Physiotherapie für Parkinson Teil IV

Tanzen gegen Parkinson

In einer Studie mit Argentinischem Tango wurden 40 Patienten 12 Wochen lang von zwei Tanzlehrern begleitet. Insbesondere ging es um die Fragestellung, ob mit Musik assoziierte Bewegungen einen therapeutischen Wert für Parkinson-Patienten haben, welche unter Müdigkeit und Depressionen leiden. Hier wurden erstmals also auch nichtmotorische Symptome besonders beachtet. Das Ergebnis war erstaunlich: Tango tanzen verbesserte nicht nur die Balance und die allgemeine Mobilität, sondern auch Müdigkeit, Freezing (Festfrieren der Füße am Boden) und langsames Denken. Natürlich gaben alle Beteiligten an, dass das Tanzen mehr Spaß mache als andere Übungsprogramme. Man geht davon aus, dass zwischen Musik und dem dopaminergen System im Gehirn eine Verbindung besteht, welche ausschlaggebend für das Durchhalten bestimmter Aktivitäten ist. Bewegung zu Musik steigert so die Motivation der Patienten und sorgt gleichzeitig für eine verbesserte Stimmung. Auch die soziale Interaktion mit dem Tanzpartner spielt sicher eine große Rolle. Bereits in einer ersten Studie von 2007 verbesserten sich die Patienten um 8 Punkte im UPDRS. Zahlreiche DPV-Gruppen bieten Tango-Kurse an. Machen Sie mit!


Tai-Chi

Tai-Chi ist eine Abkürzung von Tai-Chi Chuan und wird auch chinesisches Schattenboxen genannt. Es handelt sich um eine im Kaiserreich China entwickelte Kampfkunst, aus welcher sich über hunderte von Jahren eine meditative Form der Bewegungstherapie entwickelt hat, die dem Erhalt von Gesundheit und Wohlbefinden dienen soll. 2003 wurde in Deutschland der DDQT - Dachverband für Qigong und Taijiquan - gegründet. In vielen Fällen übernehmen Krankenkassen Kosten von Therapiestunden, wenn die Kursleiter eine anerkannte Ausbildung durchlaufen haben. In einzelnen kleinen - sogenannten Pilotstudien - fand man erste Hinweise für eine Besserung bestimmter Symptome von Parkinson-Patienten, insbesondere bezüglich Gleichgewicht und Fallneigung. Bestätigt wurden diese Ergebnisse in einer größeren Studie mit knapp 200 Patienten. Die Patienten trainierten über 6 Monate zweimal pro Woche je 60 Minuten. Nach diesem Training zeigte sich eine Verbesserung der posturalen Stabilität (Haltungs- und Stellreflexe) und die Patienten stürzten seltener. Verbesserungen fanden sich außerdem in den Bereichen "maximale Auslenkung" (=Distanz, über welche sich eine Person in eine gegebene Richtung lehnen kann, ohne das Gleichgewicht zu verlieren), Bewegungspräzision (verbesserte Strategie, Schwankungen des Körperschwerpunkts auszugleichen), Schrittlänge und Gleichgewicht. Die Verbesserungen waren noch 3 Monaten nach Abschluss des Trainings nachweisbar. In einer Meta-Analyse wurden die Ergebnisse von 9 Tai-Chi Studien bei Parkinson ausgewertet, mit identischem Ergebnis. Fazit: Tai-Chi ist insbesondere Patienten mit Gleichgewichtsstörungen und Fallneigung zu empfehlen.

E-Health - Computer-assoziiertes Training

Mehrere Studien mit der Nintendo-Wii oder Kinect™Acventure (Spielekonsole) konnten nachweisen, dass Parkinson-Patienten davon ganz unterschiedlich profitieren können. Wie kam man auf diese Idee? In bildgebenden Verfahren konnte Neuroplastizität als Basis für motorisches Lernen nachgewiesen werden. Lernen von Bewegungen wiederum gelingt durch intensives, aufgabenspezifisches Üben unter voller Konzentration, unterstützt durch regelmäßige Rückmeldungen. Diese Rückmeldungen (Feedback) können während der Bewegung elektronisch unterstützt gegeben werden. Dies wird in digitalen Spielen umgesetzt. In eine virtuelle Realität eingebunden, können Patienten damit ihr Gleichgewicht trainieren bzw. in virtueller Umgebung auf dem Laufband das Gehen in alltagsrelevanten Situationen verbessern.

Neben einer Besserung von Gleichgewicht und Zunahme der Ganggeschwindigkeit ließen sich auch deutliche Verbesserungen von geistigen Fähigkeiten nachweisen. Vorteil: nach Anschaffung einer solchen Konsole können Übungen täglich wiederholt werden. Sofern Kinder oder Enkelkinder im Haus sind, ist hier eine sehr motivierende Zusammenarbeit möglich. Eine Therapie, welche Nutzen und Spaß sinnvoll verbindet.

Nordic-Walking

Viele meiner Patienten sind überzeugt, dass ihnen bereits einfaches Spazierengehen gut tut. Studien gibt es dazu keine, aber ich schließe mich dieser Meinung ohne Einschränkungen an. Gezielte Untersuchungen gibt es jedoch zum Nordic Walking. In einer ganz aktuellen Studie wurden 22 Patienten im HY Stadium 2 und 2,5 über 12 Wochen untersucht. Es zeigten sich eine Verbesserung der Gang-Geschwindigkeit und der Schrittlänge. Vorteil: die Technik des Nordic Walking ist schnell erlernbar und kann nach Anschaffung guter und individuell angepasster Stöcke täglich ohne Fremdhilfe ausgeübt werden. Aufrechte Körperhaltung und Gangrhythmus werden gefördert. Die Stöcke verhelfen dazu, rascher und rhythmischer zu gehen. In anderen Studien wurde über eine Verbesserung von Gleichgewicht, Haltungsstabilität und Gehgeschwindigkeit berichtet, auch über ein deutlich gestiegenes emotionales Wohlbefinden. Es erscheint günstig, die Technik unter Anleitung eines Trainers zu erlernen, da Fehler bei der Handhabung der Stöcke möglich sind. Fazit: Nordic Walking ist ein gutes Training für Parkinson-Patienten.

 

Über den Autor

Dr. Ilona Csoti
Dr. Ilona Csoti
Ärztliche Direktorin
Gertrudisklinik Biskirchen

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