Chirurgischer Ratgeber: „Der akuter Bauch“ (Teil 1)

...bei plötzlichem Bauchschmerz rasch handeln!

Der Begriff „akuter Bauch“ oder lateinisch „akutes Abdomen“ wird in der Chirurgie gleichgesetzt als eine „vorläufige Bezeichnung für einen unklaren, plötzlich einsetzenden oder wiederholten Bauchschmerz, bei dem meist eine Bauchfellreizung mit Abwehrspannung der Bauchdecke vorliegt und auf grund der grundsätzlichen Gefahr lebensbedrohlicher Ursachen eine sofortige Diagnose und Therapie erfolgen muss“.

Erkennen von Warnsignalen

In der Alltagspraxis bestätigt sich immer wieder, dass die Anfangserscheinungen der häufigsten akuten Baucherkrankungen unterschätzt werden ( siehe Bild Ursachen).

Die Kardinalsymptome sind die „Warnsignale“: Schmerz, Erbrechen und Kreislaufstörungen, Weiterhin Eintrübung und Bewusstseinsstörungen, Voroperationen am Bauch, höheres Alter und Patienten, die einer sogenannten Immunsuppresison unterzogen sind (z.B. bei Krebserkrankungen)

Wenn zwei der drei Kriterien erfüllt sind, besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, dann kommt es nicht mehr darauf an eine abgesicherte, „richtige“ Krankheitsdiagnose zu stellen, sondern das Richtige möglichst schnell zu veranlassen.

Sofortmaßnahmen in der Klinik

Meist erfolgt die Einweisung in die Klinik über den Notarzt in die Rettungsstelle.

Das Management des Handels wird standardisiert (medizinische Leitlinien) vollzogen, wie es in dem nebenstehenden Bild dargestellt wurde.

Mit der schnellen Aufnahme auf der Rettungsstelle beginnen Diagnostik und Behandlungen parallel. Das Legen eines venösen Zuganges am Arm ermöglicht die sofortige Blutentnahme und die Behandlung mit Infusion. Danach folgt die gezielte medikamentöse Einflussnahme, je nach Diagnosestellung (z.B. Antibiotika, Kreislaufstabilisierung). Bei eingeschränktem Bewusstsein erfolgt die unmittelbare Einbeziehung der Angehörigen in den Informationsprozess.

Befragung des Kranken und/oder der Angehörigen (Anamnese)

Die Beschreibung des empfundenen Schmerzes mit genauem Beginn und Lokalisation am Bauch, ob rechts oder links, oben, in der Mitte oder unten. Ein kolikartiger Schmerz spricht für eine Organdurchbruch (Magen, Darm, Gallen- oder Nierenkolik, ein wellenförmiger Schmerz mit an- und abflauenden Schmerzattacken). Ein „Erschütterungsschmerz“ (beim Transport im Rettungswagen) spricht für eine Bauchfellreizung bzw. Bauchfellentzündung.

Die weiteren Fragen betreffen Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, letztem Stuhlgang, Änderung der Stuhlgewohnheiten und Stuhlbeschaffenheit.

Besonders aufmerksam sollte die Befragung von Frauen im gebärfähigen Alter erfolgen, es muss nach der Regelmäßigkeit der Menstruation (Monatsblutung), möglicher Schwangerschaft und eventueller intrauteriner Spirale gefragt werden.

Klinische Untersuchung

Ein hoher Risikofaktor stellt die erhebliche Übergewichtigkeit mit sehr „dickem Bauch und Bauchdecken“ dar, da die Schmerzlokalisation beim Untersuchen deutlich erschwert ist.

Das sofortige Erfassen der Vitalzeichen (Temperatur, Blutdruck und Herzfrequenz, der Sauerstoffsättigung des Blutes und Atemfrequenz) ist Standard.

Der schmerzgequälte Kranke zeigt häufig eine entsprechende Körperhaltung (im Liegen „angezogene“ Beine und Seitenlage).

Die Inspektion der Zunge, die Farbe des Gesichtes und der Augen (Gelbfärbung) die Beurteilung der gesamten Bauchdecke durch Betasten ohne Kleidung, das Abhören der Bauchgeräusche mit dem Stethoskop, das Ertasten von Vorwölbungen (eingeklemmte Brüche) ergeben gezielt eine Hinweis auf den maximalen Schmerzpunkt (Abwehrspannung) mit „Loslass“-Schmerz und/oder „bretthartem“ Bauch bei Bauchfellentzündung.

Laboruntersuchungen und diagnostische Bildgebung

Die Bewertung der krankhaften Veränderungen im Blut ergänzen die Bewertung der Differentialdiagnose und erhärten bei besonders „schlechten Werten“ die erforderliche Schnelligkeit zu Handeln...

Ultraschall wird zeitgleich mit der klinischen Untersuchung vorgenommen. So werden schnell Symptome wie „freie“ Flüssigkeit, mangelnde Darmtätigkeit, Gallensteine (Kolik) und „verdickter Blinddarm“ (Appendizitis) sichtbar. Goldstandard des akuten Abdomens ist die Bildgebung mit der Computertomografie (CT), regelmäßig mit Kontrastmittelverstärkung vorgenommen.

Sofortdiagnostik:

gezielte Anamnese

Untersuchung

schnelles Labor

gezielte Bildgebung:

CT mit Kontrastmittel

Gleichzeitige Stabilisierung

der Vitalfunktionen

(Atmung, Kreislauf)

Beginn der Sepsistherapie

Indikation für Notfalloperation

 

 

In Teil 2 zum Thema werden Beispiele aus dem Alltag beschrieben, die zum „akuten Abdomen“ führen.

 

Über den Autor

Dr. med. Klaus-Dieter Schiebold
Dr. med. Klaus-Dieter Schiebold

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