah ärztlich untersucht werden. Eine offene Wunde gehört nicht in die alleinige Behandlung durch Fußpflege oder Orthopädieschuhtechnik.
Denn bei Diabetes gilt: Täglich hinschauen, Veränderungen ernst nehmen und frühzeitig handeln.

