Die trockene Nase

„Herr Doktor, ich habe ein großes Problem! Seit etwa vier Monaten habe ich morgens das Gefühl, dass Schleim im Hals hängt, manchmal bekomme ich auch schlecht Luft beim Schlafen und wache auf. Jetzt bin ich doch so fit mit meinen 72 Jahren und gehe regelmäßig Sport treiben. Ich habe das Gefühl, dass ich mir oft die Nase putzen muss, aber es kommt nichts heraus. Jetzt hat mir sogar mein Enkel gesagt: Oma, warum bohrst Du Dir in der Nase? Das war mir sehr peinlich. Also, Herr Doktor, Sie müssen etwas tun!“ So eine kleine Leidensgeschichte hört der Hals-Nasen-Ohren-Arzt sehr häufig und kann daraus schon fast eine klare Diagnose stellen: trockene Nasenschleimhaut!

Wenn ein Hund eine trockene Nase hat, ist er krank; so ähnlich gilt es auch für uns Menschen und daraus ergeben sich die Fragen:

  • Welche Funktionen hat die Nase?
  • Und warum muss die Nasenschleimhaut feucht sein?
  • Was passiert, wenn die Nase nicht mehr feucht ist?
  • Welche Therapien sind sinnvoll, um eine normale Schleimhaut wieder herzustellen?

Welche Funktionen hat die Nase?

Betrachten wir uns einmal unsere eigene Nase im Spiegel. Wir sehen die äußere Nase, diese kann groß, klein, schief, höckerig und …. sein. Also jede Nase ist anders, jeder Mensch hat eine eigene Nase …also ein Unikat. Die normale Nase sollte gerade sein und optimal in der Größe, sie hat zwei Nasenlöcher, die etwa gleich groß und frei sind.

Dann müssen wir genauer hinsehen, vielleicht die Brille aufsetzen, und sehen uns diese Nasenlöcher, bzw. das dahinter liegende „Unbekannte“ an. Es handelt sich um die Nasenhaupthöhle, die man ohne Instrumente nur etwa 3 cm einsehen kann, die durch die Nasenscheidewand getrennt wird. Für den Hals-Nasen-Ohrenarzt stehen eine Vielzahl von verschiedenen Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung: Endoskope starr und flexibel mit verschiedenen Blickwinkeln, Mikroskope, Ultraschall, Röntgen (normales Röntgen und die sogenannte Computertomographie), Kernspintomographie, Geruchstests, Szintigrafien und sogenannte Durchflußmessungen (Rhinomanometrie). Für den Hals-Nasen-Ohren-Arzt ist die Nasehaupthöhle auch nur ein Teil eines Systems: denn Nasenhaupt- und nebenhöhlen gehören fest zusammen. Ja sogar das Bronchialsystem ist hinsichtlich der Schleimhaut und Funktion mit dem nasalen System verbunden.

Beim Säugling ist die Nase äußerst wichtig, damit er gleichzeitig trinken und atmen kann; das wünschen sich manchmal auch ein paar Ältere …wäre doch wirklich nicht schlecht? In späteren Jahren wird die Nase ausschließlich zum besseren Atmen und Riechen (Schmecken) benötigt. Die Nase reguliert den Luftstrom in das Bronchialsystem (also auch die Lunge), dazu hat sie die sogenannten Nasenmuscheln. Dies sind sehr gut durchblutete Schwellkörper (etwa so wie Schwämme, die größer und kleiner werden können), diese haben eine eigene „Uhr“ fürs An- und Abschwellen. Man merkt dieses ganze System erst dann, wenn es nicht mehr optimal funktioniert.

Warum muß die Nasenschleimhaut feucht sein?

Damit die Luft, welche in das Bronchialsystem gelangt, keinen Schaden anrichtet, sollte sie eine Luftfeuchtigkeit und Temperatur haben, die etwa der des Bronchialsystems entspricht. Um das zu erreichen, muß die Schleimhaut feucht sein und damit auch die eintretende Luft anfeuchten. Jeder kann testen, daß er bis zu einem gewissen Atemvolumen nur durch die Nase atmen kann, dann muß man den Mund öffnen, um noch ausreichend Luft zu bekommen. D.h. im Normalfall, ohne größere Belastung, atmet Frau und Mann ausschließlich durch die Nase.

Was passiert, wenn die Nase nicht mehr feucht ist?

