Der Schulterschmerz –
Entstehung, Diagnostik und Behandlungsstrategien

Der Schulterschmerz gehört zu den häufigsten Beschwerden des Bewegungsapparates des Menschen. Dessen Ursache ist vielfältig und reicht von einer vorübergehenden Überlastung bis hin zu Verletzungen oder Verschleißerscheinungen (Arthrose). Da das Schultergelenk einen sehr großen Bewegungsumfang besitzt, ist es besonders auf das Zusammenspiel von Muskeln, Sehnen, Bändern und Gelenkstrukturen angewiesen.

Wie entsteht der Schulterschmerz?

Eine häufige Ursache sind Erkrankungen oder Reizungen der Rotatorenmanschette (Sehnen-/Muskelmanschette der Schulter). Durch Überlastung, degenerative Veränderungen (Verschleiß) oder Verletzungen können die Sehnen entzündet oder geschädigt sein (Abb.1). Typisch sind Schmerzen beim Anheben oder Abspreizen des Armes sowie häufig nächtliche Ruhe-Beschwerden.

Auch eine Bursitis, somit eine Entzündung eines Schleimbeutels, oder ein Impingement, Verengung zwischen Schulterdach und Muskelmanschette, kann zu starken Schulterschmerzen führen. Bei einer Kalkschulter (Tendinosis calcarea) lagern sich Kalziumkristalle in einer Sehne ab und können insbesondere bei akuten Entzündungsphasen erhebliche Schmerzen verursachen.

Eine weitere häufige Ursache ist die Frozen Shoulder (Schultersteife). Hier kommt es zu einer schmerzhaften Einsteifung der Schulter mit zunehmend eingeschränkter Beweglichkeit. Daneben können Arthrose des Schultergelenks oder des Schultereckgelenks, Instabilitäten und Folgen von Verletzungen für die Beschwerden u.a. verantwortlich sein.

Nicht jeder Schulterschmerz entsteht jedoch unmittelbar im Schultergelenk. Auch bei Erkrankungen der Halswirbelsäule oder Reizungen von Nerven können Schmerzen in die Schulter ausstrahlen.

Wie wird der Schulterschmerz diagnostiziert?

Am Anfang steht eine genaue Anamnese (Befund-Erhebung) mit Untersuchung der Beweglichkeit, Kraft und Schmerzprovokation. Je nach Befund können Ultraschall, Röntgen oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) sinnvoll sein. Entscheidend ist, die Ursache des Schmerzes zu erkennen, und nicht lediglich das Symptom zu behandeln.

Wie kann der Schulterschmerz therapiert werden?

Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Ursache und Diagnose. Bei vielen Erkrankungen ist zunächst eine konservative Therapie erfolgreich. Dazu gehören eine vorübergehende Anpassung belastender Aktivitäten, Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente sowie vor allem eine gezielte Physiotherapie oder Infiltrationen.

Im Mittelpunkt der Physiotherapie stehen die Wiederherstellung der Beweglichkeit, die Kräftigung der Rotatorenmanschette und der Schulterblattmuskulatur sowie die Verbesserung der Schulterfunktion. Bei bestimmten Erkrankungen können zusätzlich Infiltrationen mit Schmerz- bzw. Kortison-Medikation oder andere interventionelle Verfahren eingesetzt werden.

Eine Operation ist insbesondere bei ausgeprägten strukturellen Schäden, bestimmten Verletzungen, oder bei anhaltenden Beschwerden trotz konsequenter konservativer Behandlung zu erwägen. Bei einer Rotatorenmanschettenruptur (Abb.1) kann beispielsweise eine minimal-invasive operative Rekonstruktion sinnvoll sein. Bei fortgeschrittener Arthrose mit Rotatorenmanschettendefekt kann in geeigneten Fällen ein künstlicher Gelenkersatz die Schmerzen deutlich reduzieren und die Funktion verbessern (Abb.2).

 

Fazit

Der Schulterschmerz ist kein einheitliches Krankheitsbild. Entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung ist deshalb eine ursachenorientierte Diagnostik und Therapie. Während viele Beschwerden mit gezielter konservativer Behandlung gut beherrschbar sind, benötigen bestimmte Verletzungen oder fortgeschrittene Verschleißerkrankungen eine operative Therapie. Eine frühzeitige und differenzierte Abklärung kann helfen chronische Beschwerden und dauerhafte Bewegungseinschränkungen zu vermeiden.

Schultersprechstunde der Unfallchirurgie am Uniklinikum Gießen: Dienstag 08.30 Uhr bis 14.00 Uhr, Terminvereinbarungen erfolgen über die Leitstelle der unfallchirurgischen Poliklinik

Über den Autor

Prof. Dr. Dr. Christian Heiß
Prof. Dr. Dr. Christian Heiß
Direktor UKGM Gießen Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie

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