Physiotherapie für Parkinson Teil III

Trampolin-Training (neudeutsch "Rebounding")

Auch das Hüpfen auf dem Trampolin - ein Spiel mit der Schwerkraft - ist aktuell unter Patienten sehr beliebt. Kondition, Kraft, Balance, Gleichgewicht und Beweglichkeit werden trainiert. Große Sprünge sind nicht nötig, sanftes Auf- und Abfedern reicht, fast sämtliche Muskeln werden ge- und entspannt, Gelenke und Bänder werden geschont. Durch die erhöhte Atemtiefe werden Stoffwechsel und Sauerstoffversorgung in den Zellen angeregt, das Gewebe wird gestrafft, die Knochendichte verbessert und der Lymphabfluss wird stimuliert. Obwohl es nur Einzelfallbeschreibungen, aber keine mir bekannten evidenzbasierten Studien mit Parkinson-Patienten gibt, berichten einige Patienten über spürbare Erfolge (Gangsicherheit, Schmerzen, Stimmungslage), wenn sie täglich 5 bis 10 Minuten auf dem Trampolin üben. Wichtig sind die Auswahl des richtigen Trampolins und eventuell die Möglichkeit, sich dabei festzuhalten. Ganz aktuell ist das Trampolin Work-Out oder Techno-Trampolin Work-Out. Allerdings scheint mir dieses sehr anregende Training nicht ganz ungefährlich für Parkinson-Patienten. Ein vorheriges Gespräch mit dem behandelnden Therapeuten ist unumgänglich. Nur Patienten im Stadium HY I und II ohne andere, besonders orthopädische Begleiterkrankungen, erscheinen mir geeignet. Das Gute am Trampolin: Es ist klein und preisgünstig, man kann es privat erwerben und täglich darauf üben. Sichere Geräte kosten zwischen 150 und 400 Euro. Beim Kauf sollte man auf das TÜV/GS-Gütesiegel achten.

Beispielvideo im Internet von einem parkinsonbetroffenen Physiotherapeuten: https://www.youtube.com/watch?v=oiGO1dJnvfc

Training auf dem Laufband

Zum Laufbandtraining gibt es mehrere Studien mit relativ kleinen Fallzahlen. In einer Chochrane Übersichtsarbeit (Cochrane = internationales Netzwerk von Wissenschaftlern und Ärzten, welches sich an den Grundsätzen der evidenzbasierten Medizin orientiert) wurden 2010 acht Laufbandstudien mit Parkinson-Patienten analysiert. Die Übungen erfolgten drei- bis viermal wöchentlich über ein bis zwei Monate. Die Patienten waren leicht bis moderat (HY I - III) erkrankt. Gemessen wurden die Gehgeschwindigkeit, welche im Mittel um 15 cm/s zunahm, und die Schrittlänge, welche sich durchschnittlich um 6 cm vergrößerte. In zwei dieser Studien zeigte sich eine Zunahme der Gehstrecke, auf die Schrittfrequenz gab es keinen Einfluss. Unerwünschte Effekte wurden nicht beobachtet. Aufgrund der relativ kleinen Fallzahl (203 Patienten in allen Studien zusammen), wurden die Ergebnisse von den Autoren jedoch mit Vorsicht beurteilt. Eine Aussage über die anhaltende Wirkung des Trainings konnte nicht getroffen werden. Bezüglich der Belastung auf dem Laufband gibt es eine amerikanische Studie von 2012. Hier wurden drei verschiedene Gruppen gebildet. Zwei Gruppen erhielten ein Laufbandtraining, entweder intensiv oder eher locker (wird nach Herzfrequenzreserve beurteilt) und eine Gruppe trainierte mit Dehnungs- und Widerstandsübungen an Geräten. Trainiert wurde über 3 Monate dreimal in der Woche. Interessant: das Gehen auf dem Laufband mit der niedrigeren Intensität führte zu einer stärkeren Verbesserung des Gangs und der Mobilität (Distanz- und Geschwindigkeitsmessung). Verbesserungen der Muskelkraft konnte man nur in Gruppe drei nachweisen, die Laufband-Patienten zeigten verbesserte kardiovaskuläre Werte. Fazit der Autoren: dieses Training lohnt sich, allerdings am besten eine Kombination aus Laufband- und Gerätetraining. Ein ganz neues Verfahren für Patienten, welche nicht mehr steh- oder gehfähig sind, stellt das PWSTT (Partial Body weight support treadmill training) dar, ein Laufbandtraining mit spezieller Gewichtsentlastung oder auch das roboter-gestützte Training mit dem Lokomat®. Beim PWSTT ist der Patient mit einem Fallschirmgurt gesichert und seine Gangbewegungen werden mit dem Laufband aktiviert. Der Lokomat® besitzt zusätzlich noch Führungshilfen für Ober- und Unterschenkel. Da nicht jede Praxis über solche Geräte verfügt, ist bei Interesse eine Anfrage erforderlich. Ein normales Laufband ist in der Regel in jeder Praxis vorhanden, auch in jedem Fitnesszentrum.

Fazit: Geeignet für Patienten im HY Stadium I bis III, Kontraindikationen sind vor Beginn der Therapie abzuklären.

Fahrradfahren/Ergometer/MOTOmed gegen Parkinson

Sowohl für das Fahrradfahren als auch für das Training am Hometrainer gibt es mehrere gut durchgeführte Studien mit positiven Effekten auf die allgemeine Bewegungsfähigkeit, die Stimmungslage und die Kognition. So trainierten 26 Parkinson-Patienten am Cleveland Clinic Lerner Research Institute dreimal pro Woche über 8 Wochen auf dem Fahrradergometer. Es besserte sich neben der Bewegung auch die Sauerstoffversorgung der Hirnzellen, Informationen zwischen den Nervenzellen wurden effizienter ausgetauscht. Dabei wurde festgestellt, dass die Besserung umso größer war, je höher die beim Training erzielte Geschwindigkeit lag.

Fahrradfahren kann empfohlen werden, wenn noch keine Gleichgewichtsstörungen vorhanden sind. Sofern das Gleichgewicht mit betroffen ist, besteht insbesondere beim Auf- und Absteigen eine erhöhte Sturzgefahr. Für diese Patienten kommt eher das Training am Hometrainer infrage oder sie entscheiden sich für ein Dreirad-Fahrrad für Erwachsene. Einer meiner Patienten ist begeistert von seinem Easy Rider. Wenn im Stadium IV oder V auch dies nicht mehr möglich sein sollte, ist das Training am MOTOmed angezeigt. Bei diesem Gerät sitzt der Patient auf einem Stuhl oder im Rollstuhl vor dem Stehfahrrad, die Beine werden fixiert und die Bewegungen werden durch einen Motor unterstützt. Neuerdings gibt es auch Motomed-Geräte, die mit einem zusätzlichen Arm- bzw. Oberkörpertrainer ausgestattet sind.

Die MOTOmed Bewegungstherapiegeräte sind laut Hilfsmittelverzeichnis von den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland als Hilfsmittel anerkannt. Je nach Indikation ist der therapeutische Bewegungstrainer verordnungsfähig. Für eine Kostenübernahme durch Ihre Krankenkasse ist in der Regel eine mehrwöchige Erprobungsphase notwendig. Hierfür bekommen Sie das MOTOmed über den Sanitätsfachhandel kostenlos zur Verfügung gestellt.

Über den Autor

Dr. Ilona Csoti
Dr. Ilona Csoti
Ärztliche Direktorin
Gertrudisklinik Biskirchen

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