Über die Beziehung zwischen Emotionen,
Atmung und Gesundheit

Die Atmung eine lebenswichtige Funktion. Das Zwerchfell ist dafür der Hauptmuskel. Der muskulöse Anteil des Zwerch­fells wird nach dem Ursprung in drei Anteile untergliedert: Len­den-, Brustbein- und Rippenteil. Alle drei Anteile enden in einer gemeinsamen Sehnenplatte (Centrum tendineum), die aus den miteinander verflochtenen Sehnenfasern entsteht. Der Lendenteil (Pars lumbalis) entspringt an der Bauchseite (ventral) der Lendenwirbelsäule. Der Lendenteil grenzt seit­lich an den Rippenteil. Der Rippenteil grenzt bauchseitig am Brustbein. Beim Einatmen senkt sich das Zwerchfell, das Vo­lumen der Lunge nimmt also zu und beim Ausatmen hebt sich das Zwerchfell wieder und das Volumen der Lunge nimmt ab.

Die Zwischenrippenmuskeln (Interkostalmuskeln) liegen in zwei Schichten übereinander und sind beim Ein- und Ausat­men für die Beweglichkeit des Brustkorbs verantwortlich.

Wobei die obere äußere Muskelschicht sich bei der Einat­mung zusammenzieht (kontrahiert) und den Brustkorb an­hebt. Die innere Muskulaturgruppe zwischen den Rippen ist im normalen Zustand entspannt – die Ausatmung geschieht von selbst, lediglich beim Lachen bei Aufregung oder An­strengung wie sportlicher Betätigung zieht sie sich bei der Ausatmung zusammen (kontrahiert) und senkt den Brustkorb wieder ab.

Die Atmung wird durch Befindlichkeiten wie Schmerz, Ärger oder auch Freude beeinflusst:

Bei Unwohlsein bewirkt unser sympathisches Nervensystem eine Veränderung des Atemrhythmus und Atemtiefe. Diese dem Bewusstsein nicht willentliche Atmung wird häufig auch zur Unterdrückung von unangenehmen Gefühlen und zur Lin­derung von Schmerzzuständen eingesetzt. Tiefes Durchatmen dagegen wirkt entspannend.

Je flacher die Atmung, desto höher ist die Atemfrequenz und in der Regel auch die Herz­frequenz:

So beträgt das Verhältnis von Atmung und Herzschlag im Ru­hezustand oder im Schlaf 1:4. Das heißt, bei 15-20 Atemzügen pro Minute erfolgen rund 60-80 Herzschläge.

Wie verändert sich die Atmung bei körperlicher Anstrengung?

Bei körperlicher Anstrengung oder unter Belastung erhöht sich die Anzahl der Atemzüge bis zu 30. Durch schnelleres Atmen beschleunigt sich somit automatisch unser Herzschlag. Im Umkehrschluss verlangsamt sich der Herzschlag bei lang­samer Atmung.

Wie wirkt sich die Atmung bei Stress z.B. Schmerzen aus:

Wie bereits erwähnt ist bei Stress die Ein- und Ausatmung oberflächlich, kurz und schnell. Das heißt es wird nur ein Teil der Lunge belüftet. Durch dieses verspannte Atmen ist bei vielen Menschen zudem die Bauchmuskulatur verkrampft. Dadurch können sich weitere Beschwerden wie Bauch-, Ma­gen- oder Darmschmerzen entwickeln. Häufig entstehen auch Probleme und Schmerzen im unteren Rücken oder im Be­ckenbodenbereich durch Verspannung der entsprechenden Muskulaturgruppe. Hält diese Fehlatmung und die damit einhergehende Körperhaltung über Jahre an empfindet der Mensch oft nicht mehr die Muskelverspannung und damit die veränderte Haltung, er hat sich adaptiert.

Für den erfahrenen Therapeuten sind diese Menschen mit eingeschränkter Atemhaltung häufig von außen erkennbar.

Die Klassische Fehlatmung zeigt:

• eine flache Brustatmung

• das Hochziehen des Schultergürtels

• ein relativ eingezogenes Brustbein

• eine verstärkt runde Brustwirbelsäule (Kyphose)

• eine nach vorne gestellte Kopfhaltung

Die Folge dieser Atmung können sein:

Die Lunge betreffend:

  • Erkrankung der Atemwege (Husten) durch geringere Belüf­tung der Lunge (Lungenbläschen bzw. Alveolen)
  • Druck auf der Brust und Engegefühl im Brustkorb
  • Evtl. zu Bronchitis neigend

Das System Körper betreffend:

  • Durch die ständige Unterversorgung des Körpers von Sau­erstoff führt dies zu Müdigkeit und Kopfschmerzen
  • Nackenschmerzen durch verstärkte Muskelverspannun­gen
  • Schultergelenksfehlstellung und -schmerzen durch Verkür­zung der kleinen Brustmuskeln.
  • Eine belastende Körperhaltung im Beckenbereich durch die Verkürzung der vorderen Muskulaturgruppe; dadurch sind frühzeitig beginnende Gelenkprobleme möglich z. B. der unteren Lendenwirbelsäule oder Hüft­gelenke.

Therapiemöglichkeiten:

Eine Kombinationsbehandlung eines Atemtherapeuten mit Osteopathie ist gegeben, um zügig den physiologischen Atemrhythmus und Körperhaltung wiederherzustellen. Nicht zu vergessen ist das dann gewonnene Wohlempfinden der Patienten. Sie fühlen sich erleichtert und berichten als wäre eine Last von den Schultern und das geschnürte Korsett von dem Brustkorb abgenommen.

(1) Von Henry Gray (1918) Anatomy of the Human Body (See "Buch" section below)Bartleby.com: Gray's Anatomy, Tafel 391, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=607912

 

 

Über den Autor

Claudia Agne

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Aktuelle Ausgabe4/2018