Die Bedeutung von Freundschaften für unser Leben
und die Schwierigkeiten im Umgang damit

Es gibt kaum ein Thema, das vom Kindergarten bis zum hohen Alter so eine große Bedeutung hat. Jeder wünscht sich Freunde, jeder kennt die damit verbundenen Konflikte und jeder kann ein Lied von zerbrochenen Freundschaften singen. Dabei ist auch der Umgang mit Freundschaften sehr individuell. Ob jemand viele oder wenige Freunde hat, wie lange diese Freundschaften andauern und wie man diese Freundschaften wertet, ist meist schon durch die Vorbilder im Elternhaus vorgegeben.

Die meisten Menschen, die schon im Elternhaus erlebt haben, dass ständig „Haus der offenen Tür“ war und die Eltern viele Freunde und Kontakte hatten, werden selbst in ihrem Leben auch offen gegenüber anderen Menschen sein und viele Freundschaften pflegen. Auch das eigene Bedürfnis, sich in Vereinen oder im Ehrenamt zu engagieren, wird meist schon durch diese Erfahrungen in Kindheit und Jugend geprägt. Wenn die Eltern nur wenige Kontakte hatten und sich selbst „genug waren“, gilt das häufig auch für die Kinder.

Natürlich gilt das nicht für alle, selbstverständlich gibt es auch sehr kontaktfreudige Menschen, die dies nicht im Elternhaus erlebt haben. Es gibt da auch kein richtig oder falsch, jeder muss individuell entscheiden, ob er mit wenigen, dafür aber vielleicht guten Freunden glücklich ist oder nur zufrieden ist, wenn ständig etwas los ist und man häufig viele Menschen treffen kann.

Psychologisch auffällig ist das nur, wenn jemand sich stark zurückzieht oder grundsätzlich Probleme hat, Kontakte zu knüpfen, vielleicht sogar zum Einzelgänger wird. Dann spricht man auch von sozialen Phobien, das heißt dieser Mensch leidet unter seiner mangelnden Fähigkeit, mit anderen in Kontakt zu treten. Dabei kann eine Therapie gute Hilfe leisten.

Auch der Umgang mit Freundschaften ist häufig Gegenstand von therapeutischen Sitzungen. Dabei spielen oft Erwartungen eine Rolle, die man an den anderen hat. Häufig ist es ein schmaler Grat, nicht zu hohe Ansprüche zu haben, aber auch zu erkennen, wann man eine Freundschaft besser beendet. Hilfreich ist es natürlich immer, bestehende Konflikte auch anzusprechen, der konstruktive Umgang mit Konflikten sagt immer auch etwas über die Festigkeit der Freundschaft aus. Viele Menschen erkennen auch erst bei persönlichen Krisen, welche Freunde wirklich für sie da sind und welche „Freunde“ doch nur Bekannte sind. Das sollte man nicht als persönliche Kränkung sehen, sondern als Gelegenheit, mal mit dem eigenen Leben „aufzuräumen“.

Als Fazit kann man sagen, es ist toll, Freunde zu haben, man muss nicht mit allen Freunden alles machen können und nicht alle Freundschaften halten lebenslang- das ist ein Geschenk, das nicht alle Menschen haben. Aber Freundschaften und auch Bekanntschaften erweitern immer den Horizont und verschönern das Leben!

Über den Autor

Dr. Kerstin Büring
Dr. Kerstin Büring
Psychotherapie, Wetzlar
Aktuelle Ausgabe4/2018