Es juckt, es brennt - was hilft?

Das kennt wohl jede Frau: Aus heiterem Himmel tritt plötzlich an den Schamlippen ein quälender Juckreiz auf. Gerne am Wochenende, wenn die meisten frauenärztlichen Praxen nicht erreichbar sind. Da tut schnelle Hilfe not (vgl. den untenstehenden Tipp). Lassen Sie uns zunächst nach den möglichen Ursachen für die Beschwerden schauen, denn nach Möglichkeit sollte eine gezielte Behandlung erfolgen. Vor die Therapie haben die Götter die Diagnose gesetzt...

Ursachen des Juckreizes

Meist liegt dem Juckreiz eine Entzündung zugrunde. Es gibt eine Reihe Studien die zeigen, daß für wenigstens 80% der Scheidenentzündungen Pilze oder bestimmte Bakterien verantwortlich zeichnen. Viele Frauen gehen davon aus, daß eine Pilzinfektion (Soorkolpitis) ursächlich ist und besorgen sich in der Apotheke eine Pilzcreme, idealerweise in Kombination mit Scheidenzäpfchen. Dagegen spricht primär nichts, spätestens aber wenn die Beschwerden wiederkehren sollte frau ihre Frauenärztin/ihren Frauenarzt aufsuchen. Immer wieder erleben wir, daß die Scheidenhaut durch kurzfristig wiederholte Selbsthandlungen komplett austrocknet und geschädigt wird.

Prinzipiell unterscheiden müssen wir bei Juckreiz, ob er vor oder nach den Wechseljahren auftritt. Nach den Wechseljahren sollte in jedem Fall eine frauenärztliche Untersuchung erfolgen, da es eine Reihe anderer Ursachen für den Juckreiz geben kann, das führen wir später weiter aus.

Pilzinfektion und Bakterielle Entzündung

Leidet eine junge Frau vor den Wechseljahren an Juckreiz liegt zumeist eine harmlose Entzündung zugrunde. Candida albicans heißen die Pilze, die die meisten harmlosen aber nichts desto weniger juckenden Entzündungen verursachen. Diese lassen sich mit Clotrimazol Creme oder Scheidenzäpfchen gut behandeln. Doch auch hier gibt es weitere Pilzarten, die auf Clotrimazol nicht gut reagieren, zum Beispiel Candida glabrata. Diese müssen dann mit rezeptpflichtigen Tabletten behandelt werden.

Fällt neben dem Juckreiz oder einem Brennen im Intimbereich ein unangenehmer Geruch auf, besteht eine bakterielle Entzündung, die mit lokal schonend desinfizierend wirkenden Scheidenzäpfchen, oder einem lokal als Scheidenzäpfchen wirkenden Antibiotikum behandelt wird. Andere bakterielle Entzündungen rufen aber auch "nur" Schmerzen, ohne Juckreiz hervor.

Sofort bei der Frauenärztin/beim Frauenarzt sollte eine Entzündung bei schwangeren Frauen behandelt werden, da diese Entzündungen zum Gebärmutterhals aufsteigen und vorzeitige Wehentätigkeit oder einen Blasensprung auslösen können.

Sofortdiagnose mit dem Mikroskop

Diagnostiziert wird eine Scheidenentzündung durch einen Abstrich, der direkt unter dem Mikroskop angeschaut wird. Normalerweise finden sich bei diesem Abstrich unauffällige Scheidenzellen und Doederlein´sche Milchsäurebakterien (s. Abb. 1).

Abb. 1: Unauffälliger nativzytologischer Abstrich
 

Die Abbildung 2 zeigt entzündliche Veränderungen.

Abb. 2: Nativzytologischer Abstrich mit Pilz und bakterieller Infektion

Sollten Juckreiz und Brennen bei einer Pilzinfektion (Soorkolpitis) häufiger vorkommen oder nach der lokalen Behandlung gleich wieder auftreten, muß eine rezeptpflichtige, bisweilen auch mehrtägige Tabletten-Behandlung nach entsprechender Abstrichdiagnostik in der gynäkologischen Praxis durchgeführt werden.

Damit hätten wir die häufigsten Entzündungen besprochen. Es gibt aber noch eine ganze Reihe weiterer Infektionen, die hauptsächlich über den Geschlechtsverkehr übertragen werden.

