Eisenmangel –
Eine der häufigsten Mangelerkrankung beim Menschen

Bei einem Eisenmangel wird die Funktion der Bildung der roten Blutkörperchen am längsten aufrechterhalten, während der Organismus bereits nach kurzer Zeit viele andere Funktionen „auf Sparflamme“ fährt. Typische Symptome für das Eisenmangelsyndrom sind Erschöpfungszustände, depressive Verstimmungen, Nacken- und Kopfschmerzen, Schlafprobleme, Konzentrationsstörungen, Schwindel und Haarausfall. Kommt eine Anämie (Blutarmut) hinzu, kann es zusätzlich noch zu Atemnot, Blässe und Zyanose (eine violette bis bläuliche Verfärbung der Haut, der Schleimhäute, der Lippen und der Fingernägel bedingt durch Sauerstoffmangel im Blut) kommen.

Für die Diagnostik eines Eisenmangelsyndroms steht im Labor die Blutuntersuchung an vorderster Front. Anhand von nur wenigen ausgewählten Laborparametern (Blutbild inkl. Retikulozyten-Hb, Ferritin, Transferrin inkl. Transferrinsättigung, löslicher Transferrinrezeptor, CRP, Eisen) kann die Eisenversorgung und Eisenverwertung des Organismus in hohem Maße bestimmt werden.

An ersten Stelle steht hierbei die Untersuchung des Blutbildes einschließlich der Bestimmung der sog. Retikulozyten (junge, noch nicht ausgereifte rote Blutkörperchen) mit ihrem Hämoglobingehalt (Menge an rotem Blutfarbstoff). Um einen Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) zu beseitigen, setzt der Körper seine Reserven aus dem Knochenmark frei. Stehen nicht genügend Erythrozyten zur Verfügung, werden die Retikulozyten ausgeschwemmt. Der Parameter Retikulozyten-Hämoglobin gibt den Hämoglobingehalt (Bindungsstelle für Sauerstoff) der Retikulozyten an. Er ist ein nützlicher Parameter für die Diagnose und Therapiekontrolle bei Eisenmangelanämie, weil er die aktuelle Bioverfügbarkeit von Eisen für die Blutbildung anzeigt.

Ein weiterer, sehr wichtiger Laborparameter ist Ferritin. Es handelt sich hierbei um einen Eiweißstoff, der für die Speicherung des Eisens in der Zelle verantwortlich ist. Liegen jedoch irgendwo im Körper Entzündungen vor, ist der Ferritin-Wert sehr häufig ebenfalls erhöht und nur eingeschränkt für die Beurteilung der Menge an Speichereisen aussagefähig. Daher sollte das C-reaktive Protein (CRP) als Entzündungsmarker gleichzeitig mitbestimmt werden.

In einigen Fällen kann auch die Bestimmung des Transferrins (Transporteiweiß für Eisen) sinnvoll sein. Dieses Eiweiß transportiert das vom Darm aufgenommene Eisen zu den Verbrauchs- und Speicherorten im Körper. Liegt eine verminderte Sättigung mit Eisen vor, kann dies auf eine mangelnde Eisenversorgung hinweisen. Aber auch dieser Marker ist bei Entzündungen im Körper häufig erhöht und damit nur eingeschränkt aussagefähig.

Man hat daher nach Möglichkeiten gesucht, um auch bei Entzündungen, Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Nieren-, Leber und Darmerkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion, Tumorerkrankungen oder bei Frauen, die Kontrazeptiva einnehmen, verlässlich den Eisenbedarf im Körper ermitteln zu können.

Mit dem löslichen Transferrinrezeptor (sTfR) ist jetzt ein neuer Marker vorhanden, der den Status des Bedarfs an Gewebeeisen sehr gut widerspiegelt. Der Transferrinrezeptor auf der Zelloberfläche sorgt für die zelluläre Aufnahme von Eisen und wird bei Eisenmangel oder gesteigerter Blutbildung vermehrt gebildet. Hohe Werte des löslichen Transferrinrezeptors zeigen daher einen Eisenmangel der Blutbildung unabhängig von einer etwaigen Entzündungsreaktion an. Aus der Kombination der Parameter Retikulozyten-Hämoglobin, Ferritin bzw. Ferritin-Index, CRP und löslichem Transferrinrezeptor kann man heute sehr gut die Eisenversorgungsituation des Organismus beurteilen. Unabhängig von Entzündungen oder den oben aufgeführten Erkrankungen kann durch Verwendung der o.g. Parameter in dem sogenannten Thomas-Plots z.B. der Verlauf einer Therapie mit Eisen gezielt überwacht oder der Therapieerfolg über einen längeren Zeitraum mit einem Blick wahrgenommen werden. Auch eine Unterscheidung von funktionellem Eisenmangel und Eisenverwertungsstörung ist möglich.

Folgende Erkrankungen inkl. Therapien sind mittels der o.g. Parameter und der Darstellung im Thomas-Plot sehr gut diagnostizierbar bzw. können sehr gut überwacht werden:

Eisenmangelanämie, Speichereisenmangel, Verlaufskontrolle bei oraler Eisentherapie, Eisenüberladung, Tumorerkrankungen, Überwachung von Risikogruppen für Eisenmangel (Schwangere, Blutspender, Kleinkinder) und Patienten unter Erythropoese stimulierenden Agentien (ESA) z.B. Dialyse-Patienten.

Eine Bestimmung des Eisenspiegels im Serum zur Diagnose eines Eisenmangels wird heute nicht mehr durchgeführt, sondern lediglich zur Berechnung der Transferrinsättigung.

Über den Autor

Dr. Thea Riedel
Fachärztin für Laboratoriumsmedizin und Transfusionsmedizin
Aktuelle Ausgabe4/2018