Frauenherzen schlagen anders

Warum Frauen ihre Herzgesundheit
früher in den Blick nehmen sollten

Wenn Frauen an Vorsorge denken, denken viele ganz selbstverständlich an den regelmäßigen Termin bei der Frauenärztin.

Aber wann haben Sie zuletzt an Ihr Herz gedacht?

Noch immer gelten Herz-Kreislauf-Erkrankungen eher als Männerproblem. Dabei sind sie auch bei Frauen die häufigsten Erkrankungen und Todesursache. Und viele der wichtigsten Risikofaktoren machen lange überhaupt keine Beschwerden. Einen erhöhten Blutdruck spürt man meistens nicht, ein hohes LDL-Cholesterin ebenfalls nicht. Trotzdem können beide über viele Jahre unsere Gefäße schädigen.

Dazu kommen einige Risikofaktoren, die speziell Frauen betreffen. Schwangerschaften sind dafür ein gutes Beispiel. Eine Präeklampsie oder ein Schwangerschaftsdiabetes sind mit der Geburt nicht einfach vergessen. Sie können ein Hinweis darauf sein, dass das spätere Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht ist. Deshalb frage ich meine Patientinnen auch viele Jahre später noch danach.

Ein weiteres wichtiges Zeitfenster sind die Wechseljahre. Mit der hormonellen Umstellung verändert sich nicht nur der Zyklus. Bei vielen Frauen steigen in dieser Lebensphase Blutdruck und Cholesterin, der Stoffwechsel verändert sich und Fett wird häufiger am Bauch eingelagert und die Muskelmasse schwindet, wenn man nicht dagegen antrainert. Für mich sind die Jahre rund um die Menopause deshalb ein idealer Zeitpunkt, einmal genauer auf die eigene Herzgesundheit zu schauen.

Dabei muss es gar nicht kompliziert sein. Kennen Sie Ihren Blutdruck? Ihr LDL-Cholesterin? Ihren Blutzucker? Gibt es in Ihrer Familie frühe Herzinfarkte oder Schlaganfälle?

Ein Wert, den viele noch gar nicht kennen, ist das Lipoprotein(a), kurz Lp(a). Seine Höhe ist zu mehr als 90 Prozent genetisch bestimmt und lässt sich durch Ernährung oder Sport kaum beeinflussen. Ein deutlich erhöhtes Lp(a) kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Die aktuellen europäischen Empfehlungen raten deshalb dazu, diesen Wert bei Erwachsenen mindestens einmal zu bestimmen. Ist er erhöht, sollten wir umso konsequenter auf die Risikofaktoren achten, die wir beeinflussen können.

Und davon gibt es zum Glück viele. Regelmäßige Bewegung ist eine der besten Investitionen in die eigene Gesundheit. Neben Ausdauertraining sollten gerade Frauen auch Krafttraining nicht vergessen. Eine überwiegend pflanzenbetonte Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und guten Pflanzenölen schützt Herz und Gefäße. Nicht zu rauchen, ausreichend zu schlafen und den Blutdruck im Blick zu behalten klingt vielleicht wenig spektakulär – macht langfristig aber einen großen Unterschied.

Mir geht es dabei ausdrücklich nicht darum, gesunde Frauen zu Patientinnen zu machen. Ganz im Gegenteil. Als Kardiologin möchte ich Frauen am liebsten zehn oder zwanzig Jahre vor einem möglichen Herzinfarkt kennenlernen – nämlich dann, wenn wir noch sehr viel dafür tun können, dass es gar nicht erst so weit kommt.

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Aktuelle Ausgabe4/2026