Verspannungen im Kiefergelenksbereich
(Bruxismus / Zähneknirschen)

Auch wenn wir Menschen uns als Krone der Schöpfung verstehen unterscheiden sich die Reaktionen unserer Körper oft kaum von denen unserer evolutionären Vorfahren.

Zum Beispiel: Tiere die sich in Gefahr befinden,

also plötzlichem Stress ausgesetzt sind, zeigen zuerst Anspannungsreaktio­nen der Augenmuskulatur, dann der Kau- und Nackenmuskulatur. Das ist typi­sch sowohl für Angriffs- als auch Fluchtverhalten. Nach der Stresssituation löst sich die Anspannung wieder.

Wie verhält sich der Mensch bei Verspannung?

Wir Menschen reagieren auf Stress sehr unterschiedlich. Meistens stellen sich Muskelverspannungen ein indem wir die Hals-, Nacken- oder die Rückenmuskulatur anspannen oder auch die Zähne aneinandergepresst werden. Der Spannungszustand der Kiefergelenke überträgt sich meist auf die gesamte Körperkonstitution.

Das gesunde Kiefergelenk

Die Zähne sowie die Kiefergelenke mit Muskeln und Sehnen sind im Wesentlichen dafür gebaut um unser Essen zu zerkleinern. Die restliche Zeit berühren sie sich nicht und befinden sich meist in einem Ab­stand von 2-5 mm. Stärker oder länger anhaltender Druck muss auf Dauer als Belastung betrach­tet werden. Beim nächtlichen Zähneknirschen werden Druckstärken von oft 80-100 kp je Quadratzentime­ter Zahnfläche aufgewandt.

Wie ist der Vorgang bei der Verspannung?

Die Zähne werden abgerieben, manchmal bis hinunter auf Zahnfleischhöhe. Durch die Beschädigung der Zähne passt der Biss nicht mehr. Dadurch kommt es an den Kiefergelenken zu zusätzlichen Fehlbelastun­gen. Die Überspannung der Kaumuskeln breitet sich in andere Muskelgruppen aus und es kommt zu Problemen in den Kiefergelenken der Gesichts-, Kau- und Nackenmuskulatur. Durch Verspannungen, die auch die Blutversorgungen behindern, entstehen oft Kopfschmer­zen bis hin zu Rückenproblemen und Haltungsfehlern.

Was ist der Grund dieser Verspannungen?

Die meisten unserer Regulationsvorgänge verlaufen im Unbe­wussten. Fühlen wir uns überfordert, reagieren die einen mit Magenschmerzen andere mit Muskelverspannungen.

Von der verspannten zur entspannten Muskulatur

Stressbewältigung beginnt zunächst mit der Wahrnehmung des Körpers; hier speziell des Kiefers und der Kiefergelenksmuskulatur. Auch problembearbeitungsunterstützende Maßnahmen können ergriffen werden.

Welche Maßnahmen sind sinnvoll:

Vor der Selbstbehandlung sollte der Arzt bzw. Zahnarzt aufgesucht werden, der Grund für Kiefergelenksschmerzen könnten auch andere Ursachen haben. Oft verordnet der Zahnarzt eine Schiene, die Auswahl davon ist sehr vielfältig.

Manuelle Therapie

Zu der Möglichkeit einer Manuellen Therapie gehören die Osteopathie, Logopädie, Physiotherapie sowie eine Kombinationstherapie von Faszienbehandlung und feiner Gelenkmobilisation.

Hilfreich sind auch:

Eine Linderung der Beschwerden kann durch die Anwendung von Wärme- oder Kälteapplikation erreicht werden. Ist die Gelenkkapsel entzündet wird ein kalter Umschlag das Geschehen verbessern. Sind die Muskelfasern chronisch verspannt, hilft meist eine Wärmetherapie wie Wärmflasche, Dinkelkis­sen oder ähnliches.
In den einfachen Fällen können Entspannungstechniken wie Progressive Muskelrelaxation nach Jacob­sen, spezielle Zilgreiübungen, Meditation oder Autogenes Training helfen.

Über den Autor

Claudia Agne

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Aktuelle Ausgabe4/2018