Erfüllung, Sinn und Anerkennung im Beruf –
auch für Quereinsteiger

Wer träumt nicht davon, einer sinnstiftenden Tätigkeit nachzugehen, bei der man menschlich viel Anerkennung zurückbekommt? Die Altenpflege bietet hier große Möglichkeiten – auch für Menschen ohne Ausbildung oder aus fachfremden Branchen. Sabine Ammon, Geschäftsführerin des Seniorenzentrums Alte Lahnbrücke in Wetzlar, schildert die vielfältigen Möglichkeiten des Ein- und Aufstiegs im Hintergrundgespräch mit unserer Zeitung.

Gesundheitskompass: Sie sagen, dass Sie auch für Menschen ohne Ausbildung in der Pflege Stellen haben. Muss man nicht zwangsläufig ausgebildete Pflegefachkraft sein, um im Seniorenbereich zu arbeiten?

Sabine Ammon: Nein, tatsächlich, das muss man nicht. Natürlich arbeiten zahlreiche examinierte Pflegefachkräfte bei uns, auch Alten- und Krankenpflegehelfer, Heilerziehungspfleger, Ergo- und Physiotherapeuten, die die wichtigen Aufgaben in der medizinischen Versorgung und Betreuung unserer Bewohner und Tagespflegegäste übernehmen. Sie sorgen für die Behandlungspflege wie Medikamenteneinnahme, Verbände wechseln, Arztvisite, fördern und mobilisieren die Senioren etc. Aber ältere Menschen brauchen neben diesen überaus wichtigen Hilfestellungen bei der körperlichen Gesundheit auch emotionale Zuwendung. Zeit für ein einfühlsames Gespräch oder einen gemeinsamen Gang durch die Wetzlarer Altstadt zu den früheren Wirkungsstätten unserer Bewohner, Kuchen backen in unserer Gemeinschaftsküche oder das Vorlesen der Zeitung – all diese Dinge werden bei uns genau so großgeschrieben wie die rein pflegerische Tätigkeit. Und diese emotionale Unterstützung kann sehr gut von Menschen gegeben werden, die - ohne pflegerischen Background – einfach Freude an der Betreuung von Senioren haben. Wer für sich entschieden hat „Die Altenpflege ist meins!“, für den besteht auch die Möglichkeit, sich zum Alltagsbegleiter nach §43b ausbilden zu lassen. Die Ausbildungsdauer beträgt ca. 8 Monate.

Gesundheitskompass: Für wen ist dieser Job als „Alltagsbegleiter“ interessant?

Sabine Ammon: Für alle Frauen und Männer, die Spaß am Kontakt mit Senioren haben, die sich für die reiche Lebenserfahrung unserer Bewohner interessieren und die den Umgang mit Menschen spannender oder auch sinnvoller empfinden als vielleicht einen Bürojob.

Gesundheitskompass: Hat man bei Ihnen als Quereinsteiger die Möglichkeit zum Aufstieg?

Sabine Ammon: Oh ja! Viele Leute wissen noch gar nicht, wie unfassbar groß die Aufstiegschancen in unserer Branche sind. Wir fördern die Aus- und Weiterbildung aller unserer Mitarbeiter. So unterstützen wir z. B. unsere Pflegeassistenten und bieten ihnen die Möglichkeit, sich zum Altenpfleger bzw. zur Altenpflegerin ausbilden lassen. Die Agentur für Arbeit unterstützt das sogar durch ihr Programm „WeGebAU“, so dass auch „ältere Semester“ mit eventuellen finanziellen Verpflichtungen sich jederzeit diese dreijährige Ausbildung erlauben können. Es ist wirklich nie zu spät für den Weg in die Altenpflege.

Gesundheitskompass: Welche Karrierechancen gibt es konkret?

Sabine Ammon: Alle Berufe in der Pflege von der Altenpflegehelferin (1 Jahr Ausbildungszeit) bis zur gerontopsychiatrischen Fachkraft können erlernt werden – und aufsteigen können Sie bis zur Pflegedienstleitung oder Einrichtungsleitung. Der Bedarf an Fachpersonal ist riesig. Alle, die wollen, haben wirklich unendliche Möglichkeiten! Und das alles in einem Beruf, in dem man wirklich so viel zurückbekommt an Wärme und Anerkennung. Ist das nicht klasse?

Gesundheitskompass: Eignet sich der Beruf auch für junge Eltern? Ich denke an den Schichtbetrieb…

Sabine Ammon: Wir haben sehr viele maßgeschneiderte, individuelle Arbeitszeitmodelle hier im Haus. Es ist uns sehr wichtig, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Beruf und ihre Familie miteinander vereinen können.

Gesundheitskompass: Würden Sie selbst den Beruf wieder ergreifen, wenn Sie heute nochmal Ihren Berufsweg starten würden?

Sabine Ammon: Unbedingt! Ich kann mir keine andere Tätigkeit für mich selbst vorstellen. Gerade unser schönes Haus hier in Wetzlar am Tor zur Altstadt mit seinen freundlichen Fensterfronten, den Rückzugsecken mit Kamin und unseren offenen Wohnküchen ist für mich der schönste Ort der Welt. Und unsere wirklich unglaublich sympathischen Bewohner und das kollegiale Miteinander im Team lassen mich jeden Morgen wieder gerne hierherfahren.

Gesundheitskompass: Danke für das Gespräch und die Einblicke in das Seniorenzentrum Alte Lahnbrücke.

Aktuelle Ausgabe4/2018