Weitere Ursachen für Genitalinfektionen

Als Viruserkrankung, die im Genitalbereich Beschwerden hervorruft, ist vor allem die Herpes genitalis Infektion zu nennen. Zunächst entstehen Bläschen, die sich schnell eröffnen (die Flüssigkeit ist hoch infektiös), daraus entwickeln sich offene Stellen, sog. Ulcera, die sehr schmerzhaft sind. In die Sprechstunde kommen betroffene Frauen wegen eines starken Brennens. Bisweilen ist das Brennen so schlimm, daß die Frauen ihre Harnblase nicht mehr entleeren können (Harnverhalt) und eine stationäre Behandlung mit Einlage eines Harnblasenkatheters erfolgen muß. Behandelt werden muss immer mit Aciclovir-Tabletten. In ganz schweren Fällen muss das Aciclovir sogar intravenös gegeben werden.

Ebenfalls Juckreiz ruft auch die mittlerweile in unseren Breiten selten gewordene Trichomoniasis hervor. Sie zählt zu den parasitären sexuell übertragbaren Erkrankungen, wie auch der Läusebefall (Pediculosis) und die Krätze (Skabies). Trichomonaden verursachen häufig einen grün-gelblichen Ausfluß, verbunden mit brennenden Schmerzen, vor allem auch beim Wasserlassen. Am besten werden diese ebenfalls direkt unter dem Mikroskop der Frauenärztin/des Frauenarztes diagnostiziert. Sie fallen durch eine lebhafte Bewegung ihrer vier Geiseln (vgl. Abb. 3) auf.

 

Abb. 3: Nativzytologischer Abstrich einer Trichomonade. Zum Größenvergleich sieht man noch ein rotes und weißes Blutkörperchen.

Gerade bei wiederkehrenden oder unter Therapie weiterbestehenden Beschwerden sollte umgehend eine Frauenärztin/ein Frauenarzt aufgesucht werden, um seltenere Infektionen (Gonorrhoe, Syphilis u.a.) oder ernsthafte Erkrankungen nicht zu verschleppen. Insbesondere bakterielle Infektionen müssen konsequent behandelt werden, um ein weiteres Aufsteigen über die Gebärmutter zum Eileiter (Eileiterentzündung) zu vermeiden.

Vorbeugung weitere Scheidenentzündungen

Wesentlich nach einer Infektionsbehandlung ist der Aufbau eines gesunden Scheidenmilieus mit Milchsäurebakterien, um ein Wiederauftreten von Infektionen zu vermeiden. Diese gibt es in Zäpfchenform. In ganz hartnäckigen Fällen kann auch eine Impfung helfen.

Nach den Wechseljahren

Frauen nach den Wechseljahren mit Juckreiz begeben sich am besten sofort zu ihrer Gynäkologin/ihrem Gynäkologen. Bedingt durch den Östrogenmangel nach den Wechseljahren kann eine Hauterkrankung eintreten, die mit Schrumpfung der Haut einhergeht, der sog. Lichen sclerosus. Auf die so vorgeschädigte Haut pfropft sich zwar gerne eine bakterielle oder Pilzinfektion auf, die Behandlung der Entzündung alleine reicht aber nicht aus, da das Grundproblem der Hauterkrankung, die alleine schon einen quälenden Juckreiz auslösen kann, weiterbestehen bleibt. Deshalb wird hier zunächst gezielt die Infektion behandelt, zwingend im Anschluß muß sich jedoch eine Behandlung des Lichen anschließen. Außerdem könnte der Juckreiz auch durch eine bösartige Erkrankung oder deren Vorstufen verursacht sein.

TIP:

Gerade wenn am Wochenende ein Juckreiz auftritt ist ein wirksames Präparat häufig nicht vorhanden. Linderung verschafft oft ein einfaches Hausmittel: Stellen Sie Joghurt in den Kühlschrank, nach Möglichkeit einen naturbelassenen, nicht pasteurisierten Joghurt, der noch über Milchsäurebakterien verfügt. In diesen Joghurt geben sie für 20 Minuten die kleinsten Tampons (z.B. o.b. mini) und führen die mit dem Joghurt getränkten Tampons in die Scheide ein. Das verschafft fast ausnahmslos eine deutliche Linderung der Beschwerden, beseitigt in der Regel aber nicht den Infekt. Der muß dann später gezielt angegangen werden.

Verwandt mit den Beschwerden im Genitalbereich ist oft auch ein Ausfluß, dieser kann jedoch auch ganz anderen, nicht infektiösen Ursprungs sein, doch darüber werden wir Sie in der nächsten Ausgabe des Gesundheitskompaß informieren, ebenso wie über die aufsteigende Infektion einer Eileiterentzündung und warum diese dramatische Folgen haben kann.

Über den Autor

Assem Hossein, Constance Scholl, Dr. med. Axel Valet,
Assem Hossein, Constance Scholl, Dr. med. Axel Valet,
Fachärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Lahn-Dill-Kliniken, Dillenburg

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Aktuelle Ausgabe4/2018