Jetzt kann sich schon jede Leserin und jeder Leser, gleich welcher Altersgruppe, denken, was passiert, wenn die Nase nicht mehr feucht ist:

  • Die Schleimhaut in der Nase, im Hals und im Bronchialsystem trocknet aus.
  • Die Schleimhaut in Nase, Hals und Bronchialsystem wird anfälliger für Infekte (sowohl für Viren als auch für Bakterien).
  • Das Geruchs- und Geschmacksvermögen wird eingeschränkt.
  • Es bilden sich sogenannte Borken (also eingetrocknete Schleimhaut), diese sind störend (Bsp. Nasebohren) oder machen Geräusche (Bsp. Schnarchen)
  • Die Nase fängt häufiger an zu bluten.
  • Die Nase schmerzt.
  • Die Belüftung der Nasennebenhöhlen wird gestört und es entstehen Kopfschmerzen.
  • Die Eustach´sche Röhre funktioniert nicht mehr normal und man bekommt eine Hörstörung, ggf. einen Erguss (= Flüssigkeit im Mittelohr), manchmal sogar eine Mittelohrentzündung.
  • Man fühlt sich einfach nicht mehr wohl!

Welche Therapien sind sinnvoll, um eine normale Schleimhaut wieder herzustellen?

Bevor diese Frage beantwortet werden kann, sollte man die Ursachen auflisten:

  • zunehmendes Alter trocknet Haut und Schleimhäute aus
  • gerade bei Frauen sind zusätzlich hormonelle Veränderungen schuld an trockener Haut und Schleimhaut
  • Medikamente (besonders solche gegen Bluthochdruck, Diabetes, Nierenstörungen, Herzerkrankungen, Depressionen, …) können die Schleimhäute austrocknen
  • zu wenig Flüssigkeit = zu wenig Trinken am Tag können austrocknen
  • falsche Ernährung, unausgewogene Ernährung, zu wenig Vitamine
  • überhitzte Wohnungen, die zu wenig gelüftet werden
  • Klimaanlagen in Auto und Wohnung
  • zu trockene Arbeitsplätze mit viel Staub
  • häusliche Staubbelastung, durch Teppichboden oder Gardinen
  • zu häufige Auslandsaufenthalte, Bsp. in Kenia, Spanien, Ägypten, …

Daraus ergeben sich zwei Therapieprinzipien:

  1. Optimierung der endogenen Faktoren bedeutet:
  • gerade bei Frauen, die ein klein wenig älter geworden sind, regelmäßige Besuche bei ihrer Gynäkologin oder Gynäkologen, mit Hormonstatuserhebung und –optimierung; Hormontherapie ist nicht grundsätzlich schlecht!
  • gesunder Lebenswandel und Ernährung zu Stabilisierung der Haut, Schleimhaut und Immunaktivierung
  • sinnvolle medikamentöse Therapie von bestehenden Erkrankungen
  1. Optimierung der exogenen Faktoren bedeutet:
  • gesundes Raumluftklima: häufiges Lüften, Messung der Raumluftfeuchtigkeit mit Hygrometer (mit MAX und MIN-Funktionen), kein Teppichboden, möglichst keine anderen Staubfänger (Gardinen, Stofftiere, Stoffmöbel, offene Regale, “viel Schnick-Schnack“ in der Wohnung)
  • häufige Spaziergänge nicht nur bei schönem Wetter, sondern gerade auch bei Regen (Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung !!!)
  • im Sommer die Klimaanlage mit Sinn benutzen
  • im Winter die Wohnung nicht zu einer „Trocken-Sauna“ machen
  • Urlaubsaufenthalte an der Nord- und Ostsee planen, nicht in Wüstenregionen mit langen Flügen (in den Flugzeugen ist die Luft sehr trocken!)
  • und … Nasenpflege betreiben

 

Wie sieht die gute Nasenpflege aus:

  1. Salzwasser durch die Nase spülen. Älteste und beste Methode zur Befeuchtung! Entweder mit einem Nasenspülkännchen, einer Nasendusche oder einfach aus der hohlen Hand. Salz (– egal welches, ob mit oder ohne Fluor, ob aus der Nordsee oder aus Bad Ems oder …. = aber kein Streusalz und kein Spülmaschinensalz verwenden) in der Menge von einem gehäuften Teelöffel auf ein Glas lauwarmes Wasser (100 ml) auflösen und dann durch die Nase durchziehen.
  2. Nasenöle verwenden. Es gibt mehrere fertige Öle in der Apotheke (Bsp. Gelositin Nasenöl ®, Coldastop Nasenöl ®) oder auch weiche Nasensalbe (Bsp. Weiche Nasensalbe Aßlar) oder auch Bepanthen Nasen-und Augensalbe ®.
  3. Oder ganz alter Trick in südlichen Mittelmeerländern: Man nehme kaltgepresstes Olivenöl aus der ersten Pressung (= sehr gute Qualität), füllt sich dies in ein Pipettenfläschen ab und nutzt dieses Öl als ölige Nasenpflegetropfen. (Den Rest kann man sogar für den Salat nutzen, ist dann in zweierlei Hinsicht gesund.)
  4. Falls möglich Solebäder aufsuchen und die Schönheit des Meeres (am besten der Atlantik-Küste oder Nordseeinseln) zur Nasenpflege benutzen.

Über den Autor

Dr. Jörg Silberzahn
Dr. Jörg Silberzahn
Hals-Nasen-Ohren-Arzt

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