Endometriose - eine Volkskrankheit (Teil 2)

Im ersten Teil zur Endometriose, in der Juli-Ausgabe, haben wir die Erscheinungsformen der Endometriose, ihr möglichen Entstehungsformen und ihre Diagnostik besprochen. Aber welche Möglichkeiten der Behandlung bietet die moderne Gynäkologie für betroffene Frauen?

Therapie der Endometriose

Da die Ursache der Endometriose bislang weitgehend ungeklärt ist, gibt es leider keine kausale Therapie, also eine Behandlungsmethode, die die Ursache beseitigt. Wesentliches Kriterium der Behandlung einer Endometriose ist daher die Behandlung der Beschwerden.

Prinzipiell gibt es drei Säulen der Behandlung: die medikamentöse Behandlung, die Operation und ergänzende (komplementäre) Behandlungsmethoden.

Medikamentöse Behandlung der Endometriose

Der medikamentösen Behandlung wird heute der Vorzug gegeben, sowohl bei der primären Behandlung, aber auch wenn der Verdacht auf ein erneutes Auftreten einer Endometriose nach medikamentöser Behandlung oder Operation besteht (Rezidiv). Neu ist, dass diese Behandlung jetzt auch ohne vorherige Bauchspiegelung durchgeführt werden kann. Früher durfte man die - zum Teil recht teuren Medikamente - erst nach feingeweblicher Sicherung (durch eine Operation) der Endometriose verordnen. Das machte bei der Bauchfellendometriose vielleicht noch Sinn, bei der häufigen und sehr schmerzhaften Adenomyosis uteri, bei der Endometrioseherde in der Muskelwand der Gebärmutter sitzen, war der feingewebliche Nachweis aber anatomisch gar nicht möglich, außer durch eine Gebärmutterentfernung! Daher ist es ein absoluter Fortschritt, dass die unten aufgeführten Medikamente nun auch ohne Operation zu Lasten der Krankenversicherung rezeptiert werden können. Dies hatte zuerst die europäischen Endometriosegesellschaft gefordert und wurde jetzt auch in der deutschen Leitlinie umgesetzt ist. So kommen betroffene Frauen heute früher und einfacher zu einer medikamentösen Behandlung. Die eingesetzten Medikamente haben den Vorteil, dass sie auf alle Endometrioseherde einwirken, auch diejenigen, die einer Operation nicht oder nur schwer zugänglich sind.

Gelbkörperhormon

Eine sehr effektive und gut verträgliche Behandlung stellt die Therapie mit Gelbkörperhormonen dar. In der Regel wird das Gelbkörperhormon Dienogest verordnet. Es ist auch zur Endometriosetherapie zugelassen und kann daher auf einem Krankenkassenrezept verschrieben werden. Dienogest wirkt sehr effektiv auf Endometrioseherde, so daß die Regelschmerzen, aber auch allgemeine Bauchschmerzen gebessert werden. Gleichzeitig wirken sie verhütend (wie eine Minipille), so dass nicht für eine zusätzliche Verhütung einer Schwangerschaft gesorgt werden muß. Die Gelbkörperbehandlung stellt seit Jahren die Therapie der ersten Wahl dar. Als Nebenwirkungen können in der Anfangszeit der Einnahme Zwischenblutungen auftreten.

GnRH-Analoga

Diese Medikamente stellen zumeist die second-line-Therapie dar, werden also nach einer vorherigen Behandlung eingesetzt. Dies kann entweder eine Hormonbehandlung (Gelbkörperhormon, Pille) oder auch eine Operation sein.
GnRH-Analoga reduzieren sowohl die Endometriose-assoziierten Schmerzen, als auch die Blutungsstärke, nach wenigen Wochen tritt - für die Zeit der Behandlung - keine Menstruationsblutung mehr auf. Es gibt Medikamente, die gespritzt werden, andere kann man auch in Tablettenform aufnehmen.

Diese Präparate stellen die Eierstöcke vollkommen ruhig, so dass dort - während der Medikamentenwirkzeit - kein Östrogen gebildet wird. Dadurch werden auch die Endometriosezellen "ruhiggestellt" und trocknen im Idealfall aus. Das ist sehr effektiv.
Da die Östrogenproduktion aber komplett ausfällt besteht ein erhöhtes Risiko für eine Knochenentkalkung (Osteoporose). Daher empfiehlt man immer eine zusätzliche, niedrig dosierte Östrogentherapie (genannt "add back-Therapie") die wegen der geringen Dosis keinen negativen Einfluss auf die Endometriosezellen hat. Außerdem wird diese Behandlungsform auf drei bis besser sechs Monate befristet. Wir wissen mittlerweile, dass diese Behandlung effektiver ist, wenn sie direkt nach einer Operation eingesetzt wird. Damit wird das Rezidivrisiko deutlich gesenkt.

 

Seit Oktober 2023 und November 2024 sind zwei völlig neue Präparate dieser Substanzgruppe in Deutschland zur Endometriosebehandlung zugelassen. Ein Präparat hat sogar die add-back-Therapie mit einem niedrig dosierten Östrogen und Gelbkörperhormon schon in die Tablette eingefügt. Unter dieser Therapie zeigte sich eine signifikante Schmerzreduktion - sowohl der Regelschmerzen als auch der außerhalb der Menstruation auftretenden Unterbauchschmerzen - eine Verbesserung bei Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs oder beim Stuhlgang, so dass die behandelten Patientinnen eine wesentliche Verbesserung ihrer Alltagsbewältigung beschrieben. Leider können diese Medikamente bei Patientinnen mit bestimmten Formen einer Migräne nicht eingesetzt werden.

Da diese Therapie aber auf max. sechs Monate begrenzt ist, setzen wir danach eine weitere Hormontherapie ein, z.B. einen bestimmten Ovulationshemmer (Pille) oder ein levonorgestrelhaltiges Intrauterinsystem.

Levonorgestrelhaltiges Intrauterinsystem

Hinter diesem, etwas sperrigen Namen, verbirgt sich nichts anders als eine Hormonspirale. Diese ist besonders bei der Adenomyosis uteri (Endometriosezellnester in der muskulären Gebärmutterwand) hoch effektiv. Leider ist das Präparat für die Endometriosetherapie nicht zugelassen (sog. "off label use"), so dass die Patientin dies selbst bezahlen muß. Der Vorteil besteht in einer lokalen Therapie, ohne dass ein Medikament durch den gesamten Körper geschickt werden muß und gewährleistet gleichzeitig eine sichere Verhütung. Häufig haben Frauen unter einer Hormonspirale nach einer gewissen Zeit keine Blutungen mehr, auf jeden Fall werden diese aber stark reduziert, so dass nur noch eine minimale Regelblutung besteht. Sowohl die Schmerzsituation als auch die Rezidivanfälligkeit werden mit einer Hormonspirale deutlich verbessert. Dies gilt allerdings nur für die Hormonspirale mit 52 mg Levonorgestrel.

Über den Autor

Dr. Axel Valet
Dr. Axel Valet
Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Herborn

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