Lebererkrankungen -
die frühe Diagnose ist entscheidend

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden an einer Erkrankung der Leber, die bei Männern im mittleren Lebensalter inzwischen sogar die dritthäufigste Todesursache ist. Bei mehr als 10 Millionen Erwachsenen sind die Leberwerte und damit auch das Risiko für die Entwicklung einer Lebererkrankung erhöht. Bei früher Diagnose und rechtzeitiger Therapie könnten Spätfolgen wie z.B. Leberzirrhose und Leberzellkrebs in vielen Fällen verhindert werden, weshalb die Leberwerte vor allem bei zusätzlichen Risikofaktoren wie Übergewicht und Adipositas, chronischer Alkoholkonsum oder bei Einnahme von bestimmten Medikamenten regelmäßig kontrolliert werden sollten, empfiehlt Dr. Huber, der auf ein Vierteljahrhundert Erfahrung in der Diagnose und Behandlung von Lebererkrankungen zurückblicken kann.

Die Leber leidet über lange Zeit still vor sich hin und kann einiges aushalten, erläutert der Experte Huber, da richtig typische Beschwerden und Symptome in Frühstadien entweder gar nicht oder oft nur schwer zu erkennen sind. Als einziges Organ verfügt die Leber außerdem über eine einzigartige Regenerationsfähigkeit und über so viele Reserven, dass bereits ein Drittel der Leber zum Überleben ausreicht, sofern die Funktion intakt ist. Am häufigsten werden in Frühstadien noch Müdigkeit, Schlafstörungen und Juckreiz als Symptome angegeben.

Der einfachste Such-Test zur Früherkennung einer Leberschädigung ist die Bestimmung der Leberwerte, vor allem der sog. Transaminasen GPT (ALT) und GOT (AST), wobei der GPT eine größere Bedeutung zukommt als der GOT. Kurzzeitig und geringfügig erhöhte Leberwerte können Zeichen einer Infektion oder einer Überlastung durch Gifte sein. Sind die Transaminasen jedoch über Wochen und Monate um mehr als das 3-fache erhöht und zeigen womöglich noch eine ansteigende Tendenz, sollte eine Ursachenabklärung erfolgen. Bei fortschreitendem Verlauf und fehlender Therapie kommt es zur langsamen Zerstörung der Leber, so dass im Endstadium oft nur die Lebertransplantation als einziger Ausweg bleibt.

Dabei könnten bei frühzeitiger Diagnose viele Lebererkrankungen erfolgreich behandelt oder sogar geheilt werden. Bei der Hepatitis B kann durch eine antivirale Therapie das Voranschreiten der Krankheit wirksam verhindert werden. Seit 2014 sind die Heilungschancen bei der Hepatitis C durch neue Medikamente bis auf 96% gestiegen, erläutert Dr. Huber, der 2003 assoziiertes Mitglied im „Kompetenznetz Hepatitis“ wurde und seit 2008 assoziierter Arzt der „Deutschen Leberstiftung“ ist (aus dem Kompetenznetz hervorgegangen), einem Netzwerk von Experten aus verschiedenen Bereichen, die sich mit der Leber und den Erkrankungen der Leber beschäftigen, um die Heilungschancen und die Lebensqualität von Erkrankten zu verbessern. Durch ständig aktualisierte Informationen über die neusten Studienergebnisse und Entwicklungen ist es möglich, auf dem aktuellen Stand zu bleiben.

Die am weitesten verbreitete Lebererkrankung in Deutschland ist allerdings die sogenannte „Nicht-alkoholische Fettleber“, die inzwischen bei 30% der Bevölkerung mit weiter ansteigender Tendenz vorliegt und sich unter dem Einfluss der Risikofaktoren Adipositas/Übergewicht, Bewegungsmangel und unausgewogener Ernährung entwickelt. Die zweite Form der Fettleber ist die sogenannte „Alkoholische Fettleber“, die durch übermäßigen Alkoholkonsum entsteht. Bei Frauen gelten 10 Gramm Alkohol pro Tag als unschädlich für die (gesunde) Leber, was etwa einem Viertel Liter Bier oder einem Achtel Liter Wein entspricht. Für Männer gilt die doppelte Menge als Grenzwert. Liegen gleichzeitig Risiken wie Diabetes mellitus oder eine Fettstoffwechselstörung vor, wird die Entwicklung einer Fettleber zusätzlich begünstigt.

Das Ziel muss sein, Lebererkrankungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu behandeln, um Spätfolgen wie die Leberzirrhose mit Folgekomplikationen oder Leberzellkrebs zu verhindern. So kann sich z.B. die Fettleber vollständig zurückbilden, wenn man die Ursachen rechtzeitig ausschaltet. Ein anderes Beispiel ist die „Eisenspeicherkrankheit“ (Hämochromatose), die häufigste genetisch induzierte Lebererkrankung, bei der über Jahre und Jahrzehnte zu viel Eisen im Körper gespeichert wird, was ab einer bestimmten Menge zur Schädigung vieler Organe (u.a. der Leber) führt. Bei frühzeitiger Diagnose wäre die Entwicklung zur Leberzirrhose durch eine gezielte Entleerung der erhöhten Eisenspeicher im Körper mittels Durchführung regelmäßiger Aderlässe und eine medikamentöse Therapie leicht zu verhindern, erklärt Dr. Huber.

Häufige Ursachen erhöhter Leberwerte sind natürlich auch Medikamente wie z.B. Paracetamol, Schmerzmittel und Antibiotika. Hinsichtlich der regelhaft aufkommenden Frage nach einem eventuellen Zusammenhang zwischen einem bestimmten Medikament und einer aufgefallenen, bisher bei diesem Medikament jedoch nicht beschriebenen Erhöhung der Leberwerte bleibt für den Experten Huber die Erkenntnis, dass er jedem Medikament alles zutraut.

Über den Autor

Dr. med. Jürgen Huber
Dr. med. Jürgen Huber
Facharzt für Innere Medizin/Intensivmedizin
Oberarzt Abteilung Innere Medizin
Asklepios Klinik Lich
Aktuelle Ausgabe4/2018