Baubiologie –
gesundes Wohnen, Leben und Arbeiten

Baubiologie ist die ganzheitliche Betrachtung von gesundem Umfeld in Innenräumen. Hier geht es eben nicht nur um die reine Begutachtung von z.B. Innenraumschadstoffen, sondern auch um die Randbedingungen und eine Vielzahl von weiteren Einflüssen, wie Elektrosmog, Radon und Radioaktivität, Licht, Schimmelpilzen und Allergenen und vielen weiteren. Das ist auch der sehr große Unterschied zwischen Baubiologen und anderen Sachverständigen in diesen Bereichen.

Oft versuchen Hersteller, Industrie oder auch Richtlinien mit zweifelhaften Aussagen Sicherheit oder gar gesundheitliche Unbedenklichkeit zu vermitteln: „Der Grenzwert von …. wird nicht überschritten, etc.“ Diese Aussagen gehen aber an der Realität vorbei, da in mehr als 95 % der Fälle mehr als nur eine Ursache der Grund für diese Anomalien, oder Beeinträchtigungen sind. Vergleichbar ist dies mit Krankheiten, da man sich mit einem geschwächten Immunsystem (bei z.B. schlechter Ernährung) zehn Mal schneller mit z.B. einem grippalen Infekt anstecken kann, also mit einer Potenz von 10 rechnen muss. Diese Potenzen sind aber in keinerlei Hinsicht in die Grenzwerte eingerechnet, sondern beziehen sich nur auf eine einwirkende Belastung.

Bauordnungen fordern in Artikel 3: “Bauten sind so zu errichten, dass sie das Leben oder die Gesundheit des Menschen und die natürliche Lebensgrundlage nicht gefährden.“

Hier ist die Baubiologie seit fast 40 Jahren kompetenter Berater, Partner und Ideengeber und gerade in der heutigen Zeit wichtiger denn je. Gab es vor rund 100 Jahren nur 180-200 unterschiedliche Materialien am Bau so sind es heute mehr als 2 Millionen und es kommen jährlich 1000 neue Produkte auf den Markt. Da den Überblick zu behalten fällt nicht nur Planern und Architekten, sondern auch Handwerkern und den Bauherren zunehmend schwerer. Nicht wenige als gesund gebaute Häuser entpuppen sich nach baubiologischer Betrachtung als genau das Gegenteil. Als Dozent gebe ich in Fachvorträgen die Möglichkeit sich dem Thema zu nähern, als Sachverständiger die Planungen zu begleiten und als Messtechniker entsprechende Untersuchungen durchzuführen.

 

Als Fachmann für Baubiologie kann ich bereits in der Planungsphase viele Bereiche der 25 Grundregeln der Baubiologie vorher berücksichtigen und so präventiv für gesundes Wohnen, Leben und Arbeiten sorgen. Um hier einigen Beispiele zu nennen sollten Holzbauten keinesfalls mehr ohne baubiologische Elektroinstallation ausgeführt werden. Baustoffe sind in Ausschreibungen grundsätzlich gegen schadstofffreie, wenn möglich gegen Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen auszutauschen und auch ein Schadstoffkataster sollte dem Kunden übergeben werden können. Das Raumklima besteht nicht nur aus Wärme und Feuchte, sondern beinhaltet ebenso die Wärmeverteilung, Feuchtehaushalt, Raumluftqualität, Lichteinfall und Lichtqualität, Behaglichkeit auch Felder, Wellen und Strahlung.

Diese Aufzählung ist nicht abschließend, sondern als Anriss zu betrachten. Hier bildet der Standard der baubiologischen Messtechnik (SBM 2015) die Grundlage der reproduzierbaren Verfahren zur Bewertung dieser Faktoren.

Bauplatzuntersuchungen können bereits vor Planungsbeginn gewisse Risiken aufdecken und dementsprechende Anordnungen von Schlafbereiche, Maßnahmen gegen vagabundierende Ströme von Stromleitungen oder Bahntrassen, Ausgasungen aus dem Erdboden, Feldbelastungen im Hochfrequenzbereich oder Schallproblematiken in den folgenden Planungsprozess integrieren, sodass die Mehrkosten im Verhältnis zur nachträglichen Dämpfung, bzw. Abschirmung um bis zu 75% geringer ausfallen können.

Ein besonderes Augenmerk sollte auch auf die Auswahl des Dämm-Materials gelegt werden. Eine vollständige Ökobilanz (von der Herstellung bis zur Wiederverwertung, oder Entsorgung) nach dem cradl to cradle- Prinzip versteht sich eigentlich von selbst. Es sollte eines jeden Planers Ansporn sein seine Kunden dementsprechend aufzuklären. Betrachtet man z.B. die Entsorgungskosten von EPS-Dämmsystemen im Vergleich zu Dämmsystemen aus nachwachsenden Rohstoffen, so steht man spätestens in 30-40 Jahren vor dem Punkt, dass womöglich das jetzt so schön geplante Haus fast nicht mehr zu veräußern, (ähnlich der Probleme bei asbesthaltigen Bauwerken) oder sehr teuer zu sanieren sein wird.

Die Auslegung der Grenzwerte und deren Zustandekommen, den Geltungsbereich oder auch für welchen Personenkreis diese gelten, gebürt besondere Betrachtung. So gibt es festgelegte Grenzwerte für Personen zwischen 20-40 Jahren mit keinerlei gesundheitlicher Vorbelastung - wo sind hier alle anderen Personenkreise, jeder 3. ist inzwischen umweltkrank, Kinder, alte Menschen und Personen zwischen 40-65? Oder es gibt besondere Vorschriften für öffentliche Bauten bei bestimmten Risiken und bei privaten Bauherren gelten diese nicht oder Grenzwerte die weit oberhalb von internationalen Werten (z.B. der WHO) liegen.

Umso mehr gewinnt die Planung und Vorbereitung mit dem richtigen baubiologischen Berater den entsprechenden Vorteil für alle Beteiligten und die Bauherrenschaft. (Vorgehen analog dem Brandschutzsachverständigen)

Rundum Baubiologisch – wohnen Sie gesund.

 

Über den Autor

Martin Köhler
Martin Köhler
Aktuelle Ausgabe2/2019