Minimalinvasive Schlüssellochchirurgie bei Dick- und Enddarmkrebs

Die laparoskopische Schlüssellochchirurgie nimmt bei chirurgischen Erkrankungen des Bauchraums eine immer wichtigere Stellung ein, da neben dem häufig genannten kosmetischen Aspekt (der Eingriff erfolgt über einen kleinen Hautschnitt) vor allem eine raschere Genesung und Erholung des Patienten möglich wird. Während früher vor allem Eingriffe wie die Gallenblasen- oder Blinddarmentfernung mit dieser Methode durchgeführt wurden, können heute auch größere Krebsoperationen bei Dickdarm- und auch tiefsitzendem Enddarmkrebs mit sehr gutem Behandlungsergebnis minimal-invasiv operiert werden. Die Patienten benötigen dabei postoperativ weniger Schmerzmittel, können zügiger kostaufgebaut werden, sind schneller mobil und haben einen kürzeren stationären Aufenthalt im Krankenhaus. Auch das Risiko eines Narbenbruchs im mittel- bis längerfristigen Verlauf ist in der Gruppe der laparoskopisch operierten Patienten aufgrund der deutlich kleineren Schnitte geringer.

Da das Darmkrebszentrum Mittelhessen diese für den Patienten schonende Technik konsequent umgesetzt und als Behandlungsstandard definiert hat, war es nur folgerichtig, dass diese Thematik im Darmkrebsmonat März in einer Veranstaltung des Klinikums Wetzlar im März 2018 näher beleuchtet wurde. Eine Vielzahl von Ärzten aus verschiedenen Fachdisziplinen folgte dabei den Ausführungen von Priv.-Doz. Dr. Frank Ulrich, der als Leiter des Darmkrebszentrums die Vorteile aus chirurgischer Sicht und die wissenschaftlichen Belege für diese Technik näher beleuchtete. Er betonte dabei die hervorragende Übersicht und die dadurch verbesserte Präzision der Operation, die durch die aktuelle Kameratechnologie auch in der engen Beckenregion zum Beispiel bei tiefsitzendem Enddarmkrebs möglich ist. Dabei konnten viele große Studien wie die COLOR I und II-Studie aus Europa, die CLASSIC-Studie aus Großbritannien und die COREAN-Studie aus Asien belegen, dass die onkologischen Langzeitergebnisse der Schlüssellochchirurgie klar mit der offenen Schnittoperation vergleichbar sind. Dabei haben Patienten mit einer minimal-invasiven Operation neben den bereits oben genannten Vorteilen einen geringeren Blutverlust und benötigen aufgrund der geringeren postoperativen Schmerzen deutlich seltener eine rückenmarksnahe Schmerztherapie. Eine Studie aus den Niederlanden konnte dabei belegen, dass auch die postoperative Entzündungsreaktion bei minimal-invasiven Eingriffen geringer ausfällt.

Patienten mit Dick- und Enddarmkrebs sollten aufgrund der gestiegenen Anforderungen an eine moderne Therapie in zertifizierten Darmkrebszentren behandelt und operiert werden, da hier die Deutsche Krebsgesellschaft durch regelmäßige Überprüfungen die Behandlungsqualität der jeweiligen Klinik überprüft und eine entsprechende Fallzahl und Erfahrung mit dem spezifischen Krankheitsbild vorliegt. Darüber hinaus verfügen derartige Zentren wie in Wetzlar über alle notwendigen Fachabteilungen für eine erfolgreiche Krebstherapie, da neben der Chirurgie auch die Onkologie, Gastroenterologie, Strahlentherapie und die Radiologie integraler Bestandteil des Behandlungserfolges sind.

In einem zweiten Vortrag der Veranstaltung berichtete Prof. Dr. Jörg Trojan, Leiter des Schwerpunkts Gastrointestinale Onkologie am Universitätsklinikum Frankfurt, über aktuellste Entwicklungen auf dem Gebiet moderner Chemotherapien bei Darmkrebs. Dabei haben sich die heutzutage zu erzielenden Ergebnisse selbst bei Patienten mit Tochtergeschwülsten relevant verbessert. Die medikamentöse Tumortherapie wird dabei sehr viel individueller auf den jeweiligen Patienten angepasst.

Die Lahn-Dill-Kliniken setzen in ihrem zertifizierten Darmkrebszentrum weiter auf eine konsequente Umsetzung neuer Techniken und deren apparative Voraussetzungen. Voraussichtlich im Oktober 2018 wird daher im Rahmen des OP-Neubaus am Klinikum Wetzlar ein integrierter minimal-invasiver Operationssaal eröffnet, der neben der neuesten 3D-Technik und speziellen Monitor- und Beleuchtungsoptionen eine zentrale Steuerung von Geräten, Licht und Bildsteuerung ermöglicht.

Termine zur spezifischen Beratung und Therapieplanung in unserer kolorektalen Spezialsprechstunde oder der Privatsprechstunde werden zeitnah und direkt über das Sekretariat der Allgemeinen, Viszeralen und Onkologischen Chirurgie vergeben.

Über den Autor

Dr. med. Frank Ulrich
Dr. med. Frank Ulrich
Chefarzt des Zentrums für Allgemeine, Viszerale und Onkologische Chirurgie
Lahn-Dill-Kliniken Wetzlar
Aktuelle Ausgabe4/